Pfarrer mit Rückentattoo: „Glaube sichtbar machen“

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Dominik Toplek ist Seelsorger, Polizeipfarrer und trägt ein großflächiges Rückentattoo mit religiösen Motiven. An Allerheiligen denkt er an seinen verstorbenen Vater in Kroatien und begleitet zugleich zahlreiche Trauerfeiern, so der ORF.

Der Geistliche Dominik Toplek verbindet an Allerheiligen Berufliches mit Privatem. Sein Vater ist verstorben, das Grab befindet sich in Kroatien, dem Herkunftsland seiner Eltern. Eine Kerze sei trotz der Entfernung stets präsent, erklärt der Pfarrer.

Belastung durch Kriseneinsätze

Als Seelsorger ist Toplek regelmäßig bei Begräbnissen im Einsatz. Seit 2020 arbeitet er zudem als Polizeiseelsorger und war Teil des Kriseninterventionsteams. Die emotionale Last dieser Tätigkeit sei real, räumt er ein. Es gelinge ihm nicht immer, die Erlebnisse hinter sich zu lassen.

Entscheidend sei für ihn die Abgrenzung zwischen Mitgefühl und Mitleiden, die er während seiner Ausbildung erlernt habe. Wer mitleide, sei bereits zu involviert. Mitgefühl hingegen sei angemessen. Unterstützend wirkten für ihn Psychohygiene und anonymisierte Gespräche mit Vertrauenspersonen. Zudem helfe ihm das bewusste Loslassen: Er erkenne seine Grenzen an und überlasse das Weitere einer höheren Instanz.

Berufswahl nach langem Ringen

Bereits in jungen Jahren hegte Toplek den Wunsch, Priester zu werden, er war gerne Ministrant. In der Pubertät stellte sich jedoch die Frage nach Partnerschaft und Familie. Er absolvierte eine HTL für Elektronik und Nachrichtentechnik, arbeitete in einem Planungsbüro und begann schließlich ein Theologiestudium.

Doch auch danach folgte ein Bruch: 1999 verließ er das Priesterseminar. Erst mit etwa 35 Jahren traf er die endgültige Entscheidung für das Priesteramt. Er habe eine Partnerschaft gelebt und dabei festgestellt, dass dies nicht sein Weg sei. Die Verbindlichkeit und die Ansprüche einer Zweierbeziehung könne er nicht erfüllen. Sein Beruf erfülle ihn derart, dass die Sehnsucht nach einer Partnerschaft sehr gering sei.

Besonders erfüllend seien für ihn Familiengottesdienste. Wenn Kinder rückmeldeten, dass sie eine positive Botschaft mitgenommen hätten, erfülle ihn das monatelang mit Freude.

Vielfalt statt Einheitsbrei

Toplek plädiert für mehr Vielfalt in der Kirche. Strukturierte, traditionelle Gottesdienste böten manchen Menschen Heimat, andere bevorzugten Kindergottesdienste, meditative Feiern, Orchesterkonzerte oder kleinere Runden. Er vergleicht das kirchliche Angebot mit einer Speisekarte: Es wäre langweilig, wenn überall nur dasselbe serviert würde.

Tätowieraktion in der Kirche sorgt für Diskussion

Österreichweit Aufmerksamkeit erhielt Toplek im Jahr 2021 durch sein großflächiges Rückentattoo. Es zeigt das Wesen Gottes mit dem Schriftzug „Ich bin, der ich bin“, einen Verweis auf Jesus sowie den Geist Gottes mit dem Wort „Anima“ – Hauch und Beseelung. Diese Motive repräsentierten die zentralen Elemente seines Glaubens.

Im September organisierte er gemeinsam mit der Jungen Kirche Vorarlberg zum zweiten Mal die Veranstaltung „Religious Ink“ in der Pfarre St. Martin. Dabei wurde direkt in der Kirche tätowiert. Die Reaktionen reichten von Begeisterung bis zu Vorwürfen der Gotteslästerung. Kritik sei vor allem aus kirchennahen Kreisen gekommen, weniger wegen der Tattoos selbst als wegen des Ortes. Der Tempel Gottes und er selbst als Tempel Gottes – diese Verbindung sei nicht gut angekommen. Ob er die Aktion wiederholen werde, sei offen. Die ausgelöste Debatte sei es ihm jedoch wert gewesen.

Quelle: https://vorarlberg.orf.at/stories/3377154/

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