Primärversorgungszentren entlasten Spitäler erst verzögert

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine Studie der Universität für Weiterbildung Krems zeigt: Nach der Eröffnung eines Primärversorgungszentrums in Wiener Neustadt stiegen die Fallzahlen in der Notaufnahme zunächst an. Erst nach neun Monaten kehrte sich der Trend um.

Primärversorgungszentren sollen Notaufnahmen durch die Betreuung weniger dringlicher Fälle entlasten. Doch diese Wirkung tritt nicht sofort ein, wie eine aktuelle Untersuchung belegt. Wissenschafter analysierten die Entwicklung am Universitätsklinikum Wiener Neustadt und stellten fest: Nach der Eröffnung eines Primärversorgungszentrums im Jänner 2024 nahmen die Behandlungen in der Notfallambulanz zunächst zu, bevor sie später zurückgingen.

Alexander Braun, Leiter des Zentrums für Evidenzbasierte Versorgungsforschung an der Universität für Weiterbildung Krems, erklärt die Ergebnisse: „Unsere Analyse zeigt, dass Primärversorgungszentren Notfallaufnahmen nicht vom ersten Tag an entlasten. Neue Versorgungsangebote benötigen Zeit, um von der Bevölkerung angenommen und wirksam genutzt zu werden.“ Die Arbeit wurde im internationalen Fachjournal Health Policy veröffentlicht.

Über 81.000 Behandlungen ausgewertet

Für die Studie wurden die täglichen Behandlungen in der Notfallambulanz des Universitätsklinikums zwischen 2022 und 2025 untersucht – insgesamt mehr als 81.000 Fälle. Die Eröffnung des Primärversorgungszentrums bot die Gelegenheit, die Entwicklung vor und nach diesem Zeitpunkt zu vergleichen. Dabei berücksichtigten die Forschenden auch saisonale Schwankungen wie Grippewellen.

Das Ergebnis: Unmittelbar nach der Eröffnung stiegen die Behandlungen um rund acht Fälle pro Tag. Erst nach etwa neun Monaten war dieser anfängliche Anstieg durch den nachfolgenden Rückgang wieder ausgeglichen. Die Auswertung nach medizinischer Dringlichkeit ergab, dass sich dieser Trend ausschließlich auf Fälle mit niedriger und mittlerer Dringlichkeit bezieht. Bei den dringlichsten Fällen blieb die Inanspruchnahme unverändert.

Ausbau muss in Gesamtkonzept eingebettet sein

Österreich plant bis 2030 den Ausbau auf bis zu 300 Primärversorgungseinheiten. Die Studienergebnisse legen nahe, dass solche Zentren den Anstieg von Notaufnahmefällen zwar langfristig bremsen und umkehren können. Der Ausbau allein löse jedoch nicht das Überlastungsproblem und müsse in ein umfassenderes gesundheitspolitisches Gesamtkonzept mit koordinierter Patientenlenkung eingebettet werden.

„Der Ausbau der Primärversorgung ist ein wichtiger Schritt. Langfristige Entlastungseffekte entstehen jedoch vor allem dann, wenn Primärversorgung, Notfallambulanzen und die Steuerung von Patientinnen und Patienten gut aufeinander abgestimmt sind“, so Braun.

Die Initiative zur Untersuchung stammte vom Universitätsklinikum Wiener Neustadt, das die Forschung als Masterarbeit ausgeschrieben hatte. Beteiligt waren neben der Universität für Weiterbildung Krems das IMC Krems und die Gesundheit Österreich GmbH.

Quelle: https://www.donau-uni.ac.at/de/aktuelles/news/2026/neue-primaerversorgungszentren-entlasten-notaufnahmen-erst-mit-verzoegerung-.html

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