Physik-Nobelpreisträger Devoret sprach in Innsbruck

Mona HopfingerMona Hopfinger
Vortragender Mann in einem Hörsaal in Wien hält einen Vortrag vor Publikum.
© uibk.ac.at

Der französische Physiker Michel Devoret, der 2025 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, hielt Ende Oktober eine Gastvorlesung an der Universität Innsbruck. Vor mehr als 100 Zuhörern erklärte er supraleitende Quantenschaltkreise und „künstliche Atome“.

Ende Oktober war Michel Devoret zu Gast am Campus Technikerstraße. Der Forschungsschwerpunkt Physik hatte den Nobelpreisträger 2025 im Rahmen der Innsbruck Physics Lecture eingeladen. Sein Vortrag widmete sich der Frage, wie weit Quantenphysik in die makroskopische Welt hineinreicht.

Von der Grundlagenforschung zum Quantenprozessor

Vor dem großen Publikum zeigte Devoret, wie aus einer grundlegenden Frage ein ganzes Forschungsfeld erwuchs. Er spannte den Bogen von frühen Experimenten zum makroskopischen Quantentunneln bis zu modernen Quantenprozessoren.

Vor vierzig Jahren sei noch unklar gewesen, ob makroskopische Größen wie elektrische Ströme und Spannungen quantenmechanischen Gesetzen folgen, erinnerte der Physiker. Die Experimente in Berkeley, für die er gemeinsam mit John Clarke und John Martinis ausgezeichnet wurde, brachten die Antwort. Sie bildeten die Grundlage für supraleitende Quantenschaltkreise.

Anders als natürliche Atome können diese „künstlichen Atome“ gezielt konstruiert werden: Über die Dimensionen des Schaltkreises lassen sich die Energieniveaus präzise einstellen. Grundzustand und erster angeregter Zustand fungieren heute als Qubits in Prozessoren, die Quantenalgorithmen ausführen – Aufgaben, an denen klassische Computer scheitern.

Enge Kooperation seit Yale

Eingeführt wurde Devoret von Gerhard Kirchmair vom Institut für Experimentalphysik und dem IQOQI Innsbruck. Die beiden kennen sich aus Yale: Kirchmair arbeitete dort als Postdoc in der Gruppe von Rob Schoelkopf, der eng mit Devoret kooperierte. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden mehrere gemeinsame Publikationen.

„Generell war die Zeit stark geprägt von der engen Zusammenarbeit der zwei Gruppen – beide arbeiten an supraleitenden Schaltkreisen. Aber der Fokus war immer so, dass sich die Forschung sehr gut ergänzt hat“, erinnert sich Kirchmair.

Werdegang des Nobelpreisträgers

Michel Devoret promovierte 1982 in Orsay. Als Postdoc forschte er bei John Clarke an der University of California, Berkeley, zu makroskopischem Quantentunneln. Danach leitete er mit Daniel Estève und Cristian Urbina eine Forschungsgruppe am CEA in Saclay und lehrte am Collège de France.

Ab 2002 war er an der Yale University tätig, wo er zusammen mit Robert Schoelkopf und Steven Girvin die Circuit-Quantenelektrodynamik mitentwickelte. Heute forscht er an der University of California, Santa Barbara, und bei Google Quantum AI.

Quelle: https://www.uibk.ac.at/de/newsroom/2026/nobelpreistrager-devoret-zu-gast-an-der-uni-innsbruck

Worüber spricht Innsbruck morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.