Salzburg investiert 45 Millionen in Pflege bis 2031
Die Salzburger Landesregierung hat ein umfassendes Maßnahmenpaket für Pflege und Betreuung beschlossen. Bis 2031 fließen rund 45 Millionen Euro in Projekte der Langzeitpflege. Allein für 2027 und 2028 sind 13,5 Millionen Euro fixiert.
Die Plattform Pflege III hat ihren Abschlussbericht präsentiert. Daraus gingen rund 100 Maßnahmen und Projekte hervor, die nun schrittweise umgesetzt werden sollen. Die Salzburger Landesregierung hat die dafür notwendigen finanziellen Mittel freigegeben.
Im Jänner 2026 rief die Landesregierung die dritte Pflegeplattform ins Leben und bestellte mit Karl Schwaiger erstmals einen eigenen Pflegebeauftragten. In insgesamt neun Arbeitsgruppen arbeiteten mehr als 165 Vertreterinnen und Vertreter aus 42 Institutionen mit. Nach einem Zwischenbericht im Frühjahr und einer Pflege-Enquete im Mai wurden im Sommer die finalen Berichte inklusive Finanzierung und Priorisierung vorgelegt.
Fokus auf Langzeitpflege
Die Landesregierung verständigte sich auf ein Maßnahmenpaket mit Schwerpunkt auf der Langzeitpflege. Bis 2031 sollen Projekte im Umfang von rund 45 Millionen Euro umgesetzt werden. Die Schwerpunkte reichen von Ausbildung und Digitalisierung bis hin zu Innovationen, Pflege zuhause und Prävention.
Für die Jahre 2027 und 2028 stehen bereits 13,5 Millionen Euro bereit. Zusätzlich übernimmt das Land den Gemeindeanteil von 5,3 Millionen Euro für diesen Zeitraum vollständig.
Landeshauptfrau Karoline Edtstadler verweist darauf, dass bereits im Zuge der ersten beiden Pflegeplattformen zahlreiche Vorhaben umgesetzt worden seien. Mit der Plattform Pflege III lägen nun über 100 konkrete Vorschläge von Expertinnen und Experten vor. Geplant seien unter anderem ein neuer Pflegenotdienst, zusätzliche spezialisierte Pflegekräfte sowie eine Verdoppelung der Unterstützung für die Kurzzeitpflege.
Gemeinden begrüßen Maßnahmenpaket
Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek betont die Notwendigkeit, Pflegeangebote auf die zukünftigen Herausforderungen auszurichten. Mobile Dienste, Tageszentren, Seniorenwohnhäuser und Überleitungspflege müssten dabei als zusammenhängendes System betrachtet werden.
Auch der Präsident des Salzburger Gemeindeverbands, Manfred Sampl, zeigt sich zufrieden. Besonders positiv bewertet er die Übernahme des Gemeindeanteils durch das Land für die Jahre 2027 und 2028.
Erste Projekte bereits angelaufen
Laut Pflegebeauftragtem Karl Schwaiger befinden sich mehrere Maßnahmen bereits in Umsetzung. Dazu zählt die Anbindung sämtlicher Seniorenwohnhäuser an das elektronische Gesundheitsaktensystem ELGA bis Jahresende. Dafür sind heuer rund 800.000 Euro vorgesehen, in den folgenden Jahren weitere 1,1 Millionen Euro.
Ebenfalls gestartet sind der neue Berufsschulstandort für die Pflegelehre in Salzburg-Itzling sowie berufsbegleitende Weiterbildungsangebote für Pflegeassistenzkräfte. Zudem wird das Elisabethinum im Pongau um eine Fachschule mit Pflegevorbereitung erweitert.
Pflegenotdienst und Spezialistenpools
Zu den wichtigsten Vorhaben zählt die Einführung eines Pflegenotdienstes in Verbindung mit der Gesundheitshotline 1450. Dieser soll sowohl Einrichtungen der Langzeitpflege als auch Menschen ab 65 Jahren unterstützen und Krankenhäuser entlasten. Der stufenweise Ausbau ist ab dem kommenden Jahr vorgesehen.
Darüber hinaus sollen Expertenpools für kleinere Seniorenwohnheime geschaffen sowie Advanced Practice Nurses verstärkt in größeren Einrichtungen eingesetzt werden. Ziel ist eine höhere Pflegequalität und die Verringerung von Krankenhausaufenthalten.
Die Förderung für die Kurzzeitpflege wird von bisher 50 auf 100 Euro pro Person und Tag erhöht. Die Maßnahme soll pflegende Angehörige zusätzlich entlasten.
Mehr Digitalisierung in der Pflege
Geplant sind außerdem telemedizinische Angebote und eine bessere fachärztliche Betreuung in Seniorenwohnhäusern. Dies soll vor allem in ländlichen Regionen unnötige Wege und Transporte reduzieren.
Ein weiteres Projekt setzt auf KI-gestützte Warnsysteme zur Sturzerkennung in Pflegeheimen. Zudem soll eine digitale Übersicht über freie Plätze in Tageszentren sowie in der Kurz- und Langzeitpflege geschaffen werden. Ergänzend sind eine Praktikums-App sowie eine digitale Fortbildungsplattform für Pflegekräfte vorgesehen.
Ausbildung weiter ausbauen
Mit einer zweistufigen Qualifizierung aus Spezialisierungslehrgang und ANP-Masterstudium soll die geriatrische Pflege weiter gestärkt werden. Geplant sind außerdem zusätzliche Standorte für Höhere Lehranstalten für Pflege und Sozialbetreuung sowie weitere Ausbildungsangebote in den Regionen.
Prävention und Unterstützung für Angehörige
Ein wissenschaftlich begleitetes Präventionsprojekt soll dazu beitragen, die Selbstständigkeit älterer Menschen möglichst lange zu erhalten. Zudem ist eine stärkere Einbindung von Hospiz- und Palliativangeboten vorgesehen.
Auch Tageszentren und betreute Wohnformen sollen ausgebaut werden. Für Tageszentren unterstützt das Land Salzburg jeden Besuchertag mit einem Zuschuss von 60 Euro.
Begleitet werden die Maßnahmen von der Pflegekampagne „Das ist stark“, die den Pflegeberuf attraktiver machen und das Bewusstsein für Unterstützungsangebote stärken soll.
Steigender Pflegebedarf
Den Berechnungen zufolge wird die Zahl der Pflegegeldbeziehenden in Salzburg bis 2035 um rund 4.700 Personen beziehungsweise 16,9 Prozent steigen.
In der Langzeitpflege werden bis 2030 zusätzlich 840 Pflegekräfte benötigt, bis 2035 weitere 670. Insgesamt ergibt sich für den Zeitraum 2026 bis 2035 ein Bedarf von rund 6.200 zusätzlichen Pflegekräften. Trotz geplanter Ausbildungsmaßnahmen könnte bis 2035 eine Lücke von 1.570 Pflegekräften bestehen.
Mehr als 300 Millionen Euro für die Pflege
Pflegebeauftragter Karl Schwaiger verweist darauf, dass mit den Pflegeplattformen I, II und III insgesamt mehr als 300 Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Pflege in Salzburg investiert werden. Die nun beschlossenen Maßnahmen sollen gemeinsam mit den Expertinnen und Experten weiterentwickelt und umgesetzt werden. Schwaiger wird seine Funktion als Pflegebeauftragter bis zum Ende der Legislaturperiode 2028 ausüben.
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