Somalischer Schiri leitet Supercup nach WM-Einreiseverbot

Mathias FischerMathias Fischer
© SHOX ART / Pexels (Symbolbild)

Omar Artan aus Somalia pfeift am Mittwoch den europäischen Supercup in Salzburg. Der 34-Jährige war für die WM nominiert, durfte aber trotz gültigem Visum nicht in die USA einreisen. Nun wird er als erster Referee außerhalb Europas das Duell zwischen PSG und Aston Villa leiten.

Wenn ein Unparteiischer schon vor dem Anpfiff im Mittelpunkt steht, ist das ungewöhnlich. Omar Artan erlebt genau das vor dem europäischen Supercup zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa am Mittwoch um 21 Uhr in Salzburg. Der Referee aus Somalia wurde bei der vergangenen Weltmeisterschaft zum bekanntesten Schiedsrichter, obwohl er dort kein einziges Spiel pfeifen konnte.

„Es war eine sehr schwere Zeit“, sagt der 34-Jährige über sein WM-Drama. Obwohl er sportlich für das Turnier nominiert war, verweigerten ihm die USA trotz gültigem Visum die Einreise. Die Behörden begründeten dies mit Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Verbindungen zu einer Terrororganisation in seiner Heimat. Das sportpolitische Drama sorgte kurz vor Beginn der XXL-WM für Aufregung und Empörung.

UEFA reagierte mit Supercup-Nominierung

„Viele Menschen haben mir ihr Mitgefühl gezeigt, denn wenn jemand viele Jahre lang gearbeitet hat und eigentlich etwas tun sollte, es dann aber nicht mehr kann, ist das eine große Herausforderung“, erklärte Artan in einem Beitrag der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Er habe Unterstützung aus der ganzen Welt erfahren und sei dafür unglaublich dankbar.

Die UEFA reagierte damals prompt auf die Abweisung und setzte Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025 für die Partie zwischen Champions-League-Sieger PSG und Europa-League-Gewinner Aston Villa an. Als erster Schiedsrichter außerhalb Europas darf Artan nun den Supercup leiten. „Als wir diesen Anruf erhielten, war das für meine Familie und mich ein sehr glücklicher Moment“, sagte er.

Vom schwierigen Start zum Erfolg

Weniger glückliche Momente kennt der Somalier ebenfalls. Sein Vater starb früh, von seiner Mutter wuchs er getrennt auf. Über den Fußball bahnte er sich seinen Weg und fand schon in jungen Jahren zur Schiedsrichterei. Über Schulwettkämpfe und die somalische Liga ging es schnell bergauf, bis ins Finale der afrikanischen Champions League.

„Ich hatte Glück, aber ich habe auch hart dafür gearbeitet, hier zu sein, und bin wirklich stolz“, sagte er. „Wie man sich vorstellen kann, bin ich unter schwierigen Umständen aufgewachsen, aber das hat mich nicht davon abgehalten, meine Träume zu verfolgen.“ Aus dem WM-Traum wurde jedoch ein Alptraum.

Scharfe Kritik an Einreiseverbot

Der Fall sei „natürlich unglücklich“, hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino damals erklärt. Schärfer im Ton war die Trump-Regierung: „Wir werden nicht zulassen, dass im Rahmen eines Fußballturniers zwielichtige Gestalten in die Vereinigten Staaten einreisen“, sagte Andrew Giuliani, Chef der WM-Taskforce des Weißen Hauses. Man müsse „sicherstellen, dass wir nicht die falschen Leute ins Land lassen“.

In der Fußballwelt wurde die Entscheidung teils hart kritisiert. „Unglaublich und absurd“, nannte sie etwa Ex-FIFA-Chef Joseph Blatter. „Verweigert ein Land einem Schiedsrichter die Einreise, ist das ein schwerwiegendes Problem, und die Weltmeisterschaft sollte nicht in einem solchen Land stattfinden.“

Selbst Annalena Baerbock meldete sich in der Debatte zu Wort. „Das ist eine Sache, die in dieser WM und nach der WM natürlich auch von der FIFA aufgearbeitet werden muss“, hatte die Präsidentin der UN-Generalversammlung gefordert. Ob und in welchem Umfang aufgearbeitet wurde, ist offen. Artans Botschaft lautet weiter: „Höre nie auf zu träumen.“

Quelle: dpa

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