Rangnick und Sturminger bringen „Jedermensch“ nach Salzburg

Pia ProdingerPia Prodinger
Jedermann-Zirkus mit Silhouetten von Menschen, Mammon und Teufel vor Stadtkulisse
© Mit KI (Gemini) generiert

ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick und Regisseur Michael Sturminger realisieren im September 2027 eine spezielle „Jedermann“-Fassung für Kinder und Jugendliche. Die Premiere von „Jedermensch“ findet in einem Zirkuszelt im Volksgarten statt.

Salzburg bekommt im kommenden Jahr eine zweite „Jedermann“-Inszenierung: Am 16. September 2027 feiert „Jedermensch“ im Volksgarten Premiere. Das Hofmannsthal-Stück wird in einem Zirkuszelt in einer speziellen Fassung für und mit Kindern und Jugendlichen gezeigt. Ermöglicht wird das Projekt durch ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick, der Michael Sturminger als Regisseur engagiert hat – jenen Mann, den die Salzburger Festspiele 2023 unter großem Medienecho als „Jedermann“-Regisseur ausgebootet hatten.

„Ich fühle mich ein wenig wie ein Sportdirektor – und Michael ist mein Trainer“, sagt Rangnick über die Zusammenarbeit. Sturminger wird mit Studierenden des Max Reinhardt-Seminars sowie Salzburger Schülerinnen und Schülern arbeiten. Die Idee entstand nach Rangnicks achtem Besuch einer „Jedermann“-Aufführung am Domplatz. Der 67-Jährige stellte fest, dass er zu den eher jüngeren Zuschauern gehörte und fragte sich, wie man das zeitlose Stück auch für ein jüngeres Publikum attraktiv machen könnte.

Von ChatGPT inspiriert

Zwei Tage nach dem Festspielbesuch diskutierte Rangnick mit seinem Assistenztrainer Stefan Oesen über eine jugendgerechte Umsetzung. Oesen schlug vor, ChatGPT zu befragen. „Es war faszinierend, was da rauskam. Und so kam alles ins Rollen“, erzählt der Teamchef.

Die Vorgeschichte reicht Jahre zurück. Mit seiner 2018 gegründeten Ralf Rangnick Stiftung fördert er Kreativität und Talente sozial benachteiligter Kinder. Inspiriert von der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die an Brennpunktschulen probt und Stadtteilopern realisiert, setzte Rangnick während seiner Zeit in Leipzig eigene Projekte um. Die Oper „Ikarus und der Traum vom Fliehen“ und später Hans Krásas Kinderoper „Brundibár“ wurden volle Erfolge. Diesen Elan will er nun in Salzburg einbringen, das „so ein bisschen meine zweite Heimat geworden“ sei.

Gespräche mit Festspielen verliefen im Sand

Rangnick führte mehrere Gespräche mit Lukas Crepaz, dem kaufmännischen Direktor der Salzburger Festspiele, und dem damaligen Intendanten Markus Hinterhäuser. Man prüfte, ob das „Jedermensch“-Projekt im Rahmen der Festspiele angesiedelt werden könnte. Der Domplatz wurde vom Festival ausgeschlossen, stattdessen kamen Schloss Leopoldskron als Spielort und der „Sommernachtstraum“ als alternatives Stück ins Gespräch.

„Nach dem dritten oder vierten Treffen haben wir gemerkt, dass das Ganze ein bisschen an Dynamik verloren hat und das Interesse nicht mehr so groß war“, berichtet Rangnick. Nach ersten Berichten über Spannungen im Hintergrund habe man die Situation besser einordnen können. Man entschied sich, das Projekt ohne die Festspiele weiterzutreiben.

Rangnick betont: „Dass keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin weiterhin mit ganzem Herzen bei denen als Botschafter mit dabei.“ Die neue Intendantin Karin Bergmann habe Unterstützung mit Kostümen und Technik zugesagt. Sturmingers Engagement sei keine bewusste Pointe, sondern seiner Erfahrung mit dem Stück und mit Studenten des Reinhardt-Seminars geschuldet.

„Es geht ums Leben, nicht ums Sterben“

Sturminger wird gemeinsam mit seinem Co-Regisseur Jakob Wernisch den Stoff für junge Leute bearbeiten. Wernisch nimmt auch textliche Anpassungen an heutige Jugendsprache vor. Ein Workshop mit Regie-Studierenden hat bereits stattgefunden. „Ausgehend von der Frage, was passiert, wenn der Tod in unser Leben tritt, fragen wir mit den jungen Menschen: Wie sollen wir leben?“, erklärt Sturminger.

Rangnick argumentiert: „Eigentlich geht es ja für mich beim 'Jedermann' ums Leben und nicht ums Sterben. Es geht darum, frühzeitig zu erkennen, worum es im Leben eigentlich geht und worauf man achten sollte.“ Die Botschaft, dass man auch mit viel Geld nicht egoistisch sein müsse, sondern für andere da sein könne, sei derzeit in Österreich und Deutschland schwierig zu vermitteln. „Aber nur so kann Demokratie funktionieren!“

Zirkuszelt als Hommage an die Uraufführung

Die Wahl eines rund 700 Plätze fassenden Zirkuszelts ist eine Hommage an die Uraufführung des Stückes, die 1911 im Berliner Zirkus Schumann stattfand. Die derzeit geplanten vier Aufführungstage im September sollen sicherstellen, dass das Schuljahr bereits angelaufen ist und das Zielpublikum erreicht wird.

Sturminger überlegt, die zwei letzten Ferienwochen für Camps mit Salzburger Schülerinnen und Schülern zu nutzen. Er möchte Kinder als Spielende und als Chor einbauen, die wichtigsten Rollen mit Studierenden des Max Reinhardt-Seminars besetzen und hat auch zwei prominente Profis gewonnen: Verena Altenberger versuche alles, sich terminlich freizumachen. Karl Markovics habe bereits fix zugesagt. Man müsse nur noch entscheiden, ob er den Teufel oder den Mammon spiele. „Ihm ist es egal. Er findet einfach das Projekt gut“, so Sturminger.

Quelle: APA

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