Peter Gruber wird 80: Nestroy-Pionier und ORF-Stimme

Mathias FischerMathias Fischer
Theatermaske auf Buch vor Mikrofon, Lorbeerkranz und Burgkulisse
© Mit KI (Gemini) generiert

Der Wiener Schauspieler, Regisseur und Sprecher Peter Gruber feiert am Mittwoch seinen 80. Geburtstag. Der Mitbegründer der Nestroy-Spiele Schwechat prägte ein halbes Jahrhundert lang das österreichische Theaterleben und war zwei Jahrzehnte die Stimme des „Traummännleins“ im ORF-Radio.

Peter Gruber hat sein Leben dem Theater verschrieben – insbesondere dem Werk von Johann Nestroy. Der gebürtige Wiener gründete die Nestroy-Spiele Schwechat mit und leitete sie bis 2022 fünf Jahrzehnte lang. Im Hof von Schloss Rothmühle brachte er wegweisende Nestroy-Inszenierungen auf die Bühne. Für sein Engagement wurde er mit dem Nestroy-Preis und dem Nestroy-Ring geehrt. Zudem trieb er die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Wiener Dramatiker voran.

Vielseitige Karriere zwischen Bühne und Mikrofon

Neben seiner Theatertätigkeit machte sich Gruber mit seiner unverwechselbaren Stimme einen Namen. Mehr als 20 Jahre lang war er als „Traummännlein“ im ORF-Radio zu hören. Darüber hinaus sprach und moderierte er zahlreiche Sendungen, Dokumentationen und Hörspiele. Der vierfache Vater feiert heuer auch sein 60-jähriges Bühnenjubiläum.

Als Regisseur realisierte er rund 200 Inszenierungen im gesamten deutschsprachigen Raum – darunter Werke von Sophokles, Shakespeare, Horváth, Hofmannsthal, Raimund, Schwab und Mnouchkine. Zwischendurch stand er auch selbst auf der Bühne, „um nicht zu vergessen, wie schön das sein kann, wenn's gelingt“. Als Darsteller war er unter anderem in Wien, Düsseldorf, Oberhausen, Zürich, bei den Salzburger Festspielen und den Ruhrfestspielen zu erleben. Auch in TV-Produktionen von ORF, ZDF und BBC wirkte er mit.

Von der Matura zum Max-Reinhardt-Seminar

Am 23. September 1946 geboren, ist Gruber ein Großneffe von Gustaf Gründgens. Nach der Matura in Wien widmete er sich der Darstellenden Kunst und absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar in Schauspiel und Regie.

In den 1970er-Jahren wollte ein Komitee um Schauspieler Bruno Dallansky und Autor György Sebestyén in der renovierten Schwechater Rothmühle ein Nestroy-Sommerspiel etablieren. Für einen Probelauf mit Amateuren wurde Gruber als Regisseur verpflichtet. Da sich keine Sponsoren für ein Profi-Festival fanden, entwickelte sich das Provisorium zur Dauereinrichtung. 2014 wurde er beim Nestroy-Preis mit einem Spezialpreis für seine langjährige Leitung ausgezeichnet.

Politisches Theater statt Biedermeier

Nestroy in Schwechat stand stets für aufmüpfiges, politisches Theater fernab jeder Biedermeier-Romantik. Die Produktionen wurden von fundierter theaterwissenschaftlicher Begleitung getragen und brachten Entdeckungen aus dem umfangreichen Werk des Wiener Dramatikers ans Licht. 2022 übergab Gruber die Leitung an Christian Graf, der seine Bühnenlaufbahn 22 Jahre zuvor in Schwechat begonnen hatte.

Auszeichnungen und ungebrochener Optimismus

Für seine Arbeit erhielt Gruber zweimal die Kainz-Medaille für die beste Regie – 1974 für „Musketiere“ und 1984 für „Mephisto“. 2009 wurde ihm der Kulturpreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Darstellende Kunst verliehen. 2016 erhielt er den Berufstitel Professor.

Seine Überzeugung, dass Theater und Film auf unterhaltsame Weise zu mehr Reflexion, Toleranz und Empathie beitragen können, ist ungebrochen. Die Hoffnung auf eine Umkehr der politischen Entwicklungen hat er nicht aufgegeben.

Quelle: APA

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