Physiotherapie-Studentin absolviert Auslandssemester in der Schweiz

Theresa Mattes, Physiotherapie-Studierende, verbrachte mehrere Monate in einer Rehaklinik in Walenstadtberg. Die Zeit zwischen Bergen und See war für sie eine prägende Erfahrung.
Eine Physiotherapie-Studentin hat über ihr Auslandssemester in der Schweiz berichtet. Theresa Mattes war von März bis Juni in Walenstadtberg tätig und beschreibt die Zeit als Erfahrung, die sie jederzeit wiederholen würde. Fachlich und persönlich habe sie sich enorm weiterentwickelt.
Die Anreise gestaltete sich bereits als kleines Abenteuer. Gemeinsam mit einem Kollegen fuhr sie nach Walenstadtberg – eine Fahrt, die fast zehn Stunden dauerte. Das Auto war bis unters Dach vollgepackt mit Skitourenausrüstung, Laufschuhen, Kletterzeug, Fahrradsachen, Geschirr und Lebensmitteln. Die Unterkunft musste selbst ausgestattet werden. Gegen 22 Uhr erreichten sie ihr Ziel. Die letzte Herausforderung wartete noch: eine schmale, steile Straße führte rund 500 Höhenmeter den Berg hinauf zur Klinik. Bei Dunkelheit, Regen und Nebel wirkte die Rehaklinik mit ihrem burgähnlichen Erscheinungsbild fast wie aus einem Film.
Selbstständiges Arbeiten von Beginn an
Bereits am nächsten Morgen begann der erste Arbeitstag. Die Studierenden wurden herzlich empfangen und erhielten eine umfassende Einführung. Innerhalb kürzester Zeit bekamen sie alles Notwendige: eigenes Telefon, Schlüssel, Spind, Zugangsdaten und vollständigen Zugang zum Dokumentationssystem. Mit dieser Freiheit kam auch viel Verantwortung. Sowohl in der Therapie als auch bei der Dokumentation arbeitete man weitgehend selbstständig. Gleichzeitig wurden das System, die Abläufe und die organisatorischen Strukturen ausführlich erklärt. Für Fragen nahm man sich jederzeit Zeit.
Schon am ersten Tag erhielt Mattes ihren eigenen Arbeitsplan, in dem neben Therapien auch Einführungen und Zeiten für Selbststudium eingeplant waren. Während des gesamten Praktikums fühlte sie sich als Studierende unglaublich wertgeschätzt. Jede Woche fanden Supervisionen und Studierendenfortbildungen statt. Zusätzlich gab es täglich etwa 30 bis 60 Minuten speziell für Studierende reservierte Zeit für Dokumentation, Recherche oder fachliche Fragen.
Junges Team und flache Hierarchien
Das Team der Physiotherapieabteilung bestand aus vielen jungen Kolleginnen und Kollegen. Alle waren per Du, der Umgang miteinander war ausgesprochen freundlich. Der große Aufenthaltsraum mit Kaffeemaschine, Massagesesseln und gemeinsamer Mittagspause sorgte für eine angenehme Atmosphäre. Von hierarchischen Strukturen im Gesundheitssystem war kaum etwas zu spüren. Stattdessen standen gegenseitiger Respekt, Offenheit und Zusammenarbeit im Vordergrund.
Neben dem Praktikum besuchte Mattes Lehrveranstaltungen an der SUPSI. Auch dort zeigte sich eine Mischung aus hoher Qualität, guter Organisation und einer sehr angenehmen Lernatmosphäre. Die Klassen waren deutlich kleiner als gewohnt, alle waren per Du – sogar mit den Lehrenden. Fachlich war der Unterricht zunächst ungewohnt. Viele Testungen, Untersuchungen und Konzepte waren völlig neu, obwohl die Studierenden erst im zweiten Semester waren. Umgekehrt konnten die Schweizer Studierenden mit manchen Techniken und Ansätzen aus Österreich wenig anfangen. Gerade dieser Austausch machte den Unterricht besonders spannend.
Freizeit zwischen Bergen und See
Auch die Freizeit kam trotz Praktikum und Bachelorarbeit nicht zu kurz. Zu Beginn nutzte Mattes die Zeit vor allem für sich selbst und machte aus dem Semester gewissermaßen ein kleines Trainingslager. Später kamen gemeinsame Aktivitäten hinzu – Baden und Grillen am See, Bouldern mit Kolleginnen von der SUPSI oder Besuche von Freunden aus Österreich.
Die soziale Integration außerhalb der Arbeit war nicht immer ganz einfach. Viele Menschen vor Ort sind bereits fest in ihrem Alltag verankert und wohnen nicht direkt am Berg. Nach einem langen Arbeitstag war es daher manchmal schwierig, außerhalb des Berufs neue soziale Kontakte aufzubauen. Durch das herzliche Team fiel das aber kaum ins Gewicht.
Das Praktikum fand an einem der schönsten Plätze statt, die Mattes bisher kennenlernen durfte. Direkt oberhalb der Klinik erstreckten sich Wälder und Wiesen bis hinauf zu den steilen Felswänden der Churfirsten. Talwärts blickte man auf den türkisblauen Walensee. Da sie von März bis Juni dort war, bot die Umgebung nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten. Von wöchentlichen Skitouren im Frühjahr über Trailrunning, Gravelbiken und Wandern bis hin zu spontanen Ausflügen an den See war alles möglich. Die schönsten Touren begannen direkt vor der Haustür.
Positive Bilanz nach mehreren Monaten
Rückblickend hat das Auslandssemester Mattes in jeder Hinsicht positiv überrascht. Sie hatte vor ihrer Anreise nur wenige konkrete Vorstellungen vom Leben in der Schweiz oder vom dortigen Gesundheitssystem. Umso beeindruckender war es zu erleben, wie selbstständig, strukturiert und gleichzeitig menschlich gearbeitet wird. Zum ersten Mal hatte sie wirklich das Gefühl, bereits als Physiotherapeutin zu arbeiten und Verantwortung für eigene Patienten zu tragen.
Abschließend kann sie sagen, dass sie Walenstadtberg, die Rehaklinik, das Team, die Patienten und die gesamte Umgebung sehr in ihr Herz geschlossen hat. Sie nimmt viele fachliche Erkenntnisse, neue Perspektiven und zahlreiche schöne Erinnerungen mit nach Hause. Für sie war dieses Auslandssemester eine unglaublich wertvolle Erfahrung, die sie sowohl als zukünftige Physiotherapeutin als auch als Person nachhaltig geprägt hat.
Quelle: https://www.fh-joanneum.at/news/abenteuer-schweiz-zwischen-therapie-berg-und-see
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