Pensionistenverband lehnt Anhebung des Pensionsalters ab

Der Pensionistenverband Österreichs positioniert sich klar gegen eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. Präsidentin Birgit Gerstorfer warnt vor sozialer Ungerechtigkeit und verweist auf die schwierige Lage älterer Menschen am Arbeitsmarkt.
Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) erteilt Plänen zur Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters eine klare Absage. Ebenso lehnt die Organisation eine Verknüpfung des Pensionsalters mit der steigenden Lebenserwartung oder den absolvierten Erwerbsjahren ab.
Birgit Gerstorfer, Präsidentin des PVÖ, betont: „Länger zu leben bedeutet nicht automatisch, auch länger gesund und voll belastbar arbeiten zu können. Das Pensionsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, wäre sozial ungerecht und würde die Realität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer völlig ausblenden.“
120.000 Menschen über 50 ohne Beschäftigung
Die Zahlen des Arbeitsmarktservice verdeutlichen die Problematik: Im Juni 2026 waren rund 120.000 Personen ab 50 Jahren arbeitslos oder befanden sich in Schulungsmaßnahmen. Mehr als ein Drittel aller beim AMS registrierten Menschen gehört zur Altersgruppe 50+. Besonders dramatisch ist die Lage für ältere Frauen, deren Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich angestiegen ist. Nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes bleiben sie oft besonders lange ohne neue Anstellung.
Gerstorfer erklärt: „Wer über 50 Jahre alt ist und den Arbeitsplatz verliert, hat häufig nur mehr geringe Chancen auf eine neue Beschäftigung. Gerade Frauen sind mehrfach benachteiligt – durch unterbrochene Erwerbsbiografien, Teilzeitbeschäftigung und die Übernahme von Kinderbetreuung und Pflegearbeit.“
Beschäftigungsquote bei 60 Prozent
Daten der Statistik Austria zeigen, dass die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen zuletzt bei rund 60 Prozent lag. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass vier von zehn Menschen dieser Altersgruppe nicht mehr erwerbstätig sind. Bei Frauen liegt die Erwerbsbeteiligung weiterhin deutlich unter jener der Männer.
„Bevor über ein höheres Pensionsantrittsalter diskutiert wird, muss endlich dafür gesorgt werden, dass ältere Menschen überhaupt bis zur Pension in Beschäftigung bleiben können. Nicht das Pensionssystem ist das Problem, sondern die mangelnden Chancen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt“, betont die PVÖ-Präsidentin.
Betriebe sollen mehr Verantwortung übernehmen
Der Verband fordert einen grundlegenden Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik und will Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen. Viele Betriebe würden noch immer zu wenig in altersgerechte Arbeitsplätze, Weiterbildung und Gesundheitsförderung älterer Beschäftigter investieren.
Gerstorfer kritisiert: „Es kann nicht sein, dass Menschen mit jahrzehntelanger Berufserfahrung aus dem Erwerbsleben gedrängt werden und man ihnen anschließend vorwirft, zu früh in Pension zu gehen.“
Neun-Punkte-Forderungskatalog des PVÖ
Der Pensionistenverband hat seine Positionen in einem umfassenden Forderungskatalog zusammengefasst:
- Keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters
- Keine automatische Koppelung des Pensionsalters an die steigende Lebenserwartung
- Keine automatische Koppelung des Pensionsantritts an die Zahl der Erwerbsjahre
- Altersgerechte Arbeitsplätze und gesundes Arbeiten bis zur Pension
- Wirksame Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung bei Einstellung und Beschäftigung
- Bessere Chancen für ältere Arbeitssuchende – insbesondere für Frauen
- Verbindliche Verantwortung der Betriebe für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
- Bonus-Malus-System für Betriebe
- Ausbau von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten über das gesamte Erwerbsleben hinweg
Koppelung an Erwerbsjahre würde Ungerechtigkeiten schaffen
Besonders kritisch bewertet der PVÖ Vorschläge, den Pensionsantritt künftig an die Zahl der Erwerbsjahre zu koppeln. Ein solches Modell würde neue Ungerechtigkeiten schaffen, warnt Gerstorfer. Menschen mit längeren Ausbildungszeiten – etwa Akademikerinnen und Akademiker – würden benachteiligt. Noch stärker betroffen wären Frauen, die wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen Erwerbsunterbrechungen hatten.
„Wer gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit geleistet hat, darf dafür im Alter nicht bestraft werden“, erklärt die Präsidentin.
Verlässlichkeit und Kaufkrafterhalt gefordert
Für den Verband ist es entscheidend, das Vertrauen der Menschen in das öffentliche Pensionssystem zu stärken. Wer jahrzehntelang arbeitet und Beiträge leistet, müsse sich darauf verlassen können, dass die vereinbarten Regeln gelten. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter dürfe daher nicht ständig infrage gestellt oder verändert werden.
Ebenso unverzichtbar sei der volle Erhalt der Kaufkraft der Pensionen. „Die Pension ist kein Almosen, sondern eine erarbeitete Leistung. Deshalb muss die Teuerung auch künftig voll abgegolten werden. Gerade in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten brauchen Pensionistinnen und Pensionisten Sicherheit statt Unsicherheit.“
Gerstorfer abschließend: „Das österreichische Pensionssystem hat sich bewährt. Es braucht keine Verunsicherungen und Experimente, sondern eine Arbeitsmarktpolitik, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterstützt, Betriebe stärker in die Verantwortung nimmt und allen ein würdevolles Leben im Alter ermöglicht.“
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