RSV-Impfung: Verband fordert Gratis-Zugang für Erwachsene

Pia ProdingerPia Prodinger
RSV-Impfung: Spritze und Ampulle mit Gratis-Etikett vor Lungen und älteren Menschen, November bis April.
© Mit KI (Gemini) generiert

Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) drängt auf die Aufnahme der RSV-Impfung für Menschen ab 60 Jahren in das kostenfreie Impfprogramm. Während Säuglinge bereits gratis geschützt werden, müssen Erwachsene die Kosten selbst tragen – trotz erheblicher Krankheitslast.

Mit dem Herbst beginnt in Österreich auch die Saison des Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), die üblicherweise von November bis April andauert. Das Virus zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen schwerer Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern, kann aber auch bei älteren Menschen sowie Personen mit Vorerkrankungen schwere Verläufe verursachen. Während das Bewusstsein für RSV bei jungen Eltern in den vergangenen Jahren gestiegen ist, wird die Erkrankung bei älteren Erwachsenen häufig noch unterschätzt. Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) weist daher vor Beginn der Saison auf bestehenden Informationsbedarf und die damit verbundenen Kosten hin.

Besonders hohe Belastung bei Kleinkindern

RSV gilt weltweit als häufigste Ursache akuter Infektionen der unteren Atemwege bei Kindern unter fünf Jahren. Schätzungen zufolge kommt es jährlich zu rund 33 Millionen Erkrankungen und etwa 3,6 Millionen Krankenhausaufenthalten in dieser Altersgruppe. Nahezu jedes Kind infiziert sich bis zum zweiten Lebensjahr zumindest einmal mit RSV.

Während ältere Kinder und Erwachsene meist nur erkältungsähnliche Symptome entwickeln, kann die Infektion bei Säuglingen zu schweren Erkrankungen wie Bronchiolitis oder Lungenentzündung führen. In Österreich mussten in den Jahren 2025 und 2026 (Stand Juli 2026) mehr als 2.400 Kinder im Alter von null bis vier Jahren aufgrund einer RSV-Infektion im Krankenhaus behandelt werden. Knapp 80 von ihnen benötigten eine intensivmedizinische Betreuung. In der Steiermark betreffen rund 80 Prozent der RSV-bedingten Krankenhausaufenthalte reif geborene Säuglinge, insbesondere im ersten Lebensjahr.

Erkrankung bei Erwachsenen oft unterschätzt

Bei Erwachsenen wird RSV als eigenständige Erkrankung in der öffentlichen Wahrnehmung bislang nur wenig beachtet. Zwar werden im öffentlich zugänglichen SARI-Dashboard von Gesundheitsministerium, Dachverband der Sozialversicherungsträger und AGES unter anderem Hospitalisierungen durch COVID-19, Influenza, Pneumokokken und RSV erfasst. Fachpublikationen weisen jedoch darauf hin, dass die Überwachung von RSV bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern weiterhin Lücken aufweist.

Da sich eine RSV-Infektion bei Erwachsenen häufig klinisch nicht eindeutig von anderen Atemwegserkrankungen wie Influenza unterscheiden lässt und nicht bei allen hospitalisierten Patientinnen und Patienten gezielt auf RSV getestet wird, dürfte die tatsächliche Krankheitslast unterschätzt werden.

Jährliche Kosten von rund 317 Millionen Euro

Wie groß die Belastung dennoch ist, zeigt eine vom ÖVIH beauftragte Analyse des Instituts für Pharmaökonomische Forschung (IPF). Demnach erkranken jährlich rund 3,2 Prozent der österreichischen Bevölkerung an einer akuten RSV-bedingten Atemwegsinfektion. Pro Jahr werden 3.301 Personen deshalb ins Krankenhaus eingeliefert, 76 Menschen sterben an den Folgen der Erkrankung. Auffällig ist dabei die hohe Betroffenheit von Säuglingen: 67,3 Prozent aller RSV-bedingten stationären Aufenthalte entfallen auf Kinder im ersten Lebensjahr.

Die im November 2025 veröffentlichte Krankheitskostenstudie des IPF beziffert die jährlichen Gesamtkosten von RSV-bedingten akuten Atemwegserkrankungen in Österreich auf 316,9 Millionen Euro. Davon entfallen 58,15 Millionen Euro auf direkte Gesundheitskosten, insbesondere für stationäre Aufenthalte, Intensivbehandlungen und Arztbesuche. Weitere 258,74 Millionen Euro entstehen durch indirekte Kosten, vor allem infolge von Arbeitsausfällen Erkrankter sowie pflegender Elternteile.

Kostenloser Schutz für Säuglinge

Der Impfplan Österreich 2025/2026 empfiehlt für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison eine passive Immunisierung mit monoklonalen Antikörpern. Kinder, die zwischen April und September geboren werden, sollen diese idealerweise vor Beginn der Herbst- und Wintersaison beim Kinderarzt erhalten. Während der RSV-Saison geborene Kinder werden nach Möglichkeit noch vor der Entlassung aus dem Krankenhaus immunisiert.

Die passive Immunisierung ist Teil des kostenlosen öffentlichen Kinderimpfprogramms und steht damit allen Säuglingen unentgeltlich zur Verfügung.

Zusätzlich kann laut Impfplan eine aktive Impfung werdender Mütter zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche einen Schutz des Neugeborenen ermöglichen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Geburtstermin in die RSV-Saison zwischen Oktober und März fällt. Im Gegensatz zur passiven Immunisierung von Säuglingen ist diese Impfung derzeit jedoch nicht Teil des kostenlosen Impfprogramms und muss selbst bezahlt werden.

Erwachsene tragen Impfkosten selbst

Auch für Erwachsene stehen wirksame Impfungen gegen schwere RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege zur Verfügung. Der Impfplan empfiehlt die Immunisierung allen Personen ab 60 Jahren sowie Menschen ab 18 Jahren mit erhöhtem Risiko, etwa aufgrund chronischer Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen, Diabetes oder einer Immunschwäche.

Anders als bei Säuglingen wird die RSV-Impfung für Erwachsene derzeit nicht über das kostenfreie öffentliche Impfprogramm finanziert.

Einer ÖVIH-Marktforschung zufolge sehen lediglich 13 Prozent der Befragten ihr Risiko, ab dem 60. Lebensjahr schwer an RSV zu erkranken, als hoch oder eher hoch an. Gleichzeitig würden sich 54 Prozent impfen lassen, wenn dies von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt empfohlen würde. Für 53 Prozent stellt eine ärztliche Empfehlung sogar den entscheidenden Faktor bei der Impfentscheidung dar. Nach Ansicht des ÖVIH spielen daher sowohl Aufklärung als auch ein niederschwelliger Zugang zur Impfung eine zentrale Rolle.

ÖVIH fordert kostenlose Impfungen und mehr Transparenz

Der Verband spricht sich für die Aufnahme der RSV-Impfung für Menschen ab 60 Jahren sowie für Risikogruppen ab 18 Jahren in das kostenfreie öffentliche Impfprogramm aus.

Darüber hinaus fordert der ÖVIH die Erweiterung des bestehenden Impfdaten-Dashboards um RSV-Immunisierungen für Kinder und Erwachsene. Seit Dezember 2025 stellen Gesundheitsministerium und Dachverband der Sozialversicherungsträger unter impfdaten.at entsprechende Daten öffentlich zur Verfügung. Durch die Einbindung der im E-Impfpass erfassten RSV-Immunisierungen sollen künftig verlässliche Durchimpfungsraten sichtbar gemacht und der Erfolg der Schutzmaßnahmen besser bewertet werden können.

Quelle: OTS

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