Roths „Radetzkymarsch“ als Sommertheater in Kärnten

In einem Theaterzelt in Dellach im Gailtal bringt Regisseurin Cornelia Rainer Joseph Roths „Radetzkymarsch“ auf die Bühne. Professionelle Schauspieler und Laien aus der Region erzählen die Geschichte vom Zerfall der Monarchie in kurzen Szenen und Filmeinspielungen.
Die Premiere am Mittwoch in Dellach im Gailtal im Bezirk Hermagor lockte rund 200 Besucherinnen und Besucher in das bis auf den letzten Platz gefüllte Zelt. Die gesamte Ortschaft St. Daniel war auf den Beinen, um die Inszenierung von Joseph Roths Jahrhundertroman zu sehen. Das Stück beschäftigt sich mit Verantwortung, Konflikten zwischen den Generationen und dem Zusammenbruch alter Ordnungen.
Die Theaterproduktion bildet das Herzstück des Kulturfestivals „Bühne der Macht“. Das Festival hatte im Vorjahr bereits eine erste Produktion ins Gailtal gebracht – Ödön von Horvaths „Glaube, Liebe, Hoffnung“. Es war als Siegerprojekt aus einem Open Call der Kärntner Kulturstiftung hervorgegangen. Neben dem Theater gibt es Vorträge, Workshops und „Philosophische Sprechstunden“.
Rasante Erzählweise mit Film und Bühne
Cornelia Rainer und Stephan Lack haben die Bühnenfassung erarbeitet. Sie erzählen die tragische Geschichte von Carl Joseph von Trotta in kurzen, choreografierten Szenen und Filmzuspielungen. Dessen Großvater hatte einst als „Held von Solferino“ dem Kaiser das Leben gerettet.
Matthias Mamedof verkörpert den Enkel, der in der Armee unglücklich ist und erkennt, dass er sein Leben nach den Vorstellungen anderer führt. Alle anderen Schauspieler übernehmen mehrere Figuren. Eduard Wildner spielt den Vater Trotta, der an brüchigen Traditionen festhält, sowie Kaiser Franz Joseph. Die ehemalige Burgtheaterschauspielerin Alina Fritsch tritt einmal als Arztgattin, dann als herrischer Graf auf.
Elisabeth Engstler, frühere TV-Moderatorin und Musicaldarstellerin, ist in zwei Frauen- und zwei Männerrollen zu sehen und singt auch. Nikolaus Barton bringt den wienerischen Tonfall ein.
Jugendliche reflektieren über Macht und Gehorsam
Die Hauptrollen in der kurzweiligen Inszenierung übernehmen jedoch Jugendliche und Menschen aus der Region. Sie denken vor der Kamera über ihr Leben und das ihrer Vorfahren nach und reflektieren über ihre Erziehung, über Macht, Gehorsam und Erwartungen. Auf die Frage „Was ist ein richtiger Mann?“ folgt etwa ein nachdenkliches „Was ist, wenn ein Indianer doch einen Schmerz kennt?“
In den Videos taucht immer wieder der schweigende Matthias Mamedof als Trotta auf, bevor er aus dem Film auf die Bühne tritt. Humor und Authentizität zeichnen diese Zuspielungen aus. Die Darsteller wurden beim Schlussapplaus von der künstlerischen Leiterin auf die Bühne gebeten.
Das knapp zweistündige Geschehen wurde am Bühnenrand von Miloš Todorovski mit dem Akkordeon begleitet. Als Statisten nahmen immer wieder Mitglieder der Theatergruppe Dellach Aufstellung auf der weitläufigen, nur mit wenig Requisiten bestückten Bühne.
Weitere Termine des Kulturfestivals Südalpenraum Sankt Daniel sind von 16. bis 19. Juli 2026 um 20 Uhr.
Quelle: APA
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