Rauschenbergs „Bed“ als Schlüsselwerk der Moderne

Der US-Künstler Robert Rauschenberg schuf 1955 mit „Bed“ eines seiner ersten Combines – Assemblagen, die Malerei, Skulptur und Alltagsgegenstände vereinten. Das Werk aus Bettlaken und Steppdecke gilt als Meilenstein der Nachkriegskunst.
Robert Rauschenberg entwickelte Mitte der 1950er-Jahre eine künstlerische Sprache, die den Abstrakten Expressionismus zugleich fortführte und ironisch unterlief. Nach „Erased de Kooning Drawing“ von 1953, für das er wochenlang eine Zeichnung von Willem de Kooning ausradierte, entstand mit „Bed“ ein weiteres ambivalentes Werk.
Das Stück zählt zu Rauschenbergs frühesten Combines – improvisierte Assemblagen, die Malerei, Skulptur und Collage mit gewöhnlichen Objekten verbanden. Als Grundlage dienten seine eigenen abgenutzten Bettlaken sowie eine Steppdecke der Künstlerin Dorothea Rockburne. Diese Textilien verwandelte er in eine bewusst intime Leinwand.
Rauschenberg bearbeitete Bettwäsche und Polster mit hektischen Bleistiftkritzeleien und überzog sie mehrfach mit unkontrollierten, tropfenden Farbklecksen im Stil von Jackson Pollock. Die Gesten wirkten auf manche Kritiker so aggressiv, dass einer das Werk mit „einem Polizeifoto des Mord-Betts nach Entfernung der Leiche“ verglich.
Der Künstler selbst empfand die Arbeit nicht als verstörend. Jahre nach ihrer Entstehung erklärte er in einem Interview, seine Befürchtung sei stets gewesen, dass jemand hineinkriechen wolle. „Bed“ befindet sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York.
Das Werk demonstrierte, dass die Grenzen zwischen künstlerischen Medien sowie zwischen Kunst und Leben in der konzeptuellen Freiheit der Nachkriegskunst bedeutungslos geworden waren.
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