Paulus Manker muss sich wegen Veruntreuung vor Gericht verantworten

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Dem Theatermacher wird vorgeworfen, sich Einnahmen aus Kartenverkäufen für seine Produktionen am Semmering unrechtmäßig angeeignet zu haben. Der Schaden soll sich auf rund 349.000 Euro belaufen. Im Fall einer Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Der 68-jährige Paulus Manker muss sich am Wiener Landesgericht wegen Veruntreuung und betrügerischer Krida verantworten. Die Anklage ist seit wenigen Tagen eingebracht, aber noch nicht rechtskräftig. Manker kann noch Einspruch erheben. Für den bisher unbescholtenen Regisseur gilt die Unschuldsvermutung.

Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren. Der inkriminierte Schaden beläuft sich auf 349.350,40 Euro.

Vorwürfe rund um Produktionen am Semmering

Gegenstand des Verfahrens sind Vorgänge im Zusammenhang mit den Theaterproduktionen „Alma“ und „Die letzten Tage der Menschheit“, die Manker im Südbahnhotel am Semmering inszenierte. Zwischen Dezember 2022 und September 2023 soll er sich die Erlöse aus dem Kartenverkauf unrechtmäßig angeeignet haben.

Aus der 13-seitigen Anklageschrift, die der APA vorliegt, geht hervor: Manker wäre verpflichtet gewesen, sämtliche Ticketeinnahmen an einen eigens für kulturelle Veranstaltungen im Südbahnhotel gegründeten Verein zu überweisen. Über dieses Konto hätte die vertraglich vereinbarte Aufteilung der Erlöse erfolgen sollen.

Stattdessen, so die Anklage, sorgte Manker dafür, dass Theaterbesucher die Karten – jeweils mehrere 100.000 Euro – direkt auf Konten der von ihm geleiteten ALMA Theaterproduktion GmbH bzw. seines Vereins „Kulturaktiv“ überwiesen. Diese Einnahmen habe er nicht weitergeleitet.

„Oder glaubt Ihr, ich mache mich aus dem Staub?“

Als Manker im Dezember 2022 per Mail an die Vertragsbedingungen erinnert wurde, antwortete er: „Es ist schön, dass der enorme Zuspruch des Publikums (bis dato 5.000 Karten!) jetzt tatsächlich auch zu einem finanziellen Gewinn für uns alle führen wird, aber es ist nicht das Erste, worauf es jetzt ankommt. Oder glaubt Ihr, ich mache mich mit den Einnahmen aus dem Staub?“

Der Südbahnhotel-Verein erhielt laut Anklage abgesehen von 190.000 Euro kein weiteres Geld. Die Theaterära endete mit der zwangsweisen Räumung des Hotels, nachdem die vereinbarte Frist von 45 Tagen nach der letzten Vorstellung nicht eingehalten wurde. Im August 2024 wurde auf Antrag des Vereins das Insolvenzverfahren über die ALMA Theaterproduktion GmbH eröffnet.

Manker weist Vorwürfe zurück

Während die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, Manker habe die Einnahmen für private Zwecke verwendet, beteuert der Theatermacher: Alle Gelder seien ausschließlich zur Finanzierung der beiden Produktionen eingesetzt worden. Belege dafür gebe es allerdings nur bis September 2023. Danach seien sämtliche Kassenbelege und Bargeld aus dem Büro im Südbahnhotel „verschwunden“ – sie seien der Räumung zum Opfer gefallen.

Manker machte außerdem geltend, der Südbahnhotel-Verein hätte zwei Drittel aller Einnahmen und Subventionen beansprucht, „ohne das Geringste dafür geleistet zu haben“. Vielmehr hätten der Hotelbesitzer und der Verein die Produktion „sabotiert, behindert und boykottiert“.

Prozess voraussichtlich Anfang 2027

Sollte die Anklage rechtskräftig werden, dürfte der Prozess erst Anfang 2027 stattfinden. Die Staatsanwaltschaft hat für den Fall einer Verurteilung den Verfall der erlangten Beträge beantragt – eine vermögensrechtliche Maßnahme, die verhindern soll, dass Straftäter wirtschaftliche Vorteile aus unrechtmäßigen Taten behalten.

Ob Manker die geforderten 350.000 Euro aufbringen könnte, ist fraglich. Laut Anklageschrift bezieht er eine monatliche Pension von 1.500 Euro netto, hat kein Vermögen und keine Sorgepflichten. Details zu weiteren finanziellen Verpflichtungen sind nicht bekannt.

Quelle: APA

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