ORF zeigt zwei neue True-Crime-Dokus über ungeklärte Todesfälle

Am 17. September strahlt ORF 1 zwei Dokumentationen über mysteriöse Todesfälle aus. Eine Doku beleuchtet den Tod einer slowakischen Pflegerin in Oberösterreich, die andere einen umstrittenen Mordfall in München.
Der ORF präsentiert am Donnerstag, dem 17. September 2026, zwei neue Folgen der Reihe „True Stories“ in ORF 1. Um 20.15 Uhr läuft die Dokumentation „Tod am Fluss – Der Fall Denisa Šoltísová“, gefolgt von „Der Parkhausmord – Wer tötete Charlotte Böhringer?“ um 21.05 Uhr. Beide Filme sind auch auf ORF ON verfügbar.
Todesfall einer Pflegerin wirft Fragen auf
Im Jänner 2008 wird in einem Fluss bei Regau in Oberösterreich die Leiche der 29-jährigen slowakischen Pflegerin Denisa Šoltísová entdeckt. Zehn Tage zuvor war die Frau verschwunden. Zuletzt hatte man sie in einer Winternacht bei Minustemperaturen barfuß und nur leicht bekleidet nahe ihres Arbeitsplatzes – dem Haus eines pensionierten Arztes – gesehen.
Die österreichischen Behörden stufen den Tod bereits wenige Stunden nach dem Leichenfund als Suizid durch Ertrinken ein – ohne Obduktion durchzuführen. Die Familie der Verstorbenen, die in der Slowakei lebt, zweifelt jedoch an dieser Theorie. Nach der Überstellung des Leichnams veranlassen die Eltern eine Obduktion. Dabei werden Blutergüsse an Unterarmen und Oberschenkeln sowie fragwürdige Medikamente im Körper festgestellt.
Die Befunde führen zu unterschiedlichen Interpretationen unter Expertinnen und Experten. Während ein Teil der Gutachten einen Suizid für wahrscheinlich hält, sehen andere Hinweise auf eine mögliche Beteiligung Dritter. Laut Aussagen der Eltern und von Zeuginnen und Zeugen soll Denisa in den Tagen vor ihrem Verschwinden zunehmend verwirrt und geschwächt gewirkt haben – obwohl sie zuvor psychisch und physisch kerngesund gewesen sei.
Der österreichische Journalist Martin Leidenfrost, der damals in der Slowakei lebte, unterstützt die Familie bei der Suche nach einem möglichen Täter. Auch er stößt bei den Ermittlungen auf Widersprüche, Geheimniskrämerei und Schlampereien. 2011 hatte die Staatsanwaltschaft Wels das Verfahren eingestellt. Verjährt ist der Fall jedoch nicht – bei neuen Spuren könnten die Ermittlungen wieder aufgenommen werden.
Gesellschaftliche Dimension des Falls
Die von Metafilm für den ORF produzierte Dokumentation von Biljana Petrović zeichnet das tragische Schicksal einer jungen Frau nach, die voller Zukunftspläne nach Österreich kam und als 24-Stunden-Pflegekraft ihren Lebensunterhalt verdiente. Ihre Geschichte steht für die zumeist unsichtbare Lebensrealität tausender osteuropäischer Pflegekräfte, die seit der EU-Osterweiterung die Altenbetreuung in Österreich sichern – isoliert und fern der Heimat.
Die Spurensuche reicht von Oberösterreich bis in die Slowakei: Journalistinnen und Journalisten, Gerichtsmediziner, Juristen und Angehörige diskutieren widersprüchliche Gutachten, mögliche Ermittlungsfehler sowie die Frage, ob Herkunft und sozialer Status die Wahrnehmung und Aufklärung des Falls beeinflusst haben. Fast zwei Jahrzehnte später hofft Denisas Mutter weiterhin auf Gewissheit.
Umstrittenes Urteil im Münchner Mordfall
Die zweite Dokumentation beleuchtet einen Kriminalfall aus München. Im Mai 2006 wird die Millionärin Charlotte Böhringer im Penthouse ihres Parkhauses tot aufgefunden. Ihr Neffe Benedikt Toth gerät rasch unter Tatverdacht und wird 2008 nach einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt.
Am 24. April 2023 kam er vorzeitig auf Bewährung frei, nachdem er seine Haft verbüßt hatte. Bis heute betont er, unschuldig zu sein, und kämpft zusammen mit Familie und Freunden dafür, den Mordfall vollständig aufzuklären. Das Urteil war von Anfang an umstritten, weil es sich nur auf Indizien stützte. Die Tatwaffe konnte nicht gefunden werden.
In der Dokumentation von Gunther Scholz kommen neben Benedikt Toth auch sein Verteidiger Peter Witting, sein Bruder Mate und auch enge Freunde zu Wort. Außerdem geben Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen, der Kriminalist Axel Petermann sowie der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude ihre Einschätzung zu dem Fall ab.
Quelle: OTS
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