Pilze als Baustoff: Vortrag in St. Pölten
In der NÖ Landesbibliothek präsentiert Petra Gruber am 11. März 2027 pilzbasierte Materialien für die Architektur. Die Forscherin zeigt, wie Myzel organische Reststoffe in biologisch abbaubare Baustoffe verwandeln kann.
Petra Gruber, Leiterin der Abteilung für Hochbau an der Universität für angewandte Kunst Wien, gibt am 11. März 2027 ab 17.30 Uhr in der NÖ Landesbibliothek in St. Pölten Einblick in die Entwicklung myzelbasierter Baustoffe. Die Veranstaltung kombiniert einen Vortrag mit einer Materialpräsentation.
Im Zentrum stehen sogenannte Mycelium Based Composites (MBCs), auch Mycoterials genannt. Dabei handelt es sich um Materialien, die durch Pilzgeflechte entstehen. Das Myzel verbindet landwirtschaftliche Reststoffe zu stabilen, leichten und biologisch abbaubaren Strukturen. Diese eignen sich unter anderem für Dämmstoffe, akustische Elemente und Fassadenbauteile.
Von der Nische zur Innovation
Was lange als experimentelles Forschungsfeld galt, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Internationale Forschungs- und Innovationsprogramme widmen sich dem Thema, auch wirtschaftlich entwickelt sich der Bereich weiter. In den Bereichen Dämmung, Innenausbau, Akustik und biobasierte Fassadensysteme entstehen neue Anwendungen und Start-ups.
Während mineralische und petrochemische Baustoffe unter Druck geraten, eröffnen myzelbasierte Systeme Möglichkeiten, Ressourcen zu nutzen und Materialkreisläufe zu schließen. Hochschulen und Forschungsinstitutionen arbeiten daran, die Materialien für eine industrielle Herstellung weiterzuentwickeln.
Neue Fragen für die Architektur
Pilzbasierte Baustoffe stellen gewohnte Vorstellungen vom Entwerfen und Herstellen infrage. Wenn Material biologisch wächst statt industriell in standardisierte Formen gebracht zu werden, verändern sich die Bedingungen architektonischer Gestaltung. Form und Zeit, Alterung und Reparatur, Herstellung und Kreislauffähigkeit müssen neu gedacht werden.
Petra Gruber ist Architektin und Forscherin. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Architektur, Biologie und Kunst. International bekannt ist sie vor allem für ihre Expertise in der Biomimetik, auch Bionik genannt. Sie untersucht, wie sich Prinzipien und Erkenntnisse aus der Natur für Architektur, Konstruktion und Materialentwicklung nutzbar machen lassen.
Offene Fragen und Perspektiven
Der Vortrag zeigt, wie weit die Entwicklung myzelbasierter Baustoffe bereits fortgeschritten ist und welche Fragen noch offen sind. Dazu gehören regulatorische Hürden, die Normierung biogener Materialien und die Rolle, die sie künftig im urbanen Bauen spielen können.
Die Veranstaltung findet im Ausstellungsraum der NÖ Landesbibliothek am Landhausplatz 1 in St. Pölten statt und dauert bis 19.30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei. Es werden Fotos für Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation gemacht.
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