Secondhand-Dirndl in Bad Vöslau seit zehn Jahren gefragt

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In einem ehemaligen Heurigenlokal in Bad Vöslau verkauft Therese Witzmann-Merians seit einem Jahrzehnt gebrauchte Tracht. Mehr als 1.500 Dirndl hängen mittlerweile in den Räumen, in denen früher Wein ausgeschenkt wurde, so der ORF.

In Bad Vöslau hat sich ein ungewöhnlicher Geschäftsstandort etabliert: Dort, wo einst ein Heurigenlokal betrieben wurde, suchen Kundinnen und Kunden heute nach passenden Accessoires zu gebrauchten Dirndln. Die aus der Schweiz stammende Therese Witzmann-Merians führt das Geschäft seit zehn Jahren.

Die Geschäftsidee entstand aus einer persönlichen Notwendigkeit heraus. Als ihre Tochter eine Anstellung an einer Hotelrezeption antrat, brauchte diese mehrere Dirndl für die Arbeit. Weil die Tochter die Kosten selbst tragen musste, begaben sich Mutter und Tochter auf die Suche nach gebrauchter Tracht. Aus der anfänglichen Suche entwickelte sich zunächst ein Hobby, später ein eigener Betrieb.

Heute umfasst das Sortiment mehr als 1.500 Dirndl, die ab etwa 80 Euro erhältlich sind. Die Stücke hängen in den Räumen des früheren Heurigenlokals.

Männer fordern Lederhosen ein

Das Angebot beschränkt sich längst nicht mehr auf Dirndl. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach gebrauchten Lederhosen deutlich gestiegen. Viele Männer kamen zunächst als Begleitung mit und warteten vor den Umkleidekabinen. „Es war wirklich so, dass sich Männer beschwert haben, warum ich nur an die Frauen denke und nicht an sie“, berichtete Witzmann-Merians. Das Warten sei vielen zu langweilig geworden – sie wollten selbst Tracht anprobieren.

Besonders Oktoberfest-Veranstaltungen sorgen derzeit für einen Ansturm. „Vergangenen Samstag waren zwei Sanitäter da, frisch aus dem Dienst. Dann haben vier Männer gleichzeitig anprobiert und es war ein richtiges Lederhosen-Fest, bei dem sie sich gegenseitig beraten haben“, schilderte die Inhaberin.

Qualität als oberstes Kriterium

Viele der angebotenen Dirndl sind neuwertig, teilweise finden sich aber auch ältere Modelle im Sortiment. Gerade bei historischen Stücken sei die Verarbeitung besonders hochwertig, so Witzmann-Merians: „Die alten Dirndl überleben uns alle.“

Beim Ankauf achtet die Inhaberin streng auf Qualität. Sie nimmt ausschließlich Stücke aus Trachtenshops oder selbst genähte Dirndl an. Billige Tracht aus dem Internet lehnt sie ab. Auch Dirndl, die ihr persönlich nicht zusagen, werden nicht ins Sortiment aufgenommen.

Ob ein Dirndl zur Trägerin passt, erkenne sie sofort an deren Reaktion. „Das ist wie bei jeder Frau, wenn sie ein schönes Kleidungsstück trägt. Wenn sie nicht zupft, sondern vor dem Spiegel tanzt – das nenne ich dann den Dirndlblick“, erklärte die Schweizerin.

Von der Spendenaktion zum Vollzeitgeschäft

Als Witzmann-Merians das Geschäft noch als Hobby führte, gingen sämtliche Einnahmen an einen guten Zweck. Mittlerweile ist der Betrieb zu umfangreich geworden, um ihn neben einem Vollzeitjob zu führen. Einen Teil der Einnahmen spendet sie jedoch weiterhin. „Mir ist es wichtig, dass meine Preise so fair sind, dass sich viele etwas kaufen können, die es sich sonst nicht leisten können“, sagte die Inhaberin.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3372084/

Worüber spricht Baden morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.