Perg rüstet sich gegen Hitze und Trockenheit

Die oberösterreichische Stadt Perg setzt auf Klimawandelanpassung. Seit Juli 2026 läuft die zweijährige Umsetzungsphase der KLAR!-Region, in der Arbing, Perg und Schwertberg gemeinsam Maßnahmen gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen entwickeln.
Die Stadtgemeinde Perg mit ihren rund 9.500 Einwohnern arbeitet seit 1. Juli 2026 offiziell in einer Klimawandel-Anpassungsmodellregion daran, die Lebensqualität trotz steigender Temperaturen zu sichern. Gemeinsam mit Arbing und Schwertberg werden Strategien gegen die Folgen des Klimawandels umgesetzt. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Anpassung an Hitze: Die Gemeinden erheben derzeit besonders heiße Bereiche, schattige Aufenthaltsorte sowie hitzesensible Alltagswege. Öffentliche Trinkwasserstellen werden erfasst, zusätzliche Angebote geprüft. Der Sommer 2026 unterstreicht die Dringlichkeit: Nach zwei markanten Hitzewellen gab es am 5. August mit 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg einen neuen österreichischen Temperaturrekord, und elf Messstationen erreichten Anfang August mindestens 40 Grad, vielerorts mit neuen Stationsrekorden und außergewöhnlich warmen Nächten. Dazu kommt extreme Trockenheit: Laut GeoSphere Austria waren die zwölf Monate bis August 2026 die trockenste vergleichbare Periode seit Messbeginn 1850, in Oberösterreich lag der Niederschlag bis 12. August rund 42 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Hitze als Gesundheitsgefahr
Hitze gilt laut GeoSphere Austria mittlerweile als tödlichste Naturgefahr des Landes. Besonders kritisch sind längere Hitzeperioden, in denen auch die Nächte kaum Abkühlung bringen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation können hohe Temperaturen unter anderem Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Nierenerkrankungen verschärfen. Ein besonderes Risiko tragen ältere Menschen, Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen, die im Freien arbeiten.
Der aktuelle europäische Klimabericht für 2025 bestätigt, dass sich Europa als WMO-Region am schnellsten erwärmt, und zwar ungefähr doppelt so rasch wie der globale Durchschnitt. Die jüngsten Fünfjahresmittel liegen in Europa bei rund 2,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau, weltweit bei etwa 1,4 Grad.
Gebäude müssen auch im Sommer funktionieren
Neubauten und Sanierungen müssen nicht nur im Winter wenig Heizenergie brauchen, sondern auch im Sommer funktionieren: Außenliegender Sonnenschutz, gute Dämmung von Dach und Fassade, geeignete Fensterflächen, sinnvolle Speichermasse und konsequente Nachtlüftung senken die Überhitzung deutlich. klimaaktiv empfiehlt, Hitze gar nicht erst ins Gebäude zu lassen; außenliegende Jalousien oder Rollläden sind besonders wirksam.
Passive Maßnahmen kommen zuerst. Wo sie nicht reichen (stark belastete Bestandsgebäude, Ordinationen, Pflegeeinrichtungen, Büros, Schulen), wird aktive Kühlung wichtiger, effizient geplant und möglichst mit erneuerbarem Strom; Wärmepumpen mit Kühlfunktion und effiziente Klimageräte können Teil der Lösung sein. Weil der weltweite Stromverbrauch für Raumkühlung seit 2015 um rund 50 Prozent auf etwa 2.900 Terawattstunden stieg (mehr als der Jahresverbrauch der EU), braucht es effiziente Geräte und Gebäude mit minimalem Kühlbedarf.
Auch die thermische Bauteilaktivierung (wasserdurchströmte Rohre in massiven Bauteilen wie Betondecken zum Heizen oder Kühlen) gehört laut Klima- und Energiefonds stärker in die Planung, da sie sich gut mit erneuerbaren Energien kombinieren lässt. Ressourcenschonend kühlen kann man etwa mit Erdwärmetauschern oder, wo technisch und wasserrechtlich geeignet, mit Grundwasser.
Mehr Schatten und weniger versiegelte Flächen
Perg braucht im öffentlichen Raum mehr Schatten, weniger unnötige Versiegelung und einen besseren Umgang mit Regenwasser. Bäume, begrünte Fassaden und Dächer, entsiegelte Flächen, Grünzüge und blau-grüne Infrastruktur mindern die Aufheizung; große Bestandsbäume sind besonders wertvoll (Schatten, Verdunstungskühle, Aufenthaltsqualität), ihr Erhalt sollte daher mindestens so wichtig sein wie Neupflanzungen.
Entsiegelte Flächen und ausreichende Grünräume speichern Regen und wirken bei Starkregen wie in Trockenzeiten. Niederschlagswasser soll wo möglich vor Ort zurückgehalten, versickert und zur Bewässerung genutzt werden, womit sich Perg Schritt für Schritt zur „Schwammstadt“ entwickelt.
Sprühnebel und Wasserelemente können kurzfristig zusätzlich kühlen (etwa auf versiegelten Plätzen oder bei Veranstaltungen), erfordern aber professionelle Planung und einwandfreie Hygiene, da laut AGES legionellenbelastete Aerosole gefährlich sein können. Sie ergänzen Bäume und Beschattung allenfalls gezielt, ersetzen sie aber nicht.
Trinkwasser und Landwirtschaft
Die KLAR! Perg erfasst bestehende öffentliche Trinkwasserstellen und bereitet eine regionale Initiative zum kostenlosen Auffüllen mitgebrachter Trinkflaschen vor, um fehlende Trinkmöglichkeiten zu erkennen. Die Landwirtschaft rund um Perg ist durch die extreme Trockenheit 2026 und langfristig durch Hitze, Trockenperioden und ungleichmäßigere Niederschläge gefordert; zentral sind standortangepasste Sorten, Humusaufbau, Bodenschutz, hohe Wasserspeicherfähigkeit und effiziente Bewässerung, wo sinnvoll. Im Projekt KLIMAFIT 3 fördern Bund und Länder hitze- und trockenheitstolerante Kulturpflanzen mit 1,25 Millionen Euro pro Jahr.
Anpassung und Klimaschutz
Anpassung und Klimaschutz sind zu unterscheiden: Anpassung bewältigt die Folgen der bereits laufenden Erwärmung, Klimaschutz bestimmt ihr künftiges Ausmaß, und jede vermiedene Tonne CO₂ entlastet kommende Generationen. Weltweit stiegen die energiebedingten CO₂-Emissionen 2025 laut Internationaler Energieagentur um rund 0,4 Prozent auf einen Höchststand von knapp 38,4 Milliarden Tonnen, und die atmosphärische CO₂-Konzentration lag laut NOAA (Mauna Loa) im Juli 2026 bei 429,12 ppm (Juli 2025: 427,87 ppm). Maßnahmen wie Schatten, gesunde Bäume, weniger Versiegelung, bessere Gebäude, saubere Energie, attraktive öffentliche Räume und widerstandsfähige Böden machen Perg nicht nur klimafester, sondern schon heute lebenswerter.
Quelle: https://ooe.gruene.at/news/klar-perg-klimafit-machen
Worüber spricht Linz morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.