Pinkelnig vor Rückkehr: „Knie und Seele sind geheilt“

Mathias FischerMathias Fischer
Skispringerin im Comeback im Skisprung-Weltcup mit Genesung und Zielen
© Mit KI (Gemini) generiert

Mehr als 400 Tage nach ihrem schweren Sturz in Predazzo steht Eva Pinkelnig vor dem Wettkampf-Comeback. Die Vorarlbergerin will spätestens bei der ersten Vierschanzentournee der Frauen wieder dabei sein. Die lange Pause habe ihr körperlich und mental gutgetan, sagt die 38-Jährige.

Eva Pinkelnig nähert sich nach langer Verletzungspause ihrer Rückkehr in den Skisprung-Weltcup. Ob die Vorarlbergerin bereits beim Saisonauftakt am 21. November in Lillehammer startet, ist noch offen. Fixiert hat sie die Vierschanzentournee der Frauen zum Jahreswechsel als Ziel. Die Reha-Monate hätten ihr in jeder Hinsicht geholfen, betonte die Gesamtweltcupsiegerin von 2022/23.

„Ich war ausgebrannt“, sagte Pinkelnig mit Blick auf die vergangenen Jahre. Beim Sommer-Grand-Prix am 18. September 2025 in Predazzo hatte sie sich das vordere Kreuzband, Innen- und Außenmeniskus gerissen sowie einen Knorpelschaden im linken Knie zugezogen. Die gesamte Olympiasaison fiel aus. Mitte September sprang sie erstmals wieder – in Tschagguns. Dazwischen lagen zwölf Monate voller Geduld und Rückschläge. „Emotional war es manchmal gar nicht so einfach, weil ich gerne schon mehr gemacht hätte, als mich zurückzuhalten“, so die 38-Jährige.

Heilung für Körper und Psyche

Gemeinsam mit Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern, Ernährungsberatern, der Sportpsychologin sowie Familie und Freunden habe sie einen Weg gefunden, „dass die Eva heil wird – und zwar Körper, Seele, Geist“, berichtete Pinkelnig. Der erste Sprung in Tschagguns sei ein wichtiger Moment gewesen. „Ich wäre schon ein paar Wochen vorher gesprungen. Aber das Team hat es sehr gut gemanagt, dass das Ganze safe ist.“ Während alle rundherum nervös gewesen seien, habe sie es kaum erwarten können: „Für mich konnte es fast nicht schnell genug gehen.“

Chaos und Kompromisse vor der Verletzung

Schon vor dem Sturz sei die Zeit für die Siegerin von 16 Weltcup-Einzelspringen schwierig gewesen. „Die letzten Jahre haben gezehrt. Ich habe mich überhaupt nicht mehr wohlgefühlt. Wir hatten teilweise einfach viel Chaos“, erklärte sie. Sie habe „faule Kompromisse“ eingehen müssen, im Hintergrund sei vieles nicht gut gelaufen. „Da sind viele Dinge passiert, die auf der Seele geschmerzt haben, die Narben hinterlassen haben.“ Diese seien nun ebenfalls geheilt. „Deswegen hat die Zeit abseits einfach sehr, sehr gut getan. Und dementsprechend fühle ich mich einfach frei und leicht und kann das Skispringen wieder genießen.“

Mittlerweile funktioniere das Team sehr gut. „Alle sind unglaublich bemüht, arbeiten miteinander, kommunizieren miteinander, und sie hören vor allem auch zu. Das ist ein Thema im Frauensport, dass uns einfach zu wenig zugehört wird“, betonte Pinkelnig. Besonders lobte sie Chefcoach Thomas Diethart: „Der macht das super.“

Tournee, WM und Skifliegen als Ziele

In die kommende Saison geht Pinkelnig mit klaren Ambitionen. „Wirklich noch mal mit der Weltspitze mitzuhalten, das wäre einfach nur genial.“ Als Highlights nannte sie die Vierschanzentournee, die WM in Falun und das Skifliegen in Planica. „Tag für Tag, Sprungeinheit für Sprungeinheit gut arbeiten. Dann ist alles möglich“, hofft die Heeressportlerin, die erst mit 26 Jahren ihr Weltcupdebüt gegeben hatte.

Die Tournee-Premiere für die Frauen sei überfällig gewesen. „Das hätte meiner Meinung nach schon vor dem Skifliegen kommen sollen. Das ist einfach die Benchmark im Skispringen. Es ist so viel wert, dass wir Damen da jetzt in der vollen Version mit dabei sind.“

Fettner als Nummer 1 und Stütze

Dass das ÖSV-Frauenteam zuletzt geschrumpft ist, hat auch Pinkelnig registriert. „Wir haben einfach große Talente verloren, aber es kommen gute nach. Im Team bin ich jetzt die Oma.“ Lisa Fettner sei „ganz klar die Nummer 1, was das Sportliche betrifft. Was das Mediale rundherum betrifft, das liegt eher bei mir.“

Dass sich Fettner nach ihrem Rücktritt noch einmal umentschieden hat, freut die Sportlerin des Jahres 2023. „Sie ist eine Riesenstütze fürs Team.“ Im Training sei sie ein starker Gradmesser. „Sie gehört zu den Besten der Welt. Da weiß ich dann, wo ich hinmuss.“

Quelle: APA

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