Riesige Keramikfabrik aus Römerzeit im Burgenland gefunden

Archäologen der Universität Wien haben im Burgenland eine römische Keramik-Produktionsstätte von außergewöhnlichem Ausmaß entdeckt. Geomagnetische Messungen deuten auf rund 100 Brennöfen hin, die aus dem 1. und 2. Jahrhundert stammen.
Bei einer laufenden Lehrgrabung in der Gemeinde Hannersdorf (Bezirk Oberwart) haben Forscher der Universität Wien bereits zwei Brennöfen sowie Lehm- und Abfallgruben freigelegt. Geomagnetische Untersuchungen lassen vermuten, dass auf dem Feld noch etwa 100 weitere Töpferöfen unter der Erde verborgen liegen. Die Funde datieren aus der Zeit von Mitte des 1. bis Mitte des 2. Jahrhunderts nach unserer Zeitrechnung.
Schon vor einigen Jahren waren bei Bauarbeiten im Ortsteil Burg zahlreiche römische Keramikfragmente und Überreste von Keramikbrennöfen zum Vorschein gekommen. Geomagnetische Untersuchungen wiesen auf weitere archäologische Strukturen wie Öfen, Gebäudegrundrisse und eingeebnete Hügelgräber hin.
Außergewöhnlich gut erhaltene Gefäße
Mit der Lehrgrabung wollte das Institut für Klassische Archäologie der Uni Wien Klarheit über die tatsächliche Größenordnung und Bedeutung der Fundstelle gewinnen. „Unsere Erwartungen wurden dabei übertroffen“, erklärte Grabungsleiterin Basema Hamarneh, Professorin der Klassischen Archäologie an der Universität Wien, gegenüber der APA.
In nur 40 Zentimetern Tiefe konnten die Archäologen innerhalb kurzer Zeit die Reste zweier Brennöfen mit Arbeitsgruben dokumentieren. In unmittelbarer Nähe befinden sich Gruben, wo Lehm entnommen beziehungsweise Abfälle entsorgt wurden. Sowohl die Öfen als auch die umliegenden Gruben waren mit Keramik befüllt. Dabei gebe es „auffallend viele im Ganzen erhaltene Gefäße, was nicht oft vorkommt“, so Hamarneh.
Die Öfen hatten einen Durchmesser von zwei bis 2,5 Metern. „Ihre Struktur besteht aus zwei Ebenen: einer Befeuerungskammer mit ringförmig angeordneten Lehmpfeilern unten und einer Brennkammer - ähnlich einem Pizzaofen - mit einer Kuppel oben“, beschrieb die Archäologin die Brennöfen.
Spezialisierte Produktion im großen Stil
Eine ähnlich große Keramikfabrik kenne man bisher nur aus Serbien (Hrtovci-Gomolava). „Wir haben es hier mit einer riesigen Arbeitsorganisationsstruktur zu tun“, sonst finde man nur eine geringe Anzahl an Brennöfen von lokalen Gemeinschaften, so Hamarneh. Die Öfen in Hannersdorf seien unterschiedlich groß und jeweils für eine ganz bestimmte Produktion vorgesehen gewesen. „Wir haben einen Ofen, der ausschließlich für Teller verwendet wurde, andere, in denen größere Formen gebrannt wurden.“
Gefunden wurden auch viele misslungene Keramiken, sogenannte Fehlbrände. Dies sei ein weiterer Beleg dafür, dass dort im großen Stil und nicht nur für den lokalen Bedarf produziert wurde. Diese misslungenen Stücke gewähren den Experten Einblicke in die Produktionsabläufe.
Importierte Keramik als Zeichen für Handelsnetzwerke
Bei den Grabungen wurde auch importierte Keramik gefunden. Dazu zählt etwa „Terra Sigillata“, laut Hamarneh eine glänzende, orangefarbene, feine Keramik von sehr hoher Qualität, die von der Bevölkerung in der Römerzeit sehr geschätzt und vor allem in Nordafrika, Gallien, im Rheinland oder in Zypern produziert wurde. „Das Vorkommen von 'Terra Sigillata' ist ein wichtiger chronologischer Marker und ein Zeichen für überregionale Austauschnetzwerke in den Randgebieten des Römischen Reiches“, betonte die Archäologin.
Wie viele Menschen damals in der Keramik-Produktionsstätte gearbeitet haben, wagt sie nicht abzuschätzen. „Es hat aber sicher viele Leute dafür gebraucht, die auch spezialisiert waren, also solche, die sich mit dem Formen der Keramik auskannten, solche, die mit dem Brennen vertraut waren, usw.“
Weil es keine bekannte größere römische Siedlung in der Nähe gibt, gehen die Wissenschafter von einer überregionalen Keramik-Produktionsstätte aus. Die nächste größere römische Siedlung ist die im frühen ersten Jahrhundert gegründete römische Stadt Savaria, das heutige Szombathely (Ungarn). Dieses liegt 16 Kilometer Luftlinien von der Fundstelle entfernt.
Jahrtausendealter Knotenpunkt menschlicher Aktivität
Der Platz dürfte über Jahrtausende hinweg ein wichtiger Knotenpunkt menschlicher Aktivität gewesen sein. So deuten jungsteinzeitliche Oberflächenfunde wie Keramikscherben oder Reste von Langhäusern aus dem 6. Jahrtausend v.u.Z. in unmittelbarer Umgebung auf die guten Voraussetzungen der Region hin. Davon zeugt auch das hallstatt- und römerzeitliche Schandorfer Hügelgräberfeld, das in 1,5 Kilometer Entfernung vom Fundplatz in Burg liegt. „Die vorteilhaften Umweltbedingungen der Gegend - ausreichend Wasser, Brennmaterial, Ackerland und Lehm - sind sicher Faktoren für die lange Siedlungsaktivität vor Ort“, so Hamarneh.
Die Lehrgrabung läuft noch bis 7. August. Für die Studierenden sei dies eine einmalige Chance, allein die Menge der keramischen Funde sei „unglaublich, so viel werden sie in ihrem ganzen Leben nie wieder zu Gesicht bekommen“.
Quelle: APA
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