PVZ senken Notaufnahme-Zahlen erst nach neun Monaten

Primärversorgungszentren entlasten Spitalsambulanzen nicht sofort. Eine Studie der Universität für Weiterbildung Krems zeigt: Nach der Eröffnung eines PVZ in Wiener Neustadt stiegen die Fallzahlen zunächst an, erst nach neun Monaten kehrte sich der Trend um, so der ORF.
Die Universität für Weiterbildung Krems (UWK) hat Behandlungsdaten des Universitätsklinikums Wiener Neustadt über vier Jahre ausgewertet. Das Ergebnis: Nach Inbetriebnahme eines Primärversorgungszentrums nahmen die Patientenzahlen in der Notfallambulanz zunächst zu, bevor sie wieder zurückgingen.
Insgesamt flossen mehr als 81.000 Fälle aus dem Zeitraum 2022 bis 2025 in die Analyse ein. Die Eröffnung des PVZ im Jänner 2024 ermöglichte es den Forschenden, die Entwicklung vor und nach diesem Zeitpunkt zu vergleichen.
Anfänglicher Anstieg um acht Fälle täglich
Das Forschungsteam untersuchte die täglichen Behandlungszahlen und bezog dabei auch saisonale Effekte wie Grippewellen mit ein. Unmittelbar nach der Eröffnung des Zentrums erhöhten sich die Behandlungen sprunghaft um rund acht Fälle pro Tag.
Erst nach etwa neun Monaten glich der nachfolgende Rückgang den anfänglichen Zuwachs wieder aus. Eine Analyse nach medizinischer Dringlichkeit ergab, dass dieser Effekt ausschließlich Fälle mit niedriger und mittlerer Dringlichkeit betraf. Bei den dringlichsten Notfällen blieb die Inanspruchnahme konstant.
Ausbau allein löst Überlastung nicht
In Niederösterreich sollen bis 2028 insgesamt 30 Primärversorgungszentren entstehen, um die Gesundheitsversorgung weiterzuentwickeln. Die Studienergebnisse zeigen laut UWK, dass solche Zentren den Anstieg von Notaufnahmefällen langfristig bremsen und umkehren können.
Allerdings würde der Ausbau allein das Problem der Überlastung nicht beheben. Die Zentren müssten in ein umfassenderes gesundheitspolitisches Konzept mit koordinierter Patientenlenkung eingebettet werden.
Abstimmung entscheidend für Entlastung
„Der Ausbau der Primärversorgung ist ein wichtiger Schritt. Langfristige Entlastungseffekte entstehen jedoch vor allem dann, wenn Primärversorgung, Notfallambulanzen und die Steuerung von Patientinnen und Patienten gut aufeinander abgestimmt sind“, erklärte Alexander Braun, Erstautor der Studie und Leiter des Zentrums für Evidenzbasierte Versorgungsforschung am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation der UWK.
Die Untersuchung wurde vom UK Wiener Neustadt initiiert und als Masterarbeit ausgeschrieben. Neben der UWK waren das IMC Krems und die Gesundheit Österreich GmbH beteiligt.
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