Rettungswesen in NÖ wird ab April 2027 umgestellt

Die Präsidenten von Rotem Kreuz und Samariterbund haben im Gesundheitsausschuss bestätigt, dass die Umstrukturierung des Rettungswesens in Niederösterreich planmäßig mit 1. April 2027 erfolgen kann. Die neuen Strukturen werden rechtzeitig bereitstehen.
Die Neuorganisation des Rettungswesens in Niederösterreich nimmt konkrete Formen an. In einer Sitzung des Gesundheitsausschusses am 7. September haben die Präsidenten der beiden großen Rettungsorganisationen grünes Licht für den geplanten Zeitplan gegeben. Hans Ebner vom Roten Kreuz NÖ und Hannes Sauer vom Samariterbund NÖ erklärten übereinstimmend, dass die Umstellung umsetzbar sei und die erforderlichen Strukturen spätestens zum Stichtag zur Verfügung stehen werden.
Die Umstrukturierung ist Teil des Gesundheitsplans 2040+, der gemeinsam mit mehr als 50 Fachleuten aus dem Gesundheitswesen entwickelt wurde. Dabei gilt der Grundsatz, dass bestehende Strukturen erst dann verändert werden, wenn der Ersatz bereitsteht. Im Notfall müsse jederzeit das richtige Einsatzmittel verfügbar sein, betonten Landesrat Anton Kasser (VPNÖ), Landesrat Martin Antauer (FPÖ NÖ), VPNÖ-Klubobmann Kurt Hackl und FPÖ NÖ-Klubobmann Reinhard Teufel gemeinsam.
Ausschuss unter SPÖ-Vorsitz tagte zu Rettungswesen
Der Gesundheitsausschuss stand unter dem Titel „Klarheit für das Rettungswesen in Niederösterreich“ und wurde von Ausschuss-Obfrau Karin Scheele (SPÖ NÖ) geleitet. Neben den Ausschussmitgliedern waren auch Landesrätin Eva Prischl (SPÖ NÖ), Anton Kasser (VPNÖ) und Martin Antauer (FPÖ NÖ) anwesend. Einziger Tagesordnungspunkt war der Austausch zur Umstrukturierung ab April 2027.
Als Auskunftspersonen geladen waren unter anderem Hans Ebner und Wolfgang Frühwirth vom Roten Kreuz, Hannes Sauer und Gerhard Pracher vom Samariterbund sowie Dr. Christian Fohringer, Geschäftsführer von Notruf NÖ, und Dr. Georg Csaicsich, Allgemeinmediziner und Notarzt im Ruhestand.
Rotes Kreuz und Samariterbund sichern Bereitschaft zu
Hans Ebner versicherte, dass an den neuen Strukturen seit längerem mit Hochdruck gearbeitet werde. „Wir stellen sicher, dass einer Einführung des neuen Systems mit 1. April 2027 seitens des Roten Kreuzes nichts im Wege steht“, erklärte der Präsident. Rettungsorganisationen, Land und Gemeinden seien enge Partner, um auch künftig die beste Notfallversorgung zu bieten.
Hannes Sauer betonte, dass ein Rettungssanitäter keinen Notarzt ersetzen könne – dieser Eindruck solle auch nicht entstehen. Das neue System werde jedoch engmaschiger und zielgerichteter sein. „Entscheidend ist, dass zu jedem Einsatz das richtige Einsatzmittel alarmiert wird“, so der Samariterbund-Präsident. Die hochqualifizierten Notfallsanitäter würden auch in Zukunft die beste Primärversorgung garantieren.
Telenotarzt und engmaschigere Versorgung geplant
Dr. Christian Fohringer erläuterte, dass die Rettungsversorgung künftig wohnortnäher und engmaschiger sein werde. Telenotarzt, professionelle Ersthelfer, Rettungssanitäter, Notärzte und Rettungshubschrauber würden zum Einsatz kommen. Angesichts großer Pensionierungswellen beim medizinischen Fachpersonal müsse zielgerichteter mit den vorhandenen Mitteln umgegangen werden. „Aktuell spricht nichts dafür, vom eingeschlagenen Zeitplan abzuweichen“, sagte der Geschäftsführer von Notruf NÖ.
Landesrat Anton Kasser verwies auf den eigenständigen Weg Niederösterreichs. Der Gesundheitsplan 2040+ betrachte die gesamte Versorgungskette – vom Rettungswesen über die Spitäler bis zur Pflege. Entscheidend sei nicht, welche Struktur seit Jahrzehnten gewohnt sei, sondern welche Versorgung den Patienten im Ernstfall am besten helfe. Das richtige Einsatzmittel solle so schnell wie möglich beim Patienten sein und ihn in jene Einrichtung bringen, in der er die richtige Behandlung erhalte.
Kritik an Abwesenheit von Landesrat Hergovich
Landesrat Martin Antauer unterstrich, dass medizinischer und technischer Fortschritt neue Chancen eröffneten, die genutzt werden müssten. Gleichzeitig stellten eine älter werdende Gesellschaft und der europaweite Fachkräftemangel die gewachsenen Strukturen vor Herausforderungen. Einfach alles so zu lassen wie bisher, sei keine Option. Die Schritte würden geordnet, verantwortungsvoll und erst dann umgesetzt, wenn die neuen Angebote tatsächlich bereitstünden.
VPNÖ-Klubobmann Kurt Hackl hielt fest, dass die Sitzung eine entscheidende Frage eindeutig beantwortet habe: Einer Umstellung mit 1. April 2027 stehe aus Sicht der Rettungsorganisationen nichts im Weg. Das hätten auch Landesrätin Prischl und die anwesenden SPÖ-Abgeordneten gehört. Landesrat Hergovich habe es nicht hören können, weil er bei der wichtigen Ausschusssitzung nicht anwesend gewesen sei. Bevor er weiter Unsicherheit schüre, solle er sich bei seinen Genossinnen und Genossen darüber informieren, was die Fachleute tatsächlich berichtet hätten.
FPÖ NÖ-Klubobmann Reinhard Teufel unterstrich, dass Parteitaktik und das bewusste Schüren von Ängsten keinem einzigen Patienten helfe. Die Rettungsorganisationen hätten klar aufgezeigt, dass sie ihren Teil beitragen und die notwendigen Strukturen zeitgerecht bereitstellen könnten. Damit sei ein weiterer wichtiger Schritt für eine sichere und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung gesetzt.
Quelle: OTS
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