Persönliche Assistenz in NÖ: Selbstbehalt bis 1550 Euro

Menschen mit Behinderungen müssen in Niederösterreich trotz erhöhter Förderung hohe Selbstbehalte für Persönliche Assistenz zahlen. Die WAG Assistenzgenossenschaft kritisiert in ihrer Halbjahresbilanz, dass die Unterstützung für viele unleistbar bleibt.
Das Leben mit Persönlicher Assistenz wird in Österreich immer schwieriger, wie die WAG Assistenzgenossenschaft in ihrer Halbjahresbilanz feststellt. Verantwortlich dafür sind die Sparpläne der Bundesländer. Obwohl die Förderung in Niederösterreich auf 24 Euro pro Assistenzstunde angehoben wurde, müssen Betroffene weiterhin hohe Selbstbehalte leisten.
Die Förderungen wurden jahrzehntelang nicht an die Inflation angepasst. Das verschlechtert die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen erheblich.
Monatliche Kosten von bis zu 2760 Euro
Ein Praxisbeispiel verdeutlicht die finanzielle Belastung: Eine Kundin benötigt monatlich 200 Stunden Assistenz. Im Angestelltenmodell entsteht ein Selbstkostenbeitrag von bis zu 13,80 Euro pro Stunde – insgesamt 2760 Euro pro Monat. Das Pflegegeld der Stufe 5 beträgt derzeit 1206,90 Euro.
Die Betroffene muss somit monatlich rund 1550 Euro aus eigener Tasche aufbringen, um die notwendige Unterstützung zu erhalten. Für viele ist das nicht finanzierbar.
„Persönliche Assistenz ist ein Menschenrecht und ist die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Niemand sollte dafür bezahlen müssen, die Toilette aufzusuchen, sich eine Mahlzeit zuzubereiten oder abends ins Bett gehen zu können. Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, wird für Menschen mit Behinderungen zur finanziellen Belastung“, betont Jasna Puskaric, geschäftsführende Vorständin der WAG Assistenzgenossenschaft.
Verzicht auf notwendige Unterstützung
Die Konsequenz: Betroffene verzichten auf notwendige Unterstützung oder geraten in finanzielle Schwierigkeiten. Die jüngste Erhöhung der Förderung um zwei Euro pro Stunde sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber bei weitem nicht aus, so die WAG. Die tatsächlichen Kosten einer Assistenzstunde im Anstellungsverhältnis liegen deutlich darüber.
Faire Arbeitsbedingungen für Persönliche Assistentinnen und Assistenten sowie eine bestmögliche Assistenz seien mit den derzeitigen Fördersätzen nicht finanzierbar.
Hitzewelle zeigt Notwendigkeit
Die aktuelle Hitzewelle verdeutlicht, wie unverzichtbar Persönliche Assistenz ist. Ausreichend trinken, Wohnräume kühlen, Einkäufe erledigen oder medizinische Empfehlungen umsetzen – all das ist für viele Menschen mit Behinderungen nur mit Persönlicher Assistenz möglich.
Wer sich diese Unterstützung nicht leisten kann, verliert nicht nur Selbstbestimmung, sondern setzt auch die eigene Gesundheit aufs Spiel.
UN-Konvention seit 2008 ratifiziert
Österreich hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2008 verpflichtet, Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dieses Recht dürfe nicht vom Einkommen oder Wohnort abhängen.
„Bis zu einem bedarfsgerechten Assistenzsystem ist es aber noch ein weiter Weg“, resümiert Christoph Dirnbacher, Vorstand der WAG. Er verweist auf die seit Jahren bestehende Finanzierungslücke. Die letzte Reform des niederösterreichischen Fördersettings sei ein wichtiger Schritt gewesen, nach einem halben Jahr stehe aber fest, dass noch viel zu tun bleibe.
Quelle: OTS
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