Quereinsteiger im Lehrberuf: Motive reichen von Berufung bis Ferien

Eine Dissertation an der Uni Graz zeigt: Quereinsteiger bringen unterschiedlichste Beweggründe mit in die Schule. Die Motivation beeinflusst, wie stark sie sich mit dem Lehrberuf identifizieren – und ob sie bleiben.
Melanie Gürentz und Claudia Mair haben im Rahmen ihrer Dissertationen am Institut für Bildungsforschung und Pädagog:innenbildung der Universität Graz untersucht, wie Quereinsteiger:innen ihre Tätigkeit als Lehrkräfte erleben. Seit 2023 können Personen mit einschlägiger Berufserfahrung und begleitender pädagogischer Ausbildung an Schulen unterrichten. Damit soll dem Lehrkräftemangel in Österreich entgegengewirkt werden.
Vielfältige Motive für den Berufswechsel
Laut Melanie Gürentz gibt es keine einheitliche Gruppe von Quereinsteiger:innen. Die Beweggründe für den Wechsel in den Lehrberuf seien sehr unterschiedlich. Für ihre qualitative Studie befragte sie 13 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Pflichtschulen in Graz. Die Ergebnisse zeigen, dass die Motive von einer lang gehegten Berufung bis hin zum Wunsch nach längeren Ferienzeiten reichen.
Die Motivation habe laut Gürentz auch Einfluss darauf, wie stark sich die Betroffenen mit ihrer Tätigkeit identifizieren. Eine hohe Identifikation mit dem Beruf könne die Bereitschaft fördern, langfristig im Schulwesen zu bleiben. Eine geringere Bindung könne hingegen auf die Absicht eines späteren Berufswechsels hindeuten.
Fachfremder Unterricht als Herausforderung
Quereinsteiger:innen werden in der Regel für jene Fächer qualifiziert, in denen sie bereits über berufliche Erfahrung verfügen. Laut Gürentz kommt es jedoch immer wieder vor, dass sie zur Abdeckung personeller Engpässe auch fachfremd eingesetzt werden.
Aus Sicht der Bildungsforscherin kann dies die Unterrichtsqualität beeinträchtigen. Gleichzeitig tragen viele Quereinsteiger:innen bereits eine volle Lehrverpflichtung, während sie parallel den Hochschullehrgang „Quereinstieg Lehramt Sekundarstufe“ absolvieren.
Starke Motivation durch Sinnhaftigkeit
Claudia Mair verglich in ihrer Untersuchung die Motivation von klassisch ausgebildeten Lehrkräften und Quereinsteiger:innen. Dafür befragte sie österreichweit 619 Pädagog:innen an Mittelschulen, Polytechnischen Schulen und Allgemeinbildenden Höheren Schulen.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei Quereinsteiger:innen altruistische Motive etwas stärker ausgeprägt sind. Viele möchten ihre beruflichen Erfahrungen an junge Menschen weitergeben und eine gesellschaftlich sinnvolle Aufgabe übernehmen.
Stärken bei Fachwissen und Digitalisierung
Deutliche Unterschiede sieht Mair vor allem bei digitalen und kommunikativen Kompetenzen. Erfahrungen aus früheren Berufen würden insbesondere bei der Unterrichtsplanung und im fachlichen Bereich wertvolle Vorteile bringen.
Herausforderungen ergeben sich hingegen häufig beim Klassenmanagement, bei der Leistungsbeurteilung sowie bei administrativen und bürokratischen Aufgaben, die mit dem Schulalltag verbunden sind.
Schulklima beeinflusst den Verbleib
Ob der Einstieg in den Lehrberuf gelingt, hängt laut Mair stark vom persönlichen Umfeld an der Schule ab. Entscheidend für die Zufriedenheit sei weniger die Arbeitsbelastung als das Gefühl, den Anforderungen des Berufs gerecht werden zu können.
Auch Gürentz hebt die Bedeutung des Schulklimas hervor. Wesentlich sei, wie gut Quereinsteiger:innen von Kollegium und Schulleitung aufgenommen werden und in welchem Ausmaß sie durch Mentoringprogramme unterstützt werden.
Die Bildungswissenschaftlerin wird selbst mit Beginn des neuen Schuljahres nach ihrem Doktoratsstudium an der Universität Graz als AHS-Lehrerin für Englisch und Französisch in den Schuldienst zurückkehren.
Lehramtsstudium neu organisiert
Mit dem Lehramtsstudium für mehr als 20 Unterrichtsfächer leistet die Universität Graz einen Beitrag zur Deckung des Lehrkräftebedarfs. Seit dem Wintersemester 2026/27 dauert das Bachelorstudium sechs statt bisher acht Semester. Das anschließende Masterstudium umfasst weiterhin vier Semester.
Im Studienjahr 2024/25 schlossen rund 450 Absolvent:innen ihre Lehramtsausbildung an der Universität Graz erfolgreich ab.
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