Rainer und Nitsch: Erste gemeinsame Schau in Baden

Mathias FischerMathias Fischer
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Ab 24. Oktober zeigt das Arnulf Rainer Museum in Baden erstmals Werke von Arnulf Rainer und Hermann Nitsch in einer gemeinsamen Ausstellung. Rund 120 Arbeiten beleuchten die Berührungspunkte zweier Künstler, die die österreichische Kunstgeschichte prägten.

Das Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien widmet sich ab 24. Oktober 2026 zwei zentralen Figuren der österreichischen Kunst: Arnulf Rainer und Hermann Nitsch. Die Kuratoren Nikolaus Kratzer, der die Kunstsammlung des Landes Niederösterreich leitet, und Kunstsammler Helmut Zambo sprechen von einer längst überfälligen Zusammenführung.

„Die Schau zeigt Rainer und Nitsch nicht als aufeinanderfolgende Kapitel der österreichischen Kunstgeschichte, sondern als zwei gleichzeitig pulsierende Positionen“, erklären die beiden. Der Dialog der Werke mache Gemeinsamkeiten sichtbar: Prozess und Transformation, Körper und Spur, Kreuz und Wunde sowie die Verlagerung von Kunst vom Objekt zur Erfahrung.

120 Werke im Dialog

Die Ausstellung umfasst etwa 120 Werke, die vielfältige Berührungspunkte im Schaffen der beiden Künstler aufzeigen. Neben Fotografien und Relikten aus Nitschs 6-Tage-Spiel von 1998 sind Rainers Werkserien Face Farces und Body Poses aus den 1970er-Jahren zu sehen. Großformatige Kreuzbilder und Malerhemden, die Spuren von Nitschs Aktionen tragen, werden präsentiert.

Arbeiten aus Rainers Zyklus der Schwarzen Architektur treffen auf das druckgrafische Mappenwerk Die Architektur des Orgien Mysterien Theaters von Nitsch. Zu den Höhepunkten im ehemaligen Frauenbad zählen ein Schüttbild mit Malerhemd von Nitsch aus der Sammlung Berkson sowie Rainers Arbeit Selbstbegräbnis oder Christusleid, Christusfreud?, in der Fotografie, Malerei und künstlerischer Schaffensprozess verschmelzen.

Harmonien und Irritationen

„Die Ausstellung beleuchtet bekannte und weniger geläufige Aspekte aus den Œuvres von Arnulf Rainer und Hermann Nitsch. Zwischen Proportionsstudien und Farbskalen, Face Farces und Schüttbildern, Kreuzen und Malhemden ergeben sich Harmonien und Irritationen“, so die Kuratoren.

Arnulf Rainer (1929–2025) und Hermann Nitsch (1938–2022) gehören zu den weltweit bekanntesten Künstlern des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Rainer gilt als Wegbereiter der informellen Malerei in Österreich. Mit seinen seit den 1950er-Jahren entwickelten Übermalungen erneuerte er die Malerei grundlegend. Nitsch war Mitbegründer des Wiener Aktionismus und schuf mit dem Orgien Mysterien Theater eines der bedeutendsten Gesamtkunstwerke der Nachkriegszeit. Als Aktionist, Maler, Komponist und Bühnenbildner verband er Malerei, Musik, Performance und Ritual.

Obwohl beide unterschiedliche Wege gingen, verbindet sie die radikale Erweiterung des Kunstbegriffs: Nicht nur das vollendete Werk steht im Zentrum, sondern auch der künstlerische Prozess und die Frage, was ein Bild überhaupt ist. Heute sind die beiden insbesondere als Pioniere der abstrakten Malerei bekannt: Rainers Übermalungen und Nitschs Schütt- und Rinnbilder sind fixe Bestandteile des kunstgeschichtlichen Kanons.

Sammlung Zambo im Museum

Mit dieser Schau präsentiert das Museum einen weiteren bedeutenden Teil der hochkarätigen Sammlung Zambo, die 2024 von den Landessammlungen Niederösterreich übernommen wurde.

Die Ausstellungseröffnung findet am 24. Oktober 2026 um 11 Uhr statt. Von 14 bis 17 Uhr gibt es ein Open House mit freiem Eintritt, Führungen für Kunst- und Architekturfans sowie einer Kreativstation für alle Altersgruppen.

Quelle: OTS

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