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Psychologe erklärt, warum vor allem Männer rasen

Mathias FischerMathias Fischer
Beschlagnahmung: Tacho zeigt überhöhte Geschwindigkeit, Kran hebt Auto, Schlüssel liegen am Tisch.
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Polizei beschlagnahmt seit etwa zwei Jahren die Fahrzeuge von Rasern in Österreich. Dennoch rasen manche weiter – überwiegend Männer. Ein Psychologe nennt Stressbewältigung und veraltete Rollenbilder als Hauptgründe, so der ORF.

Kürzlich wurden in den niederösterreichischen Bezirken Hollabrunn und Mistelbach erneut Fahrzeuge von extremen Rasern eingezogen. Trotz der Möglichkeit, das eigene Auto zu verlieren, fahren viele weiterhin deutlich zu schnell – die große Mehrheit davon sind Männer.

Zwei Hauptmotive für riskantes Fahrverhalten

Norman Schmid, Psychologe und Leiter des Berufsverbandes österreichischer Psychologinnen und Psychologen in Niederösterreich, sieht zwei zentrale Ursachen: Männer würden rasen, um Stress abzubauen und um Männlichkeit sowie Stärke zu demonstrieren. Viele Männer fühlten sich nach wie vor dem Rollenbild verpflichtet, stark zu sein und Probleme alleine zu bewältigen.

„Das sind natürlich alles ungünstige Strategien, die dann leider dazu führen, dass manche Männer im Affekt – wenn sie etwa Streit mit der Partnerin hatten, Stress im Beruf oder andere Problematiken – dazu neigen, das durch besonders intensives, aber auch riskantes Verhalten abzubauen“, erklärte Schmid.

Die Vorstellung, dass Männer stets stark sein müssten, sei ein „altes archetypisches Konstrukt“. Besonders in autoritären Ländern und durch öffentliche Personen, die für toxische Männlichkeit einstehen, werde diese Idee verstärkt. „Das tut natürlich auch den jungen Männern nicht gut“, so der Experte.

Schmid fordert positive männliche Vorbilder bereits im jungen Alter sowie Methoden zur Emotionsverarbeitung – etwa durch Gespräche, Reflexion, Atemtraining oder Sport. Auch psychologische Unterstützung in Form von Coaching und Mentoring könne helfen, dass Männer gar nicht erst zu Rasern werden.

Zu-Schnell-Fahren als Kavaliersdelikt

Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), betont, dass Geschwindigkeitsüberschreitungen in Österreich generell als Kavaliersdelikt gelten. Das liege unter anderem an den im EU-Vergleich niedrigen Strafen und der hohen Behörden- und Gerätetoleranz.

Es gebe verschiedene Typen von Schnellfahrern: solche, die aus Gewohnheit zu schnell unterwegs sind, jene, die sich an andere Fahrer anpassen, rasante Fahrer und Straßenrowdies. Bei allen Gruppen seien überwiegend Männer vertreten, so Robatsch.

Die Beschlagnahmung von Fahrzeugen helfe zwar, doch die Strafen seien weiterhin zu gering, hält der Verkehrssicherheitsexperte fest. Der Führerschein müsste bereits bei geringeren Geschwindigkeitsübertretungen entzogen und für längere Zeit abgenommen werden. Zudem sollten Geschwindigkeitsüberschreitungen ins Vormerksystem aufgenommen und Straftoleranzen abgeschafft werden, fordert das KFV.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3364776/

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