Sexistische Puppen-Darstellung bei Polizei-Event empört Politik

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Fotos aus einem Schießkeller für Exekutivbeamte in Kennelbach lösen Empörung aus. Eine leicht bekleidete Puppe mit dem Gesicht von Pamela Rendi-Wagner wurde bei einem Event 2023 inszeniert. Parteien fordern Aufklärung, ÖVP-Landesrat Gantner distanziert sich.

Aufnahmen aus einem Schießkeller für behördliche Waffenträger in Kennelbach (Bezirk Bregenz) haben eine politische Kontroverse ausgelöst. Im September-Gemeindeblatt der Gemeinde wurden Bilder von einem Schießwettbewerb aus dem Jahr 2023 veröffentlicht, die eine leicht bekleidete weibliche Puppe zeigen. Die Figur trägt das Gesicht der damaligen SPÖ-Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner und sitzt auf dem Schoß einer männlichen Puppe mit dem Konterfei des früheren FPÖ-Vizekanzlers Heinz-Christian Strache.

Die Interessensgemeinschaft Schießkeller Kennelbach der Exekutivbeamten hatte den Bericht anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens veröffentlicht. Die Vereinigung zählt laut eigenen Angaben rund 120 Mitglieder, allesamt behördliche Waffenträger. Die Fotos waren mit dem Hinweis versehen, der Phantasie bei der Gestaltung seien keine Grenzen gesetzt.

Organisator verteidigt Inszenierung als Scherz

Der pensionierte Polizist Karl-Heinz Rösler, der die Veranstaltung organisiert hatte, erklärte gegenüber den „Vorarlberger Nachrichten“, die Puppen seien nicht beschossen worden. Die Darstellung sei scherzhaft gemeint gewesen unter dem Motto „Ibiza – wie es wirklich war“. Die aktuelle Aufregung könne er nicht nachvollziehen.

SPÖ-Frauensprecherin Manuela Auer wies die Rechtfertigung als Scherz zurück und bezeichnete sie als Verschlimmerung. Die Verantwortlichen sollten ihr Menschenbild hinterfragen, ebenso alle Teilnehmer, die nichts dagegen gesagt hätten. Sie richtete eine Anfrage an Landesrat Christian Gantner (ÖVP), der in der Ausschreibung als Ehrenschutz angeführt war. Auer will wissen, ob er bei dem internationalen Verteidigungsschießen für Exekutivbeamte und Heereskräfte im April 2023 anwesend war und von der Darstellung wusste. Zudem fragte sie nach möglichen Landesförderungen.

Gantner verurteilt Darstellung und weist Beteiligung zurück

Gantner distanzierte sich auf APA-Anfrage von der Veranstaltung und bezeichnete die Darstellung als „inakzeptabel“. Er habe erst aus den Medien davon erfahren. Den Ehrenschutz habe er auf Ersuchen eines anerkannten pensionierten Beamten des Landeskriminalamtes als damaliger Sicherheitslandesrat gemeinsam mit dem damaligen Landespolizeidirektor und dem damaligen Standortbürgermeister übernommen. Dies sei als Regierungsmitglied üblich und bedeute weder Mitwirkung an Planung oder Durchführung noch zwingend eine persönliche Teilnahme.

Er sei weder bei dem fraglichen Event noch sonst jemals in dem Schießkeller gewesen, auch mit dem Verein habe er selbst nie Kontakt gehabt. Weder die Interessengemeinschaft noch der 1. Vorarlberger Combat-Club seien von ihm in irgendeiner Form unterstützt worden, so Gantner schriftlich.

Kritik an Gemeinde wegen Veröffentlichung

Auer nahm auch die Gemeinde Kennelbach in die Pflicht. Statt die Organisatoren zur Rede zu stellen, habe man die Fotos im Gemeindeblatt veröffentlicht. Sie erwarte eine Erklärung und Konsequenzen. NEOS-Frauensprecherin Katharina Fuchs forderte vom Bürgermeister von Kennelbach, Christoph Vogelmann, eine Erklärung, warum er solche Bilder im offiziellen Gemeindeblatt freigegeben habe. Wer so etwas als Scherz abtue, verharmlosen ein Frauenbild, das den Nährboden für Gewalt gegen Frauen bilde.

Solidarität von ÖVP-Frauen und Empörung der Grünen

Die ÖVP-Frauenorganisation „Wir Frauen“ unter Obfrau Landesrätin Martina Rüscher erklärte ihre Solidarität mit Rendi-Wagner und allen von herabwürdigenden Aktionen betroffenen Frauen. Kritik an Positionen rechtfertige keine Herabwürdigung als Frau. Frauenverachtende Aktionen könnten Frauen davon abhalten, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen. Sie erwarte von den Verantwortlichen eine klare Auseinandersetzung mit dem Vorfall und der Veröffentlichung.

Die Vorarlberger Grünen zeigten sich „entsetzt“. Sicherheits- und Frauensprecherin Eva Hammerer stellte die Frage, ob es mit der Position als Landesrat vereinbar sei, mit dem Namen für eine derart geschmacklose Veranstaltung zu bürgen. Gantner müsse dafür sorgen, dass derartige Schießevents nicht mehr stattfinden. Es sei absolut inakzeptabel, dass die ehemalige Parteichefin der SPÖ bei einer Schießübung eindeutig als Prostituierte dargestellt werde. Sie erwarte sich von der Landesregierung eine geschlossene Distanzierung.

Grüne Anfrage an Innenminister Karner

Auf Bundesebene stellten die Grünen eine Anfrage an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Die Vorarlberger Nationalratsabgeordnete Nina Tomaselli verwies darauf, dass zahlreiche Angehörige von Polizei und Armee dabei gewesen seien und das Foto später sogar über einen Polizeisportverein verbreitet worden sei. Das werfe Fragen nach dem Frauenbild und dem Werteverständnis innerhalb der Exekutive auf. Karner müsse aufklären, wer teilgenommen habe und Verantwortung trage und ob dienstliche Ressourcen oder öffentliche Mittel eingesetzt worden seien. Zudem müsse er klarstellen, dass Herabwürdigung von Frauen mit den Grundwerten der Polizei unvereinbar sei.

Auch die Bundes-SPÖ meldete sich zu Wort. Eine solche Erniedrigung dürfe in keiner Gemeinde und bei keiner Veranstaltung als normal gelten, so die Nationalratsabgeordneten Sabine Schatz als Frauensprecherin und Antonio Della Rossa als Vorarlberger. Frauen müssten sich öffentlich engagieren können, ohne Erniedrigung, Einschüchterung oder Gewalt fürchten zu müssen.

Quelle: APA

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