Römische Stadt in St. Pantaleon-Erla entdeckt

In St. Pantaleon-Erla im Bezirk Amstetten haben Forschende die Überreste einer bisher unbekannten römischen Stadt gefunden. Geophysikalische Messungen zeigen ein 25 bis 30 Hektar großes Areal mit regelmäßigem Straßennetz und einem Amphitheater für etwa 8.000 Personen.
Ein interdisziplinäres Forschungsteam hat am UNESCO-Welterbe Donaulimes in St. Pantaleon-Erla (Bezirk Amstetten) die Reste einer bislang unbekannten römischen Stadt entdeckt. Das gaben die Beteiligten am Mittwoch in einer Aussendung bekannt. An dem Projekt wirkten unter anderem das Forum Donaulimes, die Universität Innsbruck, GeoSphere Austria, Research Archaeology sowie die Landesarchäologien von Niederösterreich und Oberösterreich mit.
Die geophysikalischen Untersuchungen zeigen ein planmäßig angelegtes Stadtgebiet von 25 bis 30 Hektar mit einem regelmäßigen Straßenraster. Das Amphitheater bot Platz für rund 8.000 Menschen – eine Größe, die jener des Amphitheaters der Militärstadt Carnuntum entspricht. Die Besiedlung setzte um etwa 80 n. Chr. ein, um 180 n. Chr. wurde die Siedlung wieder aufgegeben.
Einzigartige Stadtanlage ohne Vergleich
Bei der Präsentation am Mittwoch wurde betont, dass eine derart große und planvoll angelegte Stadt im Umfeld einer Garnison von rund 500 Soldaten im gesamten Römischen Reich bislang ohne Vergleich sei. Als möglicher historischer Name der Stadt in Stein, einem Ortsteil von St. Pantaleon-Erla, gilt Claudivium.
Geplanter Rückzug hinterließ „Zeitkapsel“
Die Funde aus der Siedlung an der Nordgrenze der römischen Provinz Noricum brechen laut den Angaben rund 180 n. Chr. schlagartig ab. Dies deutet auf einen geordneten, geplanten Rückzug hin. Für Archäologen eröffnet sich dadurch eine „Zeitkapsel“. Die Forschungsergebnisse wurden digital visualisiert und rekonstruiert.
„Zahlreiche Fragen zu Entwicklung, Funktion und Bedeutung des Fundortes können nur durch weiterführende Untersuchungen beantwortet werden“, hieß es in der Aussendung. Derzeit wird das Areal landwirtschaftlich genutzt. Ohne gezielte Untersuchungen und nachhaltige Unterstützung von Forschung und Denkmalpflege könnten wichtige Teile „unwiederbringlich verloren gehen“, warnten die Forschenden.
Potenzial für UNESCO-Welterbe-Erweiterung
Der rund zehn Kilometer lange Abschnitt des römischen Donaulimes zwischen Enns (Oberösterreich) und St. Pantaleon-Erla (Niederösterreich) steht seit 2015 im Fokus eines interdisziplinären Forschungsnetzwerks. Seit 2021 zählt der Donaulimes von Bayern bis zur Slowakei zum UNESCO-Welterbe und ist Teil des Welterbe-Clusters „Grenzen des Römischen Reiches“.
Bereits Teil davon sind die Legionslager von Enns und Albing bei St. Pantaleon-Erla. Die nun entdeckten Strukturen besitzen das Potenzial, künftig in eine Erweiterung des UNESCO-Welterbes einbezogen zu werden, so die Forschenden.
Quelle: APA
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