Pröll zieht positive WM-Bilanz trotz Aus gegen Spanien

Mathias FischerMathias Fischer
Fußball mit Entwicklungsplan springt über Hürde „28 Jahre“ auf Weg zum Jahr 2028
© Mit KI (Gemini) generiert

ÖFB-Aufsichtsratschef Josef Pröll wertet die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika als Erfolg. Trotz der 0:3-Niederlage im Sechzehntelfinale gegen Spanien habe das Turnier eine „riesige Euphorie“ in Österreich ausgelöst.

Josef Pröll hat nach dem Ausscheiden im gegen Spanien (0:3) eine „sehr zufriedenstellende“ Bilanz für den ÖFB gezogen. Die Weltmeisterschaft habe eine positive Stimmung nach Österreich gebracht, wie er es lange nicht erlebt habe, sagte der Aufsichtsratschef in Los Angeles gegenüber der APA. Eine riesige Euphorie sei im Land entfacht worden, die es nun mitzunehmen gelte.

Nach einigen Tagen Pause stehe eine Analyse des Projekts an – sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch. Große Versäumnisse sehe er definitiv nicht, man müsse aber durchaus Lehren ziehen, erklärte der Verbandschef. Im Vergleich zur letzten WM-Teilnahme vor 28 Jahren hätten sich die Rahmenbedingungen verändert. Geschafft worden sei, was wichtig war: die Gruppenphase aktiv zu überstehen, selbstbestimmt und nicht durch Zufall.

Abstand zu Weltspitze bleibt Realität

Die Österreicher absolvierten in Los Angeles ihr erstes K.o.-Spiel bei einer WM seit 1954 – waren dort aber weitgehend chancenlos. Die Spanier hätten wenig Fehler gemacht und sich sehr souverän präsentiert, so Pröll. Das sei bitter, aber zu akzeptieren. Bereits in der Gruppenphase hatte das ÖFB-Team gegen Weltmeister Argentinien mit 0:2 verloren.

Das seien zwei der weltbesten Teams. Österreich sei nicht nah genug dran, um sie dauerhaft fordern zu können, räumte Pröll ein. Das sei die Realität. Aus den Auftritten könne man aber lernen, was zu tun sei, um diesen Topnationen näher zu rücken. Die Aufgabe sei, ständig näherzukommen, dranzubleiben und nicht aufzustecken.

In den vergangenen Jahren habe man bereits aufgeholt. Als Beleg führte Pröll den Gruppensieg bei der EM 2024 vor Frankreich und den Niederlanden an. Die WM müsse entlang eines mehrjährigen Prozesses eingeordnet werden. Nach 28 Jahren sei die Qualifikation wieder geschafft worden. Das Entscheidungsspiel in Wien gegen Bosnien (1:1) und das dramatische WM-Gruppenfinale gegen Algerien (3:3) seien wichtige Eckpunkte, die Auftrieb für die Zukunft geben sollten.

Rangnick-Vertrag bringt Perspektive bis 2028

Den Vertrag mit Teamchef Ralf Rangnick hatte Pröll kurz vor der WM verlängert. Er habe gemerkt, dass das Ruhe und eine klare Perspektive ins Team gebracht habe, sagte der Niederösterreicher. Das sei notwendig und richtig gewesen und gebe nun eine Perspektive bis 2028. Dann wollen die Österreicher bei der EM in Großbritannien und Irland dabei sein. Die Quali-Auslosung erfolgt am 6. Dezember. Am Vortag wird die U21-EM 2029 vergeben, um die sich der ÖFB beworben hat.

Mit Paul Wanner und Carney Chukwuemeka hatte Rangnick bereits vor der WM zwei Zukunftshoffnungen zum österreichischen Verband geholt. Pröll verwies auch auf einige U17-Vizeweltmeister, die in ihren Clubs bereits wichtige Rollen einnehmen würden. Die sportlichen Entscheidungen treffe Rangnick. Man habe mit ihm verlängern wollen, weil man in ihm die Kapazität sehe, genau diese Transformation und Weiterentwicklung zu schaffen.

Nations League als nächstes Ziel

Nächstes Ziel ist die Nations League im Herbst, für die Pröll die Rückkehr in die A-Liga als Ziel ausgab. Da werde man schon zeigen können, wo man stehe und was sich weiterentwickelt habe, erklärte der Verbandschef. Das Heimspiel gegen Israel am 24. September in Linz war schon vor der WM ausverkauft, auch für die Partie drei Tage später in Wien gegen Kosovo laufe der Vorverkauf sehr gut. Die Fans würden bereits auf den Herbst warten. Dann werde man zurückkommen und in alter Stärke hoffentlich den Aufstieg schaffen.

Schon die WM sei sehr professionell vorbereitet gewesen, betonte Pröll – vom Teamquartier bis zur Trainingssteuerung. Das Duell mit Spanien verfolgte der ÖFB-Chef im Stadion an der Seite von FIFA-Präsident Gianni Infantino, den er seit der U17-WM im Vorjahr in Doha kenne. Er könne mit ihm über viele notwendige Themen reden. Infantino sei ein Freund Österreichs und des österreichischen Fußballs.

Im Gegensatz zu den Dingen, die medial im Vorfeld kolportiert worden waren, habe er die WM als ein Turnier großer Begeisterung erlebt, betonte Pröll. Es sei perfekt organisiert gewesen und überall habe eine positive Stimmung geherrscht. Es habe keine Schmähgesänge gegeben, sondern Unterstützung der eigenen Mannschaft und nicht immer nur Abgrenzung gegenüber der anderen. Auch viele Amerikaner seien in den Stadien gewesen. Diese WM setze ein Zeichen für den Fußball in Kanada, den USA und Mexiko – und das sei gut so.

Quelle: APA

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