Rot-weiße Skulpturen in Neubacher Teichen versenkt

In den Neubacher Teichen bei Loosdorf sind zwei auffällige Kunstobjekte installiert worden. Die rot-weißen Skulpturen ragen rund einen Meter aus dem Wasser und dienen gleichzeitig als Forschungsinstrumente für ein Experiment zu Unterwasser-Ökosystemen.
Besucher der Neubacher Teiche werden in den kommenden Monaten zwei ungewöhnliche Objekte entdecken. Die rot-weißen Skulpturen mit den Bezeichnungen T/H LOS 26/1 und T/H LOS 26/2 sind Teil des Forschungs- und Kunstprojekts „am Ufer – Eintauchen in die Flusslandschaft“. Entwickelt wurden sie von Herwig Turk, dem künstlerischen Leiter des Projekts, gemeinsam mit dem Künstler Johannes Hoffmann, der an der Akademie der bildenden Künste Wien die Holzwerkstatt leitet.
Die Grundidee des Experiments: Ein Schwimmer aus der Fischerei wird selbst zum Kunstobjekt und gleichzeitig zu einem Lebensraum unter Wasser. „Wir nehmen einen Gegenstand, dessen eigentliche Funktion darin besteht, an der Oberfläche sichtbar zu sein und auf Aktivitäten unter Wasser zu verweisen, wollen damit aber vor allem Gedanken fischen“, beschreibt Herwig Turk das Konzept. Die Schwimmer würden für ein Jahr Teil des Gewässers und zu einer Nische, in der sich spezifische Gemeinschaften entwickeln könnten.
Metallbehälter als künstliche Lebensräume
Die rund zwei Meter hohen Skulpturen ragen etwa einen Meter über und einen weiteren Meter unter die Wasseroberfläche. Unter Wasser befinden sich Metallbehältnisse mit unterschiedlich großen Öffnungen. Diese sollen verschiedenen Organismen die Möglichkeit bieten, sich anzusiedeln – ähnlich wie bei Schiffswracks.
Eine der beiden Skulpturen wurde im öffentlichen Teich platziert, die zweite im unmittelbar danebenliegenden, kleinen und naturbelassener wirkenden Teich. Nach etwa einem Jahr werden beide Objekte wieder aus dem Wasser geholt und wissenschaftlich untersucht. Dabei soll festgestellt werden, welche Organismen die unterschiedlichen Strukturen besiedelt haben und ob sich zwischen den beiden ehemaligen Baggerteichen Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zeigen.
„Uns interessiert, was passiert, wenn wir einen künstlich geschaffenen Raum in ein bestehendes Ökosystem einbringen“, erklärt Johannes Hoffmann. Die Skulpturen seien nicht nur Kunstobjekte, sondern auch Forschungsinstrumente und Orte der Beobachtung.
Verbindung zwischen getrennten Gewässern
Die beiden unterschiedlichen Standorte machen das Experiment besonders interessant. Die Teiche wirken oberirdisch klar voneinander getrennt, wurden aber vom gleichen Grundwasserkörper gespeist. Mit den zwei ähnlichen schwimmenden Objekten wird eine Verbindung angedeutet.
Die Installation soll zum Nachdenken anregen: Was passiert unter der Wasseroberfläche, das normalerweise nicht sichtbar ist? Welche Lebensräume entstehen? Und wie stark sind Gewässer miteinander verbunden, auch wenn sie auf den ersten Blick getrennt erscheinen?
Kunst und Wissenschaft für die Region
Bürgermeister Thomas Vasku sieht in der Installation eine Bereicherung für Loosdorf: „Das Projekt ‚am Ufer' verbindet unsere Region mit aktueller wissenschaftlicher Forschung und zeitgenössischer Kunst. Die beiden Schwimmer machen diese Verbindung jetzt unmittelbar vor Ort sichtbar und laden die Menschen ein, ihre unmittelbare Umgebung mit anderen Augen zu betrachten.“
Harald Bichler, Vorstandsvorsitzender des Vereins nexus_art + science, betont die Bedeutung solcher Projekte: Kunst und Wissenschaft stellten unterschiedliche Fragen und verwendeten unterschiedliche Methoden. Wenn sie zusammenkämen, entstünden oft neue Perspektiven. Mit „am Ufer“ wolle man diese Perspektiven nicht nur für ein Fachpublikum entwickeln, sondern gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort sichtbar und erlebbar machen.
Das Projekt „am Ufer“ ist ein mehrjähriges Forschungs- und Kunstprojekt des Vereins nexus_art + science. Es beschäftigt sich mit den Veränderungen von Flusslandschaften, Biodiversität und dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Ausgangspunkt ist die dynamische Fluss- und Auenlandschaft der Pielach und die Veränderungen, die insbesondere durch das Hochwasser 2024 sichtbar geworden sind. Das Projekt wird im Rahmen von Kunst im öffentlichen Raum vom Land Niederösterreich unterstützt und erhält weitere Unterstützung von der Marktgemeinde Loosdorf.

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