PVÖ fordert Rechtsanspruch auf finanzierte Entlastungstage

Der Pensionistenverband Österreichs verlangt vollständig finanzierte Auszeiten für pflegende Angehörige. Die derzeitigen Zuschüsse für Ersatzpflege würden oft nicht ausreichen, kritisiert Präsidentin Birgit Gerstorfer anlässlich des Tags der pflegenden Angehörigen am 13. September.
Rund eine Million Menschen übernehmen in Österreich Pflege- und Betreuungsaufgaben im familiären Umfeld. Gleichzeitig beziehen mehr als 500.000 Personen Pflegegeld. Anlässlich des Tags der pflegenden Angehörigen am 13. September würdigt Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), den Einsatz dieser Menschen. Ohne ihre tägliche Arbeit wäre das österreichische Pflegesystem nicht aufrechtzuerhalten.
„Pflegende Angehörige leisten oft über Jahre hinweg körperlich und emotional enorm viel. Viele sind rund um die Uhr verantwortlich und stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Dafür verdienen sie nicht nur unseren Dank, sondern konkrete und verlässliche Unterstützung“, betont Gerstorfer.
Ausbau von Entlastungsangeboten gefordert
Der Pensionistenverband spricht sich für einen flächendeckenden Ausbau mobiler Pflege- und Betreuungsdienste aus. Darüber hinaus fordert der PVÖ mehr leistbare Tages- und Kurzzeitpflegeplätze sowie wohnortnahe Beratungsangebote.
Auch die sozial- und pensionsrechtliche Absicherung von Pflegezeiten soll verbessert und der Angehörigenbonus weiter ausgebaut werden.
„Entlastung darf nicht davon abhängen, wie viel Geld jemand zur Verfügung hat oder in welchem Bundesland er lebt“, erklärt Gerstorfer. Pflegende Angehörige würden dem österreichischen Pflegesystem jedes Jahr Leistungen in Milliardenhöhe ersparen. Gleichzeitig könnten sich viele Betroffene nicht einmal eine notwendige Auszeit von ihrer Pflegetätigkeit leisten.
Förderung deckt tatsächliche Kosten oft nicht ab
Bereits jetzt besteht eine finanzielle Unterstützung für jene Fälle, in denen pflegende Angehörige aufgrund von Krankheit, Urlaub, Kuraufenthalten oder anderen Gründen vorübergehend verhindert sind und eine professionelle oder private Ersatzpflege organisieren müssen. Seit September 2024 kann diese Förderung bereits ab einem Tag in Anspruch genommen werden.
Je nach Pflegegeldstufe werden dabei maximal zwischen 1.200 und 2.200 Euro pro Jahr ersetzt. Für Menschen mit Demenz sowie für minderjährige Pflegebedürftige gelten etwas höhere Fördersätze.
Nach Ansicht des PVÖ handelt es sich dabei jedoch lediglich um einen Zuschuss zu den tatsächlich anfallenden Kosten.
„Das Problem ist: Eine Auszeit gibt es zwar theoretisch, aber viele pflegende Angehörige können sie sich praktisch trotzdem nicht leisten. Wenn professionelle Ersatzpflege deutlich mehr kostet, als der Zuschuss abdeckt, bleibt ein beträchtlicher Eigenanteil“, kritisiert Gerstorfer. Wer mit einer niedrigen Pension oder einem geringen Einkommen auskommen müsse, verzichte daher häufig auf dringend benötigte Erholungsphasen.
Rechtsanspruch auf Entlastungstage
Der Pensionistenverband fordert deshalb einen Rechtsanspruch auf regelmäßige Entlastungstage für pflegende Angehörige. Während dieser Zeit sollen die notwendigen und angemessenen Kosten einer professionellen Ersatzpflege vollständig übernommen werden.
„Ein Zuschuss, bei dem am Ende noch Hunderte Euro selbst zu bezahlen sind, ist für viele keine echte Entlastung. Pflegende Angehörige brauchen planbare Auszeiten, die sie sich auch tatsächlich leisten können. Deshalb fordern wir einen Rechtsanspruch auf finanzierte Entlastungstage ohne unzumutbaren Selbstbehalt“, so Gerstorfer.
Studien zeigen Handlungsbedarf
Nach Ansicht des PVÖ belegen auch aktuelle Untersuchungen die Belastung pflegender Angehöriger. Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, dass Urlaub oder eine Auszeit für sie grundsätzlich nicht infrage komme. Rund ein Fünftel berichtete zudem, dass für eine vorübergehende Entlastung keine geeignete Ersatzpflege verfügbar sei.
„Pflegende Angehörige ermöglichen Hunderttausenden Menschen, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben. Sie entlasten damit Familien und unser gesamtes Pflegesystem. Danke allein reicht deshalb nicht. Wer unser Pflegesystem trägt, muss auch selbst getragen und unterstützt werden“, betont Gerstorfer abschließend.
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