Rechenzentrum in Stetten sorgt für Widerstand

Mathias FischerMathias Fischer
Kraftwerk mit rauchenden Kühltürmen und Strommasten auf einem Feld mit Leiterbahnen.
© Mit KI (Gemini) generiert

In Stetten im Bezirk Korneuburg formiert sich Protest gegen ein geplantes Datenzentrum auf einer 4,3 Hektar großen Ackerfläche. Eine Petition gegen die Umwidmung hat bereits rund 3.000 Unterschriften gesammelt, so der ORF.

Eine Ackerfläche von 4,3 Hektar – das entspricht etwa sechs Fußballfeldern – könnte in Stetten (Bezirk Korneuburg) künftig für ein Rechenzentrum genutzt werden. Viele Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde befürchten, dass die Fläche zur „Spielwiese für digitale Konzerne“ wird.

Markus Weigl hat vor einem Monat eine Bürgerinitiative gegründet. Die Petition „Rechenzentrum Stetten: Keine Umwidmung ohne Antworten“ verzeichnet mittlerweile etwa 3.000 Unterschriften. Weigl fordert klare rechtliche Rahmenbedingungen und eine ökologisch verträgliche Gestaltung des Projekts, insbesondere beim Ressourcenverbrauch und bei der Abwärme.

Gemeinde hält sich bedeckt

Die Bürgerinitiative verlangt vor allem mehr Transparenz von der Gemeinde. Bürgermeister Thomas Windsor-Seifert (SPÖ) wollte kein Interview geben und verwies in einer schriftlichen Stellungnahme darauf, dass sich das Vorhaben erst in einer frühen Planungs- und Prüfungsphase befinde. Ob und wie das Projekt umgesetzt werde, sei noch offen.

Einen Gemeinderatsbeschluss zur Umwidmung gebe es noch nicht. Sollte das Datencenter realisiert werden, würde die Gemeinde darüber entscheiden. Das Projekt wurde nämlich bereits vor einer Raumordnungsnovelle eingereicht, mit der das Land Niederösterreich erstmals Regeln für Rechenzentren beschlossen hat. Diese Regeln wurden im April angekündigt und gelten seit Anfang Juni.

Neue Regeln für Rechenzentren

Für kleine Rechenzentren bis maximal einem halben Hektar ist die Gemeinde zuständig. Bei mittleren Zentren zwischen einem halben und drei Hektar entscheidet ebenfalls die Gemeinde, allerdings in Abstimmung mit dem Land und den Netzbetreibern. Für große Projekte über drei Hektar ist künftig das Land direkt zuständig und steuert diese über Einzelstandortverordnungen.

In Niederösterreich gibt es bereits mehrere Rechenzentren-Projekte: Microsoft hat ein Projekt in Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha) umgesetzt, ein zweites in Vösendorf (Bezirk Mödling) ist im Bau. Weitere Vorhaben liegen dem Land vor, darunter in Achau (Bezirk Mödling) mit 3,5 Hektar, Kottingbrunn (Bezirk Baden) mit 0,8 Hektar, zwei in Leopoldsdorf (Bezirk Bruck an der Leitha) mit 6,2 bzw. 4,5 Hektar und Zistersdorf (Bezirk Gänserndorf) mit 14 Hektar.

Chancen durch Künstliche Intelligenz

Rechenzentren benötigen ausreichend Fläche, Wasser, Strom und eine gute Internetanbindung. Ivona Brandic, Expertin für Rechenzentren an der TU Wien, sieht aber auch Vorteile. Die durch Rechenzentren ermöglichte Künstliche Intelligenz könne das Leben nachhaltiger gestalten – etwa durch effizienteren Wassereinsatz in der Landwirtschaft oder kosteneffizientere Systeme in der Medizin.

Anrainerinnen und Anrainer könnten von der Abwärme der Rechenzentren profitieren, etwa durch kostenlose Heizung, so die Expertin.

Rechtliche Lücken und politischer Handlungsbedarf

Brandic ortet allerdings noch viel Unklarheit, auch in rechtlicher Hinsicht. Die Technologie sei bereits da, Rechenzentren würden gebaut, aber die Gesetze zur Regulierung und zur Einhaltung von Umweltstandards fehlten noch. Die Prozesse zur Anpassung der Gesetze dauerten eine Zeit, man befinde sich derzeit in einer Übergangsphase.

Der zuständige Landesrat und Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) wollte ebenfalls kein Interview geben. In einer schriftlichen Stellungnahme betonte er, dass die Rechenleistungen nicht allein den USA oder China überlassen werden sollten. Der Bau der Zentren und die Auswirkungen müssten ausreichend geprüft werden.

Konkrete Regeln für den Bau von Rechenzentren gibt es derzeit nur in Niederösterreich. Naturschutzorganisationen und die Interessensvertretung Austrian Data Center Association (ADCA) fordern einen nationalen Plan. Digitalisierungsstaatsekretär Alexander Pröll (ÖVP) erklärte, dass dieser bereits erarbeitet werde und Teil der neuen KI-Strategie des Bundes sei. Details dazu sind noch offen.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3371742/

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