Sediment und Schilf werden zu Baustoffen verarbeitet

Mathias FischerMathias Fischer
Banddurchschnitt in Niederösterreich mit sieben Personen vor Strohskulpturen
© Büro Landesrätin Winkler/Christoph Novak

Ein Forschungsprojekt macht aus Materialien des Neusiedler Sees innovative Baustoffe. In Winden am See zeigt der „Schilfraum“, wie Sediment und Schilf mittels 3D-Druck zu architektonischen Elementen werden können.

Seemanagement Burgenland, TU Graz und Ceramico Burgenland erforschen gemeinsam mit Forschung Burgenland, wie sich Schilf und Sedimente aus dem Neusiedler See als regionale Ressourcen nutzen lassen. Die Materialien fallen bei der Bewirtschaftung und bei Erhaltungsmaßnahmen an und wurden bisher meist als Abfall betrachtet.

„Unser Ansatz ist es, Schilf und Sedimente des Neusiedler Sees nicht als Abfall, sondern als wertvolle regionale Ressource zu betrachten und neue Möglichkeiten für ihre nachhaltige Nutzung zu entwickeln“, erklärte Martin Zloklikovits, Geschäftsführer der Forschung Burgenland.

Begehbare Installation im Freilichtmuseum

Im Freilichtmuseum Wander Bertoni in Winden am See ist nun ein Ergebnis der Forschungskooperation zu sehen: ein begehbarer „Schilfraum“ aus Sediment und Schilf. Landesrätin Daniela Winkler betonte, dass in bislang wenig genutzten Materialien wie dem Sediment des Neusiedler Sees großes Potenzial stecke.

Die Landesrätin hob hervor, dass durch die Zusammenarbeit von Forschung Burgenland, Seemanagement Burgenland und TU Graz aus einer Idee zur Kreislaufwirtschaft ein konkretes, innovatives Forschungsprojekt entstanden sei. Der Schilfraum zeige, wie regionale Ressourcen, Wissenschaft und junge kreative Köpfe zusammenwirken und neue Perspektiven für nachhaltiges Bauen eröffnen können.

3D-Druck mit regionalem Material

Die Forschungskooperation untersucht, wie sich Sedimente als Ausgangsmaterial für neue Baustoffe nutzen lassen. Besonders im Fokus steht der Einsatz moderner Fertigungstechnologien wie des 3D-Drucks, der regionale Rohstoffe mit innovativer Materialforschung verbindet.

Am Institut für Architektur und Medien der TU Graz wurde das Sediment im ShapeLAB für die digitale Fertigung aufbereitet. Unterschiedliche Materialmischungen, Druckparameter, Geometrien und Wandstrukturen wurden erprobt. Untersucht werden unter anderem Trocknung, Schrumpfung, Rissbildung, Formstabilität und Oberflächenqualität. Neben reinem Sediment wurden auch Mischungen mit Schilffasern getestet.

Einen wesentlichen Ausgangspunkt bildet das EU Interreg Forschungs-Projekt REVALUE, das innovative Lösungen für die Verwertung bislang problematischer kommunaler Stoffströme und eine stärkere Materialzirkularität im grenzüberschreitenden Raum zum Ziel hat.

Studierende entwickeln architektonisches Experiment

Im Master Studio „Material Tectonics“ beschäftigten sich 18 Studierende der TU Graz mit der Frage, wie die unmittelbar aus der Landschaft stammenden Materialien durch digitale Fertigung, Materialexperimente und konstruktive Entwicklung neue Anwendungen in der Architektur finden können. Aus unterschiedlichen Entwürfen wurde der „Schilfraum“ ausgewählt und am Gelände des Freilichtmuseums realisiert.

Schilf formt einen begehbaren Raum. In seinem Inneren werden die Ergebnisse der Materialforschung mit Sediment und Schilf präsentiert: Unterschiedliche Geometrien sowie gebrannte und ungebrannte 3D-gedruckte Elemente zeigen das Potenzial dieses bislang wenig genutzten Rohstoffs. Der „Schilfraum“ verbindet damit regionale Kreislaufwirtschaft, Materialforschung, digitale Fertigung und Architektur.

Delegation besichtigt nachhaltige Baustoffe in Niederösterreich
© Büro Landesrätin Winkler/Christoph Novak

Quelle: https://forschung.hochschule-burgenland.at/news-presse/artikel/bauen-mit-sedimenten-des-neusiedler-sees-schilfraum-in-winden-am-see-als-vorzeigeprojekt

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