Petition für Marchfelder Tiefkühlgemüse sammelt 40.000 Unterschriften

Nach der angekündigten Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf läuft eine Online-Petition für den Erhalt der heimischen Tiefkühlgemüse-Produktion. Agrana bringt das ehemalige Zuckerfabrik-Gelände in Leopoldsdorf als möglichen Standort ins Gespräch.
Eine Online-Petition zum Erhalt der Marchfelder Tiefkühlgemüse-Produktion hat am Donnerstag bereits rund 40.000 Unterschriften erreicht. Hintergrund ist die für 2027 geplante Schließung des Werks des Iglo-Zulieferers Ardo in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich. Der Nahrungsmittel- und Industriegüterkonzern Agrana hat indes das ehemalige Zuckerfabrik-Areal in Leopoldsdorf als mögliche Lösungsvariante vorgeschlagen. Ardo selbst forderte einen „konstruktiven sozialen Dialog“.
Die Petition richtet sich an die Bundesregierung und fordert Anreize für eine Weiterführung der Produktion. Im Beschreibungstext werden Steuervorteile oder Subventionen für ein österreichisches Unternehmen angeregt, das eine neue Fabrik zur Verarbeitung von Tiefkühlgemüse errichten könnte. Auch finanzielle Unterstützungen für betroffene Landwirte werden vorgeschlagen, „die als Genossenschaft die Verarbeitung ihres Gemüses übernehmen könnten“.
Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) zeigte sich erfreut über die Initiative: „Die Petition zeigt den großen Rückhalt in der Bevölkerung und die Unterstützung für unsere vielfältigen Bemühungen vor und hinter den Kulissen. Wir kämpfen für die heimische Gemüseproduktion und die Versorgungssicherheit Österreichs“, reagierte er.
Agrana bietet Leopoldsdorfer Standort an
Agrana-Chef Stephan Büttner brachte über die „Kronen Zeitung“ die ehemalige Zuckerfabrik in Leopoldsdorf im Marchfeld als möglichen Standort für eine neue Tiefkühlgemüse-Produktion ins Spiel. „Wenn es zu einer Gesamtlösung kommt, könnten wir einen interessanten Beitrag leisten“, sagte Büttner. Auf APA-Anfrage bestätigte Agrana, grundsätzlich für Gespräche über mögliche Lösungen zur Verfügung zu stehen.
Das Unternehmen besitzt in Leopoldsdorf weiterhin 30 Hektar, der Standort dient als Zucker-Logistikhub. Weitere 50 Hektar wurden an die Schweizer PCS-Holding verkauft, die unter anderem am Schienenfahrzeughersteller Stadler beteiligt ist. Büttner kann sich ein Genossenschaftsmodell vorstellen, bei dem die Bauern selbst die Verarbeitung betreiben. Ziel wäre eine langfristige Absicherung der Gemüseabnahme und der regionalen Wertschöpfung.
Bereitgestellt werden könnte Infrastruktur wie Stromversorgung, Kläranlage und verfügbare Flächen, wodurch Investitionskosten für einen neuen Betreiber sinken könnten. Agrana selbst will jedoch nicht in die Tiefkühlgemüse-Produktion einsteigen. „Das ist nicht unser Geschäft. Ganz klar nicht“, sagte Büttner der „Krone“. Die bestehenden Fabrikgebäude seien nicht geeignet, man müsste wohl eine Halle errichten. Notwendig sein dürften eine Projektierung und ein Vergleich mit anderen Möglichkeiten.
FPÖ fordert österreichische Lösung
Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Peter Schmiedlechner forderte in einer Aussendung, gemeinsam mit der bestehenden bäuerlichen Erzeugergemeinschaft sowie mit heimischen Verarbeitern und Investoren eine Weiterführung des Werks oder eine alternative regionale Verarbeitungslösung zu prüfen. „Wenn Bund und Land bereit waren, einem internationalen Konzern Unterstützung anzubieten, dann müssen sie auch eine österreichische Lösung mit unseren Bauern unterstützen können. Die Bauern dürfen dabei nicht allein das wirtschaftliche Risiko tragen“, betonte der Agrarsprecher der Freiheitlichen.
Ardo hatte ein Hilfs- und Subventionspaket von Bund und Land abgelehnt und in der Vorwoche betont, den Fokus auf die Ausarbeitung eines Sozialplans legen zu wollen. Seitens der Produktionsgewerkschaft PRO-GE wurde zuletzt jedoch festgehalten, dass ein bisheriges Angebot „völlig unzureichend“ gewesen sei. Haken dürfte es an der finanziellen Ausgestaltung. Vom NÖAAB wurde am Donnerstag per Aussendung auch die Prüfung einer Arbeitsstiftung gefordert.
Nächste Verhandlungsrunde am 23. Oktober
Ardo rief am Donnerstag dazu auf, „den konstruktiven sozialen Dialog fortzusetzen“, um „rasch Klarheit für die Beschäftigten zu schaffen“. Die nächste Verhandlungsrunde mit dem Betriebsrat für einen Sozialplan ist nach Unternehmensangaben für den 23. Oktober geplant. Die große Mehrheit der Beschäftigten werde weitere sechs bis neun Monate für Ardo tätig sein können, einige ein ganzes Jahr, wurde in einer Aussendung mitgeteilt.
Seitens des Unternehmens wurde festgehalten, dass „die operativen Verluste des österreichischen Geschäfts seit mehreren Jahren von der Ardo-Gruppe getragen werden“. Außerdem wurde erläutert, dass „staatliche Unterstützungen die strukturellen Probleme des Werks nicht lösen“ würden. Die beabsichtigte Schließung „beruht auf einer eingehenden Bewertung sowohl des lokalen als auch des internationalen Marktumfelds, in deren Rahmen alle möglichen Alternativen sorgfältig geprüft und bewertet wurden. Leider ist das Werk in Groß-Enzersdorf strukturell unrentabel geworden.“
Rückforderungsansprüche werden geprüft
Ardo Austria Frost selbst habe in Bezug auf staatliche Unterstützungen „keine öffentlichen Mittel erhalten, die einer Rückzahlung unterliegen könnten“, wurde weiters betont. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), an der Ardo eine Minderheitsbeteiligung hält, habe Förderungen aus EU-Fonds bekommen, die „teilweise Gegenstand von Rückforderungsansprüchen der EU sein könnten“. „Das Risiko und die mögliche Höhe einer etwaigen Rückzahlung werden derzeit mit Unterstützung externer Experten geprüft“, hieß es. Die in Medien genannten möglichen Beträge wurden als „deutlich überhöht“ bezeichnet.
Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Von der für Ende August 2027 geplanten Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan entsteht. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Die belgische Gruppe hat 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die ETG, die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.
Quelle: APA
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