Seen in Österreich auf historischen Tiefstständen

Hitze und Trockenheit lassen die Wasserstände vieler österreichischer Seen dramatisch sinken. Der Bodensee verzeichnet am 5. August den niedrigsten Pegel seit Messbeginn 1864, der Wolfgangsee erreicht ein 30-Jahre-Tief.
Die anhaltende Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen zeigt massive Auswirkungen auf die Wasserstände österreichischer Seen. Am Bodensee wurde am Mittwoch ein Pegelstand von 291 Zentimetern gemessen – der niedrigste Wert für einen 5. August seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1864. Der bisherige Tiefststand für diesen Tag lag bei 306 Zentimetern. Damit liegt der Wasserstand mehr als einen Meter unter dem langjährigen Mittel von 411 Zentimetern.
Die kommerzielle Schifffahrt am Bodensee rechnet zwar nicht mit einem vorzeitigen Saisonende, doch für Freizeitsegler könnte der Sommer bereits Mitte August vorbei sein – normalerweise dauert die Saison bis Ende Oktober. Erste Segeljachten wurden bereits aus dem Wasser geholt, um ein Festsitzen zu verhindern. Das extreme Niedrigwasser stört zudem die Wasserökologie erheblich, Flora und Fauna leiden darunter.
Neusiedler See nur zwölf Zentimeter über Rekordtief
Im Burgenland liegt der Neusiedler See derzeit bei 115,09 Meter über Adria und damit nur zwölf Zentimeter über dem Tiefststand aus dem Jahr 2022 – dem niedrigsten Wert seit Beginn der Messungen 1965. Trotz des Niederwassers sind Schifffahrt und Badesport noch möglich, auch für die Fische sei die Lage noch nicht kritisch, hieß es. Ob die angekündigte Abkühlung am Wochenende auch ausreichend Niederschlag bringt, ist offen.
Der Wolfgangsee in Salzburg verzeichnet den niedrigsten Pegel seit 30 Jahren. Dies wirkt sich bereits seit der vergangenen Woche auf die Ausflugsschifffahrt aus. Harald Huemer, Leiter des Hydrografischen Dienstes des Landes Salzburg, erklärte, die Pegelstände seien für den Sommer niedrig oder sehr niedrig und lägen teilweise außerhalb des üblichen Bereichs für diese Jahreszeit.
Kärnten und Oberösterreich betroffen
In Kärnten liegen die Pegelstände der großen Seen mit wenigen Ausnahmen durchwegs im Niedrigwasserbereich – und das bereits auffallend lange, so Elisabeth Gutschi vom Hydrographischen Dienst des Landes. Während Weissensee und Wörthersee künstlich reguliert werden und nur geringe Schwankungen aufweisen, ist der Pegel im Ossiacher See deutlich niedriger. Der Längsee im Bezirk St. Veit an der Glan führt seit Wochen Niedrigwasser, der Pegelstand liegt um einige Zentimeter unter dem minimalen Tagesmittel der vergangenen 30 Jahre.
Seit 1. Jänner 2026 wurde in Kärnten beim Jahresniederschlag ein Defizit von rund 24 Prozent im Vergleich zum 30-Jahres-Durchschnitt verzeichnet. Besonders betroffen sind die Kärntner Flüsse, vor allem die Lavant im Osten des Bundeslandes.
In Oberösterreich verzeichnen Traunsee und Hallstätter See leicht steigende Wasserstände – allerdings nur, weil sie von Gletschern gespeist werden, die aktuell viel Masse verlieren. Attersee und Mondsee hingegen sind von Zuläufen abhängig und befinden sich auf sehr niedrigen Ständen. Beim Attersee war der Wasserstand im Juli und August noch nie so niedrig wie heuer. Am Nussensee bei Bad Ischl sank der Wasserspiegel durch die Trockenheit um fünf Meter, wodurch Ende Juli Sprengsätze aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt wurden und der See zwischenzeitlich gesperrt werden musste.
Auswirkungen auf Stromerzeugung und Grundwasser
In der Steiermark gibt es keine langjährige wissenschaftliche Beobachtung der Seepegel, wie Robert Schatzl, Leiter des Hydrografischen Dienstes, mitteilte. Erst seit etwa zwei Jahren werden die Pegelstände von Grundlsee und Altausseer See gemessen. Alle steirischen Flüsse führen derzeit Niedrigwasser, was sich auch auf die Seen auswirkt. Die niedrigen Pegelstände der Flüsse wie Raab, Feistritz oder Sulm führen seit Wochen zu einem Einbruch in der Stromproduktion von Kleinwasserkraftwerken. Auch der magere Schneeniederschlag im Winter sei dafür mitverantwortlich.
Der Juli 2026 war laut dem aktuellen Monatsbericht "Wasserhaushalt Österreich" erneut zu warm und außergewöhnlich trocken. Mit einer Temperaturabweichung von plus 2,0 Grad Celsius gegenüber der Klimanormalperiode 1991 bis 2020 sowie einem österreichweiten Niederschlagsdefizit von 53 Prozent setzte sich die anhaltende Trockenheit fort.
Die Abflüsse lagen an rund 95 Prozent der Pegelmessstellen unter den langjährigen Monatsmitteln, rund 90 Prozent der Messstellen verzeichneten sehr niedrige Abflüsse. Ende Juli wiesen knapp 90 Prozent der Messstellen in Österreich niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände auf – gegenüber rund 80 Prozent im Juni. Besonders ausgeprägt war diese Entwicklung in Tirol, wo die Zahl der Messstellen mit sehr niedrigen Grundwasserniveaus merklich anstieg.
Quelle: APA
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