Prostatakrebs: Früherkennung rettet Leben

Pia ProdingerPia Prodinger
Chirurg mit OP-Kappe und Maske im Spitalflur in Wien
© Harald Tauderer

Rechtzeitig entdeckt, sind die Heilungschancen bei Prostatakrebs sehr gut. Anlässlich des Weltprostatatags am 15. September fordern Experten ein strukturiertes, risikoadaptiertes Screening statt zufälliger Früherkennung.

Eine Prostatakrebs-Diagnose ist heute nicht mehr zwangsläufig mit einer schlechten Prognose verbunden. Wird die Erkrankung früh erkannt, bestehen in den meisten Fällen sehr gute Heilungschancen. Darauf macht der Weltprostatatag am 15. September aufmerksam, der die häufigste Krebserkrankung bei Männern in den Mittelpunkt stellt.

Dr. Thomas Alber, Primar der Abteilung für Urologie am LKH Hochsteiermark, spricht sich für einen grundlegenden Wandel in der Früherkennung aus. Statt einer zufälligen Entdeckung von Erkrankungen brauche es ein strukturiertes, qualitätsgesichertes und risikoadaptiertes Screening. Ziel sei es, aggressive Tumoren möglichst früh zu erkennen und gleichzeitig unnötige Untersuchungen sowie Übertherapien zu vermeiden.

Moderne Diagnoseverfahren mit PSA-Wert, individuellen Risikofaktoren und MRT-Untersuchungen ermöglichen laut Alber heute eine deutlich präzisere Früherkennung als noch vor wenigen Jahren.

Risikoadaptierte Früherkennung im Fokus

Da Prostatakrebs in frühen und damit häufig heilbaren Stadien meist keine Beschwerden verursacht, kommt der Vorsorge eine besondere Bedeutung zu. Im Mittelpunkt stehe daher nicht mehr die Frage, ob ein PSA-Test durchgeführt werden soll, sondern wie eine risikoadaptierte Abklärung erfolgen kann.

Dabei gehe es darum, jene Tumore frühzeitig zu erkennen, die für den jeweiligen Patienten tatsächlich gefährlich werden können, während unnötige diagnostische Maßnahmen und Behandlungen möglichst vermieden werden sollen. Auch der Rat der Europäischen Union hat das Prostatakarzinom im Jahr 2022 erstmals in seine Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung aufgenommen und einen schrittweisen, risikobasierten Ansatz empfohlen.

Therapie nach individuellem Bedarf

Eine Diagnose bedeutet heute nicht automatisch eine sofortige Operation. Die Wahl der Behandlung richtet sich nach dem Stadium und den biologischen Eigenschaften des Tumors sowie nach Alter, Begleiterkrankungen und persönlichen Bedürfnissen des Patienten.

Bei wenig aggressiven Tumoren kann eine engmaschige Beobachtung ausreichend sein. Für klinisch relevante und lokal begrenzte Tumore stehen Operationen und Strahlentherapien als bewährte kurative Behandlungsoptionen zur Verfügung. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen wurden die medikamentösen Therapiemöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich erweitert.

Vernetzte Versorgung in der Steiermark

Für eine bedarfsgerechte Patientenversorgung setzt die KAGes auf Spezialisierung und Zusammenarbeit. Im Uro-Netzwerk Steiermark werden komplexe urologische Eingriffe an den Standorten Graz und Leoben gebündelt. Routinemäßige und minimalinvasive Eingriffe werden weiterhin auch an anderen Krankenhäusern durchgeführt.

Zusätzlich wurde die Versorgungsstruktur durch die seit 2025 bestehende Zusammenarbeit mit den Barmherzigen Brüdern Graz erweitert. Dadurch sollen vorhandene Kapazitäten besser genutzt und kürzere Wartezeiten für Patienten ermöglicht werden.

Fünf Jahre Roboterchirurgie in Leoben

Die KAGes verfügt derzeit über vier Da-Vinci-Robotersysteme, davon jeweils zwei am LKH-Univ. Klinikum Graz und am LKH Hochsteiermark in Leoben. Dort wurde am 15. Juni 2021 erstmals mit dem Robotersystem operiert. Im Jahr 2026 blickt der Standort damit auf fünf Jahre Erfahrung in der robotergestützten Chirurgie zurück.

Aufgrund der steigenden Zahl roboterassistierter Eingriffe wurde 2024 ein zweites System in Leoben in Betrieb genommen. Für Alber ist die Roboterchirurgie heute ein wesentlicher Bestandteil der modernen operativen Urologie. Entscheidend sei jedoch nicht allein die Technik, sondern vor allem die Erfahrung der Operateure und der beteiligten Teams.

Insbesondere bei Prostatakrebsoperationen ermögliche die Kombination aus dreidimensionaler Sicht und hochpräziser Instrumentenführung ein äußerst präzises Vorgehen. Neben dem bestmöglichen onkologischen Ergebnis sollen dabei auch die Harnkontinenz und, sofern medizinisch vertretbar, die Erektionsfähigkeit bestmöglich erhalten werden.

Zahlen zur Erkrankung in Österreich

Im Jahr 2024 erhielten in Österreich 8.152 Männer die Diagnose Prostatakrebs. Damit entfiel knapp ein Drittel aller Krebsneuerkrankungen bei Männern auf diese Erkrankung. Im selben Jahr starben 1.434 Männer an den Folgen eines Prostatakarzinoms.

Ende 2024 lebten österreichweit 83.551 Männer mit einer entsprechenden Diagnose. Das relative Fünf-Jahres-Überleben liegt bei rund 95 Prozent.

Früherkennung und Lebensqualität als Ziel

Nach Ansicht von Alber besteht das zentrale Ziel darin, gefährliche Prostatakarzinome möglichst früh zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Gleichzeitig sollen unnötige Eingriffe vermieden und die Lebensqualität der betroffenen Männer bestmöglich erhalten werden.

Quelle: https://www.kages.at/aktuelles/detail/prostatagesundheit-hinschauen-frueh-erkennen-gezielt-behandeln

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