Runder Tisch warnt vor Finanzierungslücke bei Unis

Pia ProdingerPia Prodinger
Diskussionsteilnehmer bei Veranstaltung der Uni Graz mit dem Motto "We work for tomorrow"
© Stadt Graz/Fischer

Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft fordern eine tragfähige Finanzierung der steirischen Universitäten. Eine drohende Budgetlücke von 2,5 Milliarden Euro für alle österreichischen Unis würde die Steiermark besonders hart treffen.

Auf Einladung der Universität Graz sind Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu einem Runden Tisch zusammengekommen. Ziel der Initiative ist eine sachliche und konstruktive Diskussion über die Finanzierung der Universitäten in der Leistungsvereinbarungsperiode 2028 bis 2030. Gemeinsam soll eine tragfähige Basis für die anstehenden Verhandlungen geschaffen und Perspektiven für die Weiterentwicklung der steirischen Wissensregion erarbeitet werden.

Die Steiermark gilt als eine der bedeutendsten Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsregionen Europas. Nach Ansicht der Beteiligten würde eine Finanzierungslücke die Region besonders stark treffen. Einschränkungen hätten nicht nur Auswirkungen auf Forschung und Innovationskraft, sondern würden auch die Zukunftschancen junger Menschen beeinträchtigen, da deren Ausbildung eng mit Betreuungsqualität und Studienbedingungen verbunden ist.

Universitäten warnen vor Finanzierungslücke

Die österreichische Universitätenkonferenz (uniko) und die Universitäten beziffern den Finanzierungsbedarf für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode auf 18 Milliarden Euro. Der Bund kalkuliert derzeit jedoch mit einer Fortführung des bisherigen Universitätsbudgets von 16,5 Milliarden Euro. Nach aktuellem Stand sollen darin auch rund eine Milliarde Euro enthalten sein, die bislang aus anderen Budgettöpfen finanziert wurden. Daraus würde sich für die österreichischen Universitäten eine Finanzierungslücke von insgesamt 2,5 Milliarden Euro ergeben.

Die Steiermark erwirtschaftet mehr als 20 Prozent der österreichweiten Forschungs- und Entwicklungsleistungen. Rund ein Viertel davon entfällt auf die öffentlichen Hochschulen. Gleichzeitig sind zahlreiche innovative Unternehmen auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen, die an den Universitäten ausgebildet werden.

Graz und Leoben besonders betroffen

Von einer Finanzierungslücke wären auch die Universitätsstädte Graz und Leoben erheblich betroffen. In Graz studieren rund 50.000 Menschen, was etwa einem Sechstel der Stadtbevölkerung entspricht. In Leoben machen die rund 3.000 Studierenden mehr als zehn Prozent der Einwohner aus.

Peter Riedler, Rektor der Universität Graz, verweist darauf, dass Universitäten durchaus Einsparungen leisten könnten. Entscheidend sei jedoch, dass notwendige Sparmaßnahmen nicht jene Strukturen gefährden, die über Jahre aufgebaut wurden und für die Zukunft des Landes von großer Bedeutung seien. Gleichzeitig bedankt er sich bei der ÖH Uni Graz für die gemeinsame Initiative zum Runden Tisch.

Bedeutung für Wirtschaft und Forschungsstandort

Monika Köppl-Turyna, Direktorin von Eco Austria, hebt die enge Verbindung zwischen Universitäten und Wirtschaft hervor. Dass die Steiermark mit einer Forschungsquote von 5,3 Prozent österreichweit an der Spitze liege, sei das Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Acht der 15 österreichischen Hightech-Forschungsprojekte im COMET-Programm werden von steirischen Universitätsinstituten geleitet. Zudem gehen laut ihren Angaben drei bis zehn Prozent des realen Wirtschaftswachstums auf universitäre Forschung und Lehre zurück. Ein Rückgang der Absolventenzahlen um fünf Prozent würde Österreich langfristig jährlich 3,2 Milliarden Euro kosten.

Auch Valentina Simschitz, Vorsitzende der ÖH Uni Graz, spricht sich gegen Einsparungen aus. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen seien ausreichend finanzierte Universitäten von zentraler Bedeutung. Bildung sei ein Grundrecht und eine wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

Grazer Stadtpolitik fordert Planungssicherheit

Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr betont die zentrale Rolle der Universitäten und Forschungseinrichtungen für die Entwicklung der Stadt. Sowohl die wirtschaftliche als auch die demografische Entwicklung seien eng mit den Hochschulen verknüpft. Eine positive Entwicklung des steirischen Zentralraums sei ohne eine verlässliche Finanzierung im Bildungsbereich kaum denkbar.

Wissenschaftsstadträtin Claudia Unger verweist darauf, dass Graz in besonderem Maße von seinen Universitäten profitiere. Dies gelte sowohl für die Gründung innovativer Start-ups als auch für die vielen gut ausgebildeten jungen Menschen, die in der Stadt leben und arbeiten. Darüber hinaus seien die Hochschulen wichtige Orte für kritisches Denken und gesellschaftlichen Austausch. Budgetkürzungen würden daher sowohl die Universitätsstadt Graz als auch den Wirtschaftsstandort treffen.

Wirtschaftsstadtrat René Apfelknab unterstreicht, dass Einsparungen in den Bereichen Wissenschaft und Forschung gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das falsche Signal wären. Investitionen in Universitäten seien zugleich Investitionen in die Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

Quelle: https://www.graz.at/cms/beitrag/10471450/8114224/Gemeinsam_fuer_einen_zukunftsfaehigen.html

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