Pflegeheim: Arzt und Pflegerin nach Überdosierung verurteilt

Pia ProdingerPia Prodinger
©APA/EVA MANHART (Symbolbild)

Ein 86-jähriger Bewohner eines Pflegeheims in Deutschlandsberg ist 2024 an einer massiven Medikamentenüberdosierung gestorben. Das Grazer Oberlandesgericht bestätigte am Dienstag die Verurteilung einer Pflegerin und eines Arztes wegen grob fahrlässiger Tötung, so der ORF.

Der Pensionist hatte Anfang 2024 Aufnahme in einem Pflegeheim gefunden. Ein Arzt hatte ihm zuvor ein Medikament mit der Dosierungsangabe „1 tgl WD: 6 Stück“ verschrieben. Eine Pflegerin interpretierte diese Anweisung jedoch falsch.

Sie las die Abkürzung als „1 x täglich wiederholende Dosis 6 Stück“. Korrekt wäre gewesen: „1 x täglich, wöchentliche Dosis sechs Stück“. Statt sechs Einheiten pro Woche erhielt der 86-Jährige dadurch 42 Einheiten pro Woche – die siebenfache Menge.

Hausarzt bestätigte fehlerhafte Dosierung

Der Hausarzt des Pflegeheims, der ebenfalls angeklagt war, bestätigte die falsche Dosierung sogar noch. Laut Gutachten starb der Bewohner unter anderem wegen dieser hohen Dosis.

Das Straflandesgericht Graz hatte die beiden bereits in erster Instanz wegen grob fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen. Die Pflegerin wurde zu einer Geldstrafe von 9.000 Euro und vier Monaten bedingt verurteilt. Der Arzt erhielt eine Geldstrafe von 28.000 Euro sowie ebenfalls vier Monate bedingte Haft.

Berufung abgewiesen – Urteil rechtskräftig

Beide legten Berufung ein. Am Dienstag verhandelte das Oberlandesgericht in Graz den Fall in zweiter Instanz. Der Richtersenat bestätigte das Urteil und würdigte die umfassende Beweislage der ersten Instanz.

„Schon für einen medizinischen Laien seltsam, dass es 42 Tabletten pro Woche sein sollen“, hieß es nach der Urteilsverkündung. Das Urteil ist nun rechtskräftig.

Quelle: https://steiermark.orf.at/stories/3371212/

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