Pollensaison in NÖ dauert mittlerweile bis zu 300 Tage

In Niederösterreich erstreckt sich die Pollensaison inzwischen über bis zu 300 Tage im Jahr. Aktuelle Messdaten zeigen, dass die Belastung bereits im Dezember beginnt und bis weit in den Herbst andauert.
Die Pollensaison in Niederösterreich hat sich durch den Klimawandel massiv verlängert. Wie Gesundheitslandesrätin Eva Prischl mitteilt, beginnt die Belastung mittlerweile bereits im Dezember und zieht sich bis tief in den Herbst hinein. Damit sind Allergikerinnen und Allergiker bis zu 300 Tage pro Jahr Pollen ausgesetzt.
Seit 1984 werden im Bundesland regelmäßig Pollenmessungen durchgeführt. Das Land betreibt vier Messstationen in St. Pölten, Stockerau, Allentsteig und Lunz am See, die durch punktuelle Erhebungen an weiteren Standorten ergänzt werden. Die gewonnenen Daten bilden eine wichtige Grundlage für Diagnostik, Behandlung und Forschung.
Neue Pflanzenarten verschärfen die Situation
Prischl betont, dass ohne regionale Pollenmessungen viele klimabedingte Veränderungen im Pollenflug sowie die Auswirkungen neuer Pflanzenarten weitgehend unentdeckt blieben. Je genauer bekannt sei, welcher Pollen wann und wo in welcher Konzentration auftrete, desto besser könnten sich Betroffene schützen. Zudem erhalten Ärztinnen und Ärzte eine fundierte Grundlage für zielgerichtete Diagnosen und passende Behandlungen.
Ein Beispiel für die Folgen des Klimawandels ist die zunehmende Ausbreitung des Einjährigen Beifußes im Osten Österreichs. Während der heimische Beifuß seinen Belastungshöhepunkt Mitte August erreicht, sorgt die aus Asien stammende Art Artemisia annua etwa einen Monat später für eine zweite Phase erhöhter Pollenbelastung.
KI-gestützte Auswertung von Symptomdaten
Ein wichtiger Partner des Landes bei der Erfassung der Pollenbelastung ist der Österreichische Polleninformationsdienst (ÖPID) mit Sitz in Stockerau. Wie Leiter Markus Berger erläutert, basiert eine moderne Pollenprognose heute nicht mehr ausschließlich auf Pollenzählungen. Zusätzlich fließen Wetterdaten, Luftschadstoffbelastungen sowie Symptomdaten von Betroffenen in die Vorhersagemodelle ein. Niederösterreich ist das erste Bundesland, in dem diese Symptomdaten auch KI-gestützt ausgewertet werden.
Die erhobenen Daten seien nicht nur für die Belastungsvorhersage von großer Bedeutung, sondern auch für die wissenschaftliche Forschung, so Berger. Gemeinsam mit internationalen Partnern untersucht der ÖPID derzeit im Rahmen von INTERREG-Projekten wie PollenCare, wie Städte und Gemeinden ihre Grünräume allergikerfreundlich gestalten können. Heuer wurde zudem eine Kooperation mit den Allergieambulatorien Niederösterreich gestartet. Künftig sollen Patientendaten mit den Pollenmessungen verknüpft werden, um Veränderungen bei allergischen Sensibilisierungen im Land besser nachvollziehen zu können.
Prävention und frühzeitige Behandlung wichtig
Pollenallergien zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und stellen aus Sicht der öffentlichen Gesundheit eine zunehmende Herausforderung dar, erklärt die niederösterreichische Sanitätsdirektorin Regina Klenk. Gerade nach der intensiven Gräserpollensaison beginne derzeit mit der Blüte des Beifußes für viele Betroffene eine weitere belastende Phase. Umso wichtiger seien eine kontinuierliche Pollenüberwachung, verlässliche Informationen und eine frühzeitige medizinische Abklärung. Mit gezielter Prävention und einer rechtzeitigen Behandlung könnten Beschwerden deutlich reduziert und Folgeerkrankungen wie allergisches Asthma häufig verhindert werden.
Aktuelle Polleninformationen sind unter www.polleninformation.at abrufbar. Zusätzlich informieren die Pollen+ App, der Ragweed-Finder auf www.ragweedfinder.at, der Pollenwarner auf Telegram und Signal, der Newsletter sowie die Social-Media-Kanäle des ÖPID regelmäßig über die aktuelle Belastungssituation.
Quelle: OTS
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