Ried-Sportdirektor Brandl zieht Bilanz nach Hinrunde

Die SV Ried steht nach einem großen Umbruch im Sommer auf Platz sechs der Bundesliga. Sportdirektor Lukas Brandl spricht im Interview über späte Gegentore, die Verpflichtung von Führungsspielern und die Transferstrategie der Innviertler.
Lukas Brandl, mit 28 Jahren jüngster Sportchef der österreichischen Bundesliga, zeigt sich mit der bisherigen Saison zufrieden.
„Wenn man das in den größeren Kontext einordnet – wir hatten einen sehr schwierigen Sommer mit einem großen Umbruch –, können wir mit der Punkteausbeute und der sportlichen Performance zufrieden sein“, erklärt der Deutsche im Ligaportal-Interview. Gleichzeitig betont er die Selbstkritik im Verein: „Wir versuchen, immer besser zu werden.“
Späte Gegentore kein Grund zur Sorge
In den vergangenen vier Partien kassierten die Rieder jeweils in der Nachspielzeit einen Gegentreffer. Brandl sieht darin jedoch kein strukturelles Problem. Die Spiele seien gegen gute Gegner und auswärts absolviert worden, in Altach sei die Mannschaft müde gewesen.
„Unter solchen Voraussetzungen steigt einfach bei jeder Mannschaft die Wahrscheinlichkeit, dass späte Gegentore fallen“, analysiert der Sportdirektor. Die Aufarbeitung erfolge wie bei jedem anderen Gegentor auch – mit detaillierten Analysen und Besprechungen mit dem Team.
Trainer Despotovic als Überraschungscoup
Die Verpflichtung von Trainer Mario Despotovic im Sommer hatte kaum jemand erwartet. Brandl erklärt die Strategie: In Ried bekomme man nicht die offensichtlichsten Kandidaten vom Markt. Man müsse entweder auf erfahrene Bundesliga-Trainer oder auf solche vor dem Durchbruch setzen.
„Wir hatten die Aufgabe, inhaltlich zu überzeugen und einen Trainer zu finden, der versteht, was uns gut macht“, sagt Brandl. Despotovic habe verstanden, dass Ried eine Mannschaft sei, die intensiv Fußball spiele und bei Standards stark sei. Zudem traue man ihm zu, das Team fußballerisch weiterzuentwickeln.
Führungsspieler durch sportliches Projekt überzeugt
Mit Stefan Schwab und Isaac Kiese Thelin kamen im Sommer zwei erfahrene Akteure zu den Innviertelern. Die Überzeugungsarbeit sei vor allem inhaltlich erfolgt, betont der Sportdirektor.
„Man muss immer probieren, inhaltlich so direkt wie möglich zu sprechen. So findet man gute Leute“, erklärt Brandl. Beide Spieler hätten das sportliche Projekt präsentiert bekommen und Gespräche mit dem Trainer geführt. Natürlich habe man auch ein lukratives Rahmenpaket geschnürt, die Basis sei aber immer das sportliche Programm gewesen.
Akribischer Transferprozess ohne Experimente
Der gemeinsam mit Ex-Sportdirektor Wolfgang Fiala entwickelte Transferprozess umfasst sechs Stufen und über 30 Prüfpunkte. Brandl begründet die Akribie mit den begrenzten Ressourcen: „Wir können uns keine Experimente leisten.“
Wenn Geld für einen Spieler ausgegeben werde – nicht nur für die Ablöse, sondern auch für Lohnkosten und alles drumherum –, müsse alles sitzen. Deshalb sei man sehr detailliert in der Beurteilung.
Kein aktiver Handlungsbedarf im Winter
Für die Wintertransferperiode sieht der 28-Jährige keinen dringenden Bedarf. „Wir sind mit dem Kader im Moment sehr zufrieden. Der Kader ist ausgewogen“, sagt Brandl. Man beobachte den Markt zwar immer, suche aber nicht aktiv.
Als Saisonziel bleibt der Klassenerhalt oberste Priorität. „Den schafft man natürlich früher, wenn man im oberen Play-off landet“, so der Sportdirektor. Als Sportler versuche man immer, das Bestmögliche zu erreichen – unterm Strich sei er aber froh, wenn die Klasse gehalten werde.
Brandl ist seit fünf Jahren für die SV Ried tätig und stieg im August vom Technischen Direktor zum Sportdirektor auf.
Quelle: https://www.svried.at/news/svr-sportdirektor-lukas-brandl-im-ligaportal-interview
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