Rechenzentren in Leopoldsdorf: Bürger verlangen Mitsprache

In Leopoldsdorf plant das US-Unternehmen CloudHQ drei Rechenzentrumsgebäude mit 150 Megawatt Anschlussleistung. Bei einer Diskussion forderten Bürger mehr Transparenz und Mitsprache, so der ORF.
Das amerikanische Unternehmen CloudHQ will in Leopoldsdorf drei etwa 25 Meter hohe Gebäude für Rechenzentren errichten. Die Gesamtanschlussleistung soll 150 Megawatt betragen, zusätzlich sind ein Umspannwerk und Notstromanlagen geplant. Das Vorhaben muss eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen, wann der Bau beginnt, ist noch nicht bekannt.
Nur wenige hundert Meter entfernt plant Garbe.DC ein weiteres Rechenzentrum mit zunächst 28 Megawatt Anschlussleistung. Beide Projekte werfen Fragen zu Stromverbrauch, Flächenbedarf, Lärmemissionen und der Nutzung von Abwärme auf. Gleichzeitig sollen sie Infrastruktur für Unternehmen, Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz schaffen.
Petition mit 600 Unterschriften
Bastian Vieregge, der eine Petition mit rund 600 Unterschriften aus beiden betroffenen Gemeinden initiiert hat, übte Kritik am bisherigen Vorgehen. Er bemängelte, dass der Kommunikationsprozess nicht den Erwartungen vieler Bürger entsprochen habe. Er forderte Mitsprache und ein Entgegenkommen, das über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgeht.
Bei der ORF-Diskussion am Donnerstag, die gemeinsam mit dem „Kurier“ veranstaltet wurde, äußerten zahlreiche Teilnehmer Bedenken. Kritisiert wurde die Nähe zu Wohnhäusern und mögliche Lärmbelastungen durch Umspannwerk und Notstromaggregate. Ein Teilnehmer verlangte größere Abstände zu Wohngebieten. Eine junge Besucherin stellte die Frage nach dem Vertrauen in die Politik. Andere bezweifelten, dass ihre Einwände noch Änderungen am Projekt bewirken könnten.
Bürgermeister Fritz Blasnek (ÖVP) verwies auf die eingeschränkte Zuständigkeit der Gemeinde. Das Grundstück sei seit Jahrzehnten als Betriebsbaugebiet gewidmet. Die Gemeinde habe die Gebäudehöhe angehoben und einen Vertrag über neun Millionen Euro Infrastrukturbeitrag abgeschlossen. Während der Verhandlungen sei Verschwiegenheit vereinbart gewesen. Die Information könne jedoch verbessert werden, räumte Blasnek ein.
Große Mehrheit fordert bessere Information
Christoph Haselmayer vom Institut für Demoskopie und Datenanalyse präsentierte eine ORF-NÖ-Umfrage unter 800 Personen. Demnach halten 82 Prozent die Informationen für unzureichend, 90 Prozent wünschen spezielle Prüfungen und 84 Prozent ist die Abwärmenutzung wichtig. Gleichzeitig sehen 56 Prozent Chancen für den Wirtschafts- und Digitalstandort.
Als Beispiel nannte Haselmayer Villach in Kärnten. Dort werde ein Projekt nach seiner Darstellung mit Abwärmenutzung und regionalem Nutzen verbunden und über Parteigrenzen hinweg unterstützt. Sein Appell lautete, mit den Leuten zu reden und zu erklären, was kommt.
Genehmigung noch offen
Niederösterreichs Umweltanwalt Tom Hansmann betonte, dass die Genehmigung noch offen sei. Die UVP prüfe etwa Schall und Luftschadstoffe, die Umweltanwaltschaft könne Bedenken aufgreifen und die Sorgen der Bürger kanalisieren.
Bei Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen bestehe ein Genehmigungsanspruch, andernfalls seien Auflagen oder eine Ablehnung möglich. Die neuen niederösterreichischen Standortregeln griffen für CloudHQ wegen der Übergangsbestimmungen nicht. Eine verbindliche Abwärmenutzung könne die UVP nicht gewährleisten.
Suche nach Wärmeabnehmern schwierig
Mehrere Besucher bezweifelten, dass die Wärme sinnvoll genutzt werden könne. Martin Madlo, Präsident der Austrian Datacenter Association, berichtete, dass er jahrelang nach einem geeigneten Abnehmer für die Abwärme eines Rechenzentrums gesucht habe. Erst mit der Klinik Floridsdorf in Wien sei eine technisch und wirtschaftlich tragfähige Lösung gefunden worden. Rechenzentrumsbetreiber seien auf Wärmeversorger und passende Abnehmer angewiesen.
Andreas Graf-Matzner von CloudHQ berichtete von Gesprächen mit EVN und einem Tomatenbetrieb in Münchendorf im Bezirk Mödling. Die Umsetzung müsse wirtschaftlich tragbar sein, man brauche jemanden, der das aufgreife, und jemanden, der es abnehme.
Ivona Brandic, Professorin für High Performance Computing Systems an der TU Wien, erläuterte Möglichkeiten für einen flexibleren Stromverbrauch. Rechenzentren könnten ihren Strombedarf über Zeit und Raum verschieben. Bestimmte Berechnungen könnten dann stattfinden, wenn besonders viel Strom verfügbar sei. Die Forschung untersuche, wie Rechenzentren dadurch zur Stabilisierung der Stromnetze beitragen können.
Aus dem Publikum kamen Zweifel, wie viel Wertschöpfung in Österreich bleibe. Softwareunternehmer Peter Lieber sah dagegen Chancen für Wirtschaft und technologische Eigenständigkeit. Europa habe gegenüber amerikanischen und chinesischen Anbietern Aufholbedarf.
Bauarbeiten könnten bis zu vier Jahre dauern
Weitere Fragen betrafen Lärm, Diesellagerung, Brandschutz und Bauarbeiten, die laut Graf-Matzner je nach Ablauf zwei bis vier Jahre dauern könnten. Er verwies auf gesetzliche Vorgaben und die UVP. Welche Unternehmen die Gebäude nutzen werden, blieb offen.
Für die weitere Kommunikation sagte Graf-Matzner zu, genau zuzuhören, welche Sorgen vorhanden seien, und die Fragen selbstverständlich zu beantworten. Der Wunsch nach nachvollziehbaren Informationen und konkreten Antworten blieb ein zentrales Thema des Abends.
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