Porsche baut 911 GT2 RS zum „Flachbau RS“-Unikat um

Mathias FischerMathias Fischer
Porsche 911 Flachbau RS Sonderwunsch in Weiß mit schwarzen Streifen, vor Betonwand
© Porsche Holding GmbH

Ein Porsche-Enthusiast ließ seinen 911 GT2 RS von Sonderwunsch und Manthey in ein straßenzugelassenes Einzelstück verwandeln. Das Ergebnis: ein Werksunikat in Grandprixweiß, das den legendären Le-Mans-Rennwagen 935/78 „Moby Dick“ zitiert.

Ein Kunde von Porsche Sonderwunsch wünschte sich mehr Leistung, eine Flachbau-Optik und einen Heckflügel nach dem Vorbild des 911 GT3 R rennsport. Daraus entstand in knapp drei Jahren Entwicklungszeit ein straßenzugelassenes Sammlerstück auf Basis eines neuwertigen 911 GT2 RS aus dem Jahr 2018. Die Fahrzeugfront mit neu geformten Kotflügeln und einem U-förmigen Kontrastelement auf der Haube erinnert an den 935/78, der wegen seiner langgezogenen Form den Spitznamen „Moby Dick“ trägt.

Das interdisziplinäre Team aus Experten von Sonderwunsch, Style Porsche, Entwicklungsingenieuren aus Weissach, dem Porsche Motorsport und von Manthey arbeitete an dem Projekt. Der Antrieb blieb auf Kundenwunsch unverändert, doch durch konsequenten Leichtbau wiegt das Fahrzeug nun 31,6 Kilogramm weniger als der ohnehin auf Gewichtsreduktion getrimmte GT2 RS mit Weissach-Paket.

Flachbau-Tradition seit den 1980er-Jahren

Porsche bot in den 1980er-Jahren für den 911 Turbo (Typ 930) eine Umbauversion mit modifizierten Kotflügeln und Klappscheinwerfern an, die sich am Rennwagen 935 orientierte. Zwischen 1982 und 1989 wurden 948 Stück dieser Variante verkauft. Flachbau-Porsche zählen bis heute zu den seltensten 911-Versionen.

Im Mai 2025 ließ sich Porsche beim Europäischen Patentamt die Modellbezeichnungen „Flachbau“ und „Flachbau RS“ schützen. Hintergrund war der Umbau des 911 GT2 RS (Typ 991.2) mit Weissach-Paket, der nun als Sonderwunsch-Werksunikat mit Straßenzulassung präsentiert wird.

„Der Umbau zu einem Flachbau-Modell erwies sich als sehr anspruchsvoll, auch wenn wir in Absprache mit dem Kunden den Antrieb unverändert ließen“, erläutert Alexander Fabig, Leiter Produkt & Individualisierungsangebot bei Porsche. Sicherheit, Technik und Straßenzulassung sollten trotz der ikonischen Optik des 935 nicht beeinträchtigt werden.

Design von Grant Larson

Verantwortlich für das Design war Grant Larson, der inzwischen im Ruhestand ist. Er hatte bereits die moderne Interpretation des 935 entworfen, die Porsche 2018 zum 70. Jubiläum vorstellte. Zentrales Gestaltungselement neben den flacheren Kotflügeln ist die Scheinwerfer-Kaskade mit terrassenförmig angeordneten, sehr schmalen LED-Einheiten.

Das Farbkonzept kombiniert Grandprixweiß mit mattschwarz lackierten Partien und Sichtcarbon. Der besondere Weißton wurde eigens für das Unikat entwickelt, als Referenz diente ein historischer 911 in Grandprixweiß aus der Sammlung der Porsche AG. Das U-förmige Kontrastelement an der Front greift ein Designmerkmal des 935/78 im Martini-Look auf.

Neue Karosserie und Aerodynamik

Die Kotflügel haben eine flachere Form und tragen schlitzförmige Luftauslässe, sogenannte „Louvres“, durch die die Radkästen entlüftet werden. Wegen der neuen Kontur mussten auch der Deckel des Tankverschlusses und die dahinter liegende Kinematik geändert werden. Der vordere Stoßfänger wurde komplett neu gestaltet, dezente schwarze Flaps von Manthey unterstreichen die aerodynamische Performance.

Anstelle der runden Serienscheinwerfer kommt ein ausgeklügeltes Lichtsystem zum Einsatz: Die drei LED-Elemente für Fern-, Abblend- und Tagfahrlicht sind terrassenförmig übereinander angeordnet. Abblend- und Fernlicht messen jeweils knapp vier Zentimeter in der Höhe, das Tagfahrlicht weniger als zwei Zentimeter.

Der neue Heckflügel mit S-förmiger Anbindung wurde vom 911 GT3 R Rennsport (Typ 992) inspiriert, ist hier aber etwa fünf Zentimeter höher ausgeführt. Er kann manuell in drei Stellungen fixiert werden. In den Einstellungen „High Downforce“ beziehungsweise „Low Downforce“ liegt der Abtrieb auf der Hinterachse im Vergleich zu einem 911 GT2 RS mit Manthey Kit um zwei beziehungsweise drei Prozent höher. Bei Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h und im Setup „High Downforce“ produziert der Flachbau RS exakt 554 Kilogramm Abtrieb auf der Hinterachse.

Spartanischer Innenraum

Der Bereich hinter den Sitzen wurde einem Rennwagen gleich konsequent ausgeräumt. Das Porsche Communication Management (PCM) wurde entfernt und durch ein mit Leder bezogenes Staufach ersetzt. Auch sämtliche Komponenten des Audiosystems wurden demontiert. Geräuschdämmende Verkleidungen sowie Bodenbeläge in Innen- und Kofferraum mussten aus Gewichtsgründen weitgehend weichen.

Viele Teile präsentieren sich nun in einer rennwagentypischen, spartanischen Metalloberfläche in Grandprixweiß. Ausgewählte Flächen wie die Verlängerung der Armauflage sind mit Carbon-Zierteilen verkleidet. Der neu verlegte Kabelstrang bleibt bewusst sichtbar und wurde um einzelne Leitungen reduziert.

Auf den Kopfstützen der aus Carbon gefertigten Vollschalensitze ist „Flachbau RS“ eingestickt, dahinter ist die stilisierte Strecke der Nordschleife zu erkennen. Auf der Beifahrerseite ziert die Armaturentafel eine goldfarbene Plakette mit dem Sonderwunsch-Schriftzug und der Information „Factory One-Off 2026 | Flachbau RS“.

Für den Straßenverkehr vorgeschriebene Elemente wie Warndreieck oder Abschleppöse sind in einer „Emergency-Box“ untergebracht. Soll der Flachbau RS auf einer Rennstrecke mit möglichst wenig Gewicht bewegt werden, lässt sich die Box mit einem Handgriff aus dem Fahrzeug nehmen.

Umfangreiche Tests in Weissach und am Nürburgring

Nach der Design-Entscheidung fand zunächst eine umfangreiche digitale Absicherung statt. Dazu gehörten vereinfachte Crashsimulationen zur Validierung der Airbag-Auslösung, detaillierte Strukturanalysen im Hinblick auf die Belastungen des großen Heckflügels sowie aerodynamische Berechnungen mittels Computational Fluid Dynamics (CFD).

Der neue Heckflügel wurde auf einem Hydropulser-Prüfstand extremen Erschütterungen ausgesetzt. Zusätzlich überprüften die Fachleute seine statische Belastbarkeit mit Sandsäcken. Insgesamt drei Versuchsträger wurden aufgebaut, um weitere Absicherungen in Prüfeinrichtungen wie Licht- und Windkanal sowie im Fahrversuch vorzunehmen.

Zahlreiche Erprobungsfahrten auf dem Flugplatz Mendig, allein 50 Runden auf der Nürburgring-Nordschleife sowie Dauerlauf-Tests in Weissach summierten sich auf eine Beanspruchung, die für den Heckflügel einer Belastung von rund 150.000 Kilometern in Kundenhand entspricht.

„Auf der Nordschleife wird unmittelbar klar, wie sauber ein Aerodynamik-Konzept funktioniert“, sagt Porsche-Testfahrer Lars Kern. Der Flachbau RS bleibe auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten extrem stabil und präzise.

Als ein getarnter Flachbau-Erprobungsträger auf dem Nürburgring seine Runden drehte, erreichten entsprechende Videos auf sozialen Medien innerhalb weniger Stunden mehr als 100.000 Aufrufe.

Vorbild Porsche 935

Der 935 entstand auf Basis des 911 Turbo (Typ 930) und sorgte ab 1976 auf Rennstrecken für Furore. Vier Mal in Folge gewann Porsche damit die Markenweltmeisterschaft. Er dominierte mehrmals die 12 Stunden von Sebring und auch das 24-Stunden-Rennen von Daytona. In Le Mans ging er als Klassensieger hervor. Seine langgezogene aerodynamische Form brachte dem Le-Mans-Rennwagen 935/78 den Kosenamen „Moby Dick“ ein.

Im Rahmen der Rennsport Reunion stellte Porsche 2018 eine moderne Interpretation des 935 vor. Zum Jubiläum „70 Jahre Porsche-Sportwagen“ entstand ein 700 PS starker Clubsport-Rennwagen in einer Kleinserie von 77 Stück.

Manthey ist Spezialist für Porsche GT-Modelle und zählt seit 30 Jahren zu den weltweit führenden Porsche-Rennteams. Das Unternehmen mit Sitz in Meuspath am Nürburgring beschäftigt über 350 Mitarbeiter und wird von den Brüdern Martin und Nicolas Raeder geführt. Zu den größten Motorsporterfolgen zählen sieben Gesamtsiege beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, sechs Klassensiege bei den 24 Stunden von Le Mans, acht Weltmeistertitel in der FIA WEC Langstreckenmeisterschaft sowie der Gewinn der Team- und Fahrerwertung in der DTM 2023 und 2025.

Quelle: https://www.porscheholding-newsroom.at/storys/porsche/auf-den-spuren-moby-dicks-aussergewoehnliches-flachbau-werksunikat

Porsche Flachbau RS mit Schriftzug Sonderwunsch auf weißem Sportwagen
© Porsche Holding GmbH

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