Plattform zeigt 10.000 Wahlplakate seit 1848

Eine digitale Plattform macht die politische Geschichte Österreichs anhand von Wahlplakaten sichtbar. Die Sammlung umfasst rund 10.000 Plakate aus fast 180 Jahren und wurde nun bis 2025 erweitert.
Die Plattform zeithistorischer politischer Archive hat ihre Sammlung von Wahlplakaten um Medien bis zum Jahr 2025 erweitert und präsentiert diese an der Universität Graz. Die Datenbank dokumentiert politische Werbung von 1848 bis zur Gegenwart und umfasst insgesamt rund 10.000 Plakate.
„Der Bestand ist ein Abbild seit dem Beginn der Ersten Republik, unserer demokratie- und parteipolitischen Geschichte“, erklärt Anita Ziegerhofer. Die Forscherin leitet das Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen der Uni Graz und steht dem wissenschaftlichen Beirat der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek vor, die Teil der Plattform ist.
Vom Staatsvertrag bis zur Migrationsdebatte
Die Wahlplakate ermöglichen es, innenpolitische und gesellschaftliche Themen nachzuvollziehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Unabhängigkeit Österreichs von den vier Besatzungsmächten im Zentrum. Ab dem Staatsvertrag 1955 dominierten wirtschaftlicher Aufschwung und geopolitische Öffnung, etwa durch den Beitritt zur UNO.
In den 1970er-Jahren rückte die Gleichstellung der Geschlechter in den Vordergrund, in den 1980er-Jahren gewann die europäische Dimension an Bedeutung. In der jüngeren Vergangenheit kreist Wahlwerbung vor allem um Migration und Krisen.
„Die Plakate spiegeln auch den jeweiligen Zeitgeist wider“, betont die Rechts- und Zeithistorikerin. Zunehmend seien weniger Inhalte, sondern vielmehr die Gesichter der Parteispitzen von Bedeutung.
Vier Einrichtungen speisen die Datenbank
Die 2011 gegründete Plattform wird von vier Einrichtungen gespeist: Karl von Vogelsang-Institut, Kreisky-Archiv, Verein für Geschichte der Arbeiter:innenbewegung und Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek.
Der Bilderpool ist für die Forschung von großem Wert. „Er ist zudem für die Öffentlichkeit niederschwellig sowie frei zugänglich und lässt sich hervorragend im Unterricht für Geschichte und politische Bildung einsetzen“, unterstreicht Ziegerhofer.
Am 19. Oktober 2026 wird die Plattform an der Uni Graz präsentiert. Bei einer Diskussion sind unter anderem Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle, Uni-Graz-Historikerin Andrea Strutz, Werber Mariusz Jan Demner und der ehemalige Profil-Chefredakteur Herbert Lackner dabei.
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