Rasperia zieht Klage gegen Strabag-Umfeld zurück

Der russische Strabag-Kernaktionär Rasperia Trading Limited hat eine Klage in Kaliningrad zurückgezogen. Mit der im Mai 2026 eingebrachten Klage sollten Moskauer Immobilien aus dem Strabag-Umfeld im Wert von 31 Millionen Euro angeeignet werden.
Die Rasperia Trading Limited hat vergangene Woche eine Klage beim Handelsgericht Kaliningrad zurückgezogen. Das bestätigte Strabag am Montag. Die entsprechende Information wurde im Gerichtsregister veröffentlicht. Der Schritt wird als Signal gewertet, dass die Holdinggesellschaft an Kompromissen mit den österreichischen Ex-Partnern interessiert ist.
„Es ist richtig, dass das Kaliningrader Handelsgericht letzte Woche auf Antrag von Rasperia das unter anderem gegen Strabag-Konzerngesellschaften laufende Verfahren eingestellt hat“, teilte eine Sprecherin des Baukonzerns mit. Die Entscheidung werde binnen 30 Tagen rechtskräftig. Es habe keine Verhandlungen zwischen Strabag und Rasperia gegeben.
Konflikt seit April 2022
Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein seit April 2022 andauernder Konflikt. EU-Sanktionen hatten damals die Aktionärsrechte von Rasperia blockiert. Die Holdinggesellschaft mit Sitz in Kaliningrad fühlte sich ungerecht behandelt. In der Vergangenheit wurde Rasperia vom Milliardär Oleg Deripaska kontrolliert. Die Rechtmäßigkeit der damaligen Vorgangsweise im Baukonzern bestätigte der Oberste Gerichtshof (OGH) im Mai 2026.
Rasperia hatte neben zwei Schadenersatzklagen und einer Klage, die Schadenersatzklagen außerhalb Russlands verbieten sollte, am 5. Mai 2026 eine weitere Klage über 31 Millionen Euro eingebracht. Beklagt wurden die Strabag SE, vier Töchter oder Beteiligungen des Konzerns, die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, Hans Peter Haselsteiner als Strabag-Aktionär sowie eine SGS Scharmützelsee Golfhotel & Sportanlagen GmbH mit Sitz in Bad Saarow östlich von Berlin.
Zusammenhang mit Schadenersatzurteil
Die nun zurückgezogene Klage stand im Zusammenhang mit einer vorangegangenen Entscheidung des Kaliningrader Gerichts. Dieses hatte Rasperia im Dezember 2025 weitere 339 Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen, nachdem im Jänner 2025 bereits mehr als zwei Milliarden Euro zuerkannt worden waren. Die Holdinggesellschaft buchte die zweite Summe im Frühjahr 2026 größtenteils von Konten der Raiffeisenbank Russland bei der russischen Zentralbank ab.
Aus zunächst unbekannten Gründen ließ sich Rasperia nach dem 339-Millionen-Euro-Urteil jedoch etwa 30 Millionen Euro weniger als erwartet ausbezahlen. Diese Summe wurde schließlich im Mai in der neuen Klage bei russischen Immobiliengesellschaften aus dem Strabag-Umfeld gefordert.
Haselsteiner: Kein Kontakt seit Jahren
Das wirtschaftliche Motiv hinter der nun eingestellten Immobilienklage blieb unklar. Sie erweckte den Anschein, dass es um Persönliches und Animositäten gegen den langjährigen Strabag-CEO Hans Peter Haselsteiner gehen könnte. Bei Haselsteiner selbst weiß man nichts über Hintergründe. „Wir haben seit Jahren keinen Kontakt mit Rasperia. Wir kennen das Motiv für ihre Klagseinbringung nicht und auch nicht das der Zurücknahme“, erklärte eine Sprecherin des österreichischen Unternehmers am Dienstag.
In Österreich vermuten Beobachter, dass der jedenfalls ehemalige Rasperia-Besitzer Deripaska weiterhin hinter der Holdinggesellschaft stecken könnte. Eine Deripaska-Sprecherin hat dies in der Vergangenheit jedoch wiederholt dementiert. In einem offiziellen russischen Dokument zur Bilanz von Rasperia aus dem Jahr 2026 ist die Rede von einem einzigen Endbegünstigten. Sein oder ihr Name wird jedoch nicht genannt, da dies zu einem wirtschaftlichen Schaden oder zu einem Schaden für die wirtschaftliche Reputation von Rasperia und ihren Geschäftspartnern führen könnte.
Kompromissbereitschaft nach RBI-Vereinbarung
Nach einem im Juli von Rasperia beantragten und vom Gericht bestätigten Kompromiss ist die aktuelle Entwicklung ein weiteres Indiz für die nunmehrige Kompromissbereitschaft des russischen Strabag-Kernaktionärs. Der Kompromiss ermöglicht der RBI und ihrer russischen Tochterbank eine Schadenersatzklage in Höhe von bis zu 2,85 Milliarden Euro in Österreich und dürfte eine sanktionskonforme Verwertung von 28,5 Millionen Strabag-Aktien von Rasperia erlauben.
Wirtschaftlich ändert die Einstellung der Immobilien-Klage freilich nichts: Rasperia hat auf Basis des Kaliningrader Urteils zu 339 Millionen Euro vom Jänner 2025 weiterhin die Möglichkeit, sich 30 Millionen Euro von Konten der Raiffeisenbank Russland zu holen. Das zwei Milliarden Euro-Schadenersatzurteil aus Kaliningrad von Anfang 2025 sah formal auch die Übertragung der durch EU-Sanktionen eingefrorenen Aktien an die Raiffeisenbank Russland vor. Rasperia besitzt diese Aktien laut seiner offiziellen russischen Bilanz nun nicht mehr. In Österreich war diese Übertragung freilich nicht anerkannt worden, da ein russisches Gericht für diese Frage aus österreichischer Sicht unmöglich zuständig sein konnte.
Quelle: APA
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