Protest in St. Pölten nach neuerlichen Missständen in Mastbetrieb

Mathias FischerMathias Fischer
Petition vor Amtssitz mit Demonstranten und Nutztieren im Hintergrund
© Mit KI (Gemini) generiert

50 Tierschützerinnen und Tierschützer demonstrierten in der niederösterreichischen Landeshauptstadt gegen Tierquälerei. Anlass ist ein Mastbetrieb im Bezirk St. Pölten-Land, in dem der VGT Ende August zum vierten Mal gravierende Missstände aufgedeckt hat.

Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat Ende August erneut schwere Missstände in einem Mastbetrieb mit Ziegen, Schafen und Rindern im Bezirk St. Pölten-Land dokumentiert. Es ist bereits die vierte Aufdeckung in diesem Betrieb. Daraufhin zogen 50 Tierschützerinnen und Tierschützer durch St. Pölten, um gegen die Zustände zu protestieren. Ziel des Protestzugs war die Bezirkshauptmannschaft, die für behördliche Kontrollen und die Bearbeitung von Anzeigen wegen Tierleid zuständig ist.

David Richter, Campaigner des VGT, kritisierte die Situation scharf: „Die Menschen haben es satt, dass Tierquälerei in Österreich als Kavaliersdelikt behandelt wird. Selbst wiederholte, schwerste Missstände ziehen kaum Konsequenzen nach sich. Die Betriebe laufen einfach weiter, die Tiere leiden. Das muss sich ändern!“

Dieselben Probleme seit Jahren

In einem Gerichtsverfahren wegen Tierquälerei im Jahr 2023 gegen den damaligen Betreiber hatten ein Gutachten und Vertreterinnen und Vertreter der Bezirkshauptmannschaft eine „positive Prognose“ für den Betrieb abgegeben. Die Aufdeckungen des VGT aus den Jahren 2022, 2023 und 2026 zeigen laut der Organisation ein anderes Bild: Gülle-Seen in Rinderbuchten, magere und kranke Schafe und Ziegen sowie sterbende, bewegungsunfähige Tiere. Verbesserungen seien nicht erkennbar.

Richter ordnete die Situation ein: „Wir sehen in den Aufnahmen aus dem Stall wiederholt dieselben Probleme. Das muss auch bei den behördlichen Kontrollen auffallen. Eine ‚positive Prognose' war schon von 2022 bis 2023 nicht zu erkennen und ist auch nach den aktuellen Bildern von 2026 Unfug. Gerade dass es immer wieder dieselben gravierenden Missstände sind, beweist die fehlende Einsicht im Betrieb.“

Kritik an Bezirksbehörde

Zwei Tage nach der aktuellen Aufdeckung und Anzeige hatten sich bereits 400 Menschen zu einem Protest vor dem Mastbetrieb versammelt. Nun richtet sich der Appell auch an die Verantwortlichen in der Bezirksbehörde. Besonders kritisiert wird, dass sich die Bezirkshauptmannschaft offenbar mit temporären Maßnahmen im Betrieb zufrieden gibt.

Richter äußerte sich verärgert: „Es ist ja nicht überraschend, dass ein angezeigter Betrieb für eine Weile Ordnung hält – doch die Chronologie in dem Fall zeigt, dass es wieder und wieder zu denselben Missständen kommt. Auch die Missachtung des Tierhaltungsverbots und die massive physische Gewalt in den aktuellen Aufdeckungsvideos werden scheinbar nicht ernst genommen. Wird die gesamte Betriebsgeschichte der letzten Jahre berücksichtigt, muss das Urteil eigentlich vernichtend ausfallen.“

Der VGT fordert eine umfassende Reform im Umgang mit Tierquälerei sowie in den Kontroll- und Strafsystemen. Die Organisation hat dazu eine Petition gestartet.

Quelle: OTS

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