Pasterze verliert Eisverbindung – Tirol übernimmt Platz eins

Der größte Gletscher Österreichs könnte in den kommenden Monaten seine letzte Eisverbindung verlieren. Die schmale Eisbrücke über den Riffwinkel droht abzureißen, so der Alpenverein.
Die letzte Eisverbindung der Pasterze steht vor dem endgültigen Aus. Sollte der Sommer ähnlich warm weitergehen, könnte die Eisbrücke bereits in den nächsten Monaten abreißen. Das gaben der Alpenverein, der Nationalpark Hohe Tauern und die Geosphere Austria bekannt. Bei günstigeren Bedingungen könnte die Verbindung zumindest heuer noch bestehen bleiben, so die Einschätzung der Experten.
Die Eisbrücke über den Riffwinkel an der Nordseite der Pasterzenzunge war zur Jahrtausendwende noch über 800 Meter breit. Mittlerweile ist sie zu einem schmalen Brückchen zusammengeschmolzen. Der Klimawandel lässt die heimischen Gletscher in einem Ausmaß schwinden, das noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten wurde.
Zweite Eisbrücke bereits 2020 verschwunden
Die markante Gletscherzunge, die früher als dicker Eispanzer von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus zu sehen war, ist bereits deutlich zurückgegangen. Wo um die Jahrtausendwende noch mächtiges Eis lag, entstehen heute mehrere Seen. Die Eisbrücke am Schneewinkel auf der gegenüberliegenden Seite des Hufeisenbruchs ist bereits 2020 endgültig abgerissen – heute befindet sich dort ein Wasserfall.
Geht auch die letzte Verbindung verloren, gilt der Gletscher nicht mehr als einheitliche Eisfläche. Der abgetrennte untere Teil wird dann als Toteiskörper bezeichnet. Die Rest-Gletscherzunge verhält sich bereits seit längerem wie Toteis, weil seit den 2010er-Jahren der Eisnachschub von oben so gering ist, erklären die Wissenschafter Michael Avian und Anton Neureiter von Geosphere. Die Bewegung des Eises sei beinahe zum Stillstand gekommen, die Eismasse schmilzt nicht nur dahin, sondern zerfällt großflächig.
Zunge sank um 7,3 Meter in einem Jahr
Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Institut für Geografie und Raumforschung an der Universität Graz koordiniert gemeinsam mit Gerhard Lieb den Gletschermessdienst des Alpenvereins. Für ihn ist die Gletscherzunge bereits seit längerem praktisch als Toteismasse zu bezeichnen, die sich nicht mehr regenerieren kann. Die Zunge ist alleine von 2024 auf 2025 um 7,3 Meter eingesunken. Die dabei abgeschmolzenen 12,4 Millionen Kubikmeter Eis entsprechen einem Eiswürfel mit 231,5 Metern Kantenlänge.
Seit 1980 ging jährlich im Durchschnitt eine Tonne Eis pro Quadratmeter Gletscherfläche verloren, so Avian und Neureiter. In den letzten zehn Jahren hat sich der Wert auf 1,2 Meter Wasseräquivalent erhöht. Die aktuellsten Daten geben für die Pasterze ein Eisvolumen von 0,9 Kubikkilometern an.
Gepatschferner wird größter Gletscher
Das Gletscherinventar aus dem Jahr 2023 weist für die Pasterze noch eine Fläche von 16,7 Quadratkilometern aus. Der Gepatschferner kam demnach 2023 auf rund 14,6 Quadratkilometer, wie die Glaziologin Andrea Fischer von der Akademie der Wissenschaften darlegte. Nach dem endgültigen Aus der Eisverbindung am Hufeisenbruch wird der Gepatschferner zum größten Gletscher Österreichs.
Der Tiroler Gletscher liegt oberhalb des Kaunertales auf einer Höhe von bis zu annähernd 3.500 Metern Seehöhe. Er ist anders aufgebaut als die Pasterze: Während die große Fläche der Pasterze auch mit der großen, relativ tief liegenden flachen Gletscherzunge zusammenhängt, hat der Gepatschferner eine kleinere Zunge und sehr viel Masse in höheren Lagen. Dadurch verliert die Pasterze anteilig mehr Fläche durch die stark tauenden unteren Teile.
Alpenverein sieht Auswirkungen der Klimakrise
Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Alpenvereins, bezeichnet das Abschmelzen des größten Gletschers mittlerweile als weit mehr als ein lokales Naturereignis. Man sehe hier ganz klar die Auswirkungen der Klimakrise und damit die Veränderung eines einzigartigen Naturraums, der die Alpen über Generationen geprägt hat. Der Alpenverein fühle sich als größter Grundeigentümer im Glocknergebiet diesem emotional und historisch tief verbunden. Umso schmerzlicher sei es, den Rückzug der Pasterze in dieser Geschwindigkeit mitansehen zu müssen, so Slupetzky. Der Verlust der Gletscher habe bereits heute spürbare Folgen für Wasserhaushalt, Biodiversität und die Sicherheit im alpinen Raum.
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