Salzburg plant mobile Pflegeteams für ME/CFS-Erkrankte

Der Salzburger Landtag hat einstimmig den Aufbau spezieller Pflegestrukturen für Menschen mit ME/CFS beschlossen. Künftig sollen mobile Teams die pflegenden Angehörigen entlasten, die bisher fast ausschliesslich die Betreuung übernehmen.
Der Salzburger Landtag hat diese Woche einen Antrag der Grünen zum Aufbau eigener Pflegestrukturen für ME/CFS-Betroffene einstimmig angenommen. Derzeit wird die Pflege von Menschen mit dieser Erkrankung nahezu ausschliesslich von Angehörigen übernommen, die dabei regelmässig an ihre Belastungsgrenzen stossen.
Kimbie Humer-Vogl, Gesundheitssprecherin der Grünen, erläutert den Beschluss: Familien sollen durch mobile Pflegeteams sowohl zu Hause als auch in Gesundheitseinrichtungen unterstützt und entlastet werden.
Spezielle Schulungen für Pflegekräfte
Eine zentrale Voraussetzung ist die spezielle Schulung von Pflegekräften für die besonderen Anforderungen bei ME/CFS. Die Pflege folgt bei dieser Erkrankung eigenen Regeln: Aufgrund der ausgeprägten Reizempfindlichkeit der Patientinnen und Patienten muss die Betreuung häufig mit minimaler Kommunikation, in abgedunkelten Räumen und mit wenig Körperkontakt erfolgen.
In manchen Fällen arbeiten Pflegepersonen nicht direkt mit den Erkrankten, sondern geben ihre Fachkenntnisse an die Angehörigen weiter. Sie leiten die pflegenden Familienmitglieder an und beraten sie mit ihrer Expertise.
Zusätzlich soll geprüft werden, wie spezielle Pflegestrukturen in Krankenhäusern und Pflegeheimen etabliert werden können. Bisher meiden Betroffene diese Einrichtungen häufig, weil die Reizüberflutung dort oft zu einer Verschlechterung des Krankheitszustands führt.
Parteiübergreifende Unterstützung
Humer-Vogl zeigt sich besonders erfreut über den parteiübergreifenden Zusammenhalt: „ME/CFS-Betroffene in diesem Land können sich auf den Salzburger Landtag verlassen. Wenn es um Verbesserungen für ME/CFS-Betroffene geht, ziehen seit Jahren alle Parteien an einem Strang“, so die Gesundheitssprecherin.
Nach einer Vorreiterrolle bei der medizinischen Behandlung nehme Salzburg nun auch die Pflege von ME/CFS-Betroffenen in Angriff und bleibe damit an der Spitze bei der Versorgung, betont Humer-Vogl. Sie hofft, dass andere Bundesländer diesem Beispiel folgen werden.
„Betroffene und Angehörige haben viel zu lange um Sichtbarkeit, Versorgung und Unterstützung kämpfen müssen. Dieser einstimmige Beschluss ist das klare Signal: Wir sehen euch und versuchen unser Bestmögliches, euch wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen“, so Humer-Vogl abschliessend.
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