SOS-Kinderdorf schreibt Studie zu Gmeiner aus

Mona HopfingerMona Hopfinger
Transparenz: Lupe über Dokumenten mit Kalender (November 2026) und Uhr (24 Monate), Zahnräder und zerbrochene Struktur.
© Mit KI (Gemini) generiert

SOS-Kinderdorf Österreich lässt die Missbrauchsvorwürfe gegen Gründer Hermann Gmeiner wissenschaftlich aufarbeiten. Die internationale Studie soll auch untersuchen, welche Strukturen Gewalt ermöglichten und Aufdeckung verhinderten.

Die Ausschreibung für eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung startet am 1. November 2026. Initiiert wird sie von SOS-Kinderdorf Österreich gemeinsam mit den weltweiten SOS-Kinderdörfern und SOS-Kinderdorf International. Im Zentrum stehen die Vorwürfe gegen Hermann Gmeiner sowie die Frage, wie institutionelle Mechanismen Missbrauch begünstigten und dessen Aufklärung blockierten.

„Wir haben uns in den vergangenen Monaten intensiv mit den Fehlern unserer Vergangenheit auseinandergesetzt und einen umfassenden Reformprozess eingeleitet“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Brigitte Lueger-Schuster, Aufsichtsratsmitglied von SOS-Kinderdorf Österreich. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Gründungsgeschichte sei ein zentraler Schritt. Man wolle verstehen, welche Strukturen Machtmissbrauch zuließen und welche Verantwortung daraus erwachse. „Niemand steht über Verantwortung“, betont Lueger-Schuster.

Zwei Jahre Forschung mit internationalem Fokus

Die Studie ist auf 24 Monate angelegt. Untersucht werden die Rolle Hermann Gmeiners und seines langjährigen Nachfolgers sowie deren Einfluss auf die Organisation. Besonderes Augenmerk liegt auf Macht- und Abhängigkeitsstrukturen, möglichen Netzwerken von Täterinnen und Tätern sowie Mitwissenden und Mechanismen, die Gewalt- und Missbrauchsfälle verschleierten.

Die Untersuchung wird international ausgerichtet sein und neben Österreich und Deutschland auch weitere Länder einbeziehen. Eine internationale wissenschaftliche Jury wählt das Forschungsteam aus. Ein unabhängiger Beirat mit wissenschaftlichen Expertinnen und Experten sowie Care Leavern begleitet die Arbeit. Die Forschenden erhalten uneingeschränkten Zugang zu relevanten Archivunterlagen und Unterstützung bei der Kontaktaufnahme mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.

Teil eines umfassenden Reformprozesses

Die wissenschaftliche Untersuchung ist in den bereits laufenden Reformprozess von SOS-Kinderdorf Österreich eingebettet. Die unabhängige Reformkommission hatte die Notwendigkeit einer konsequenten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und den dahinterliegenden Organisationsstrukturen unterstrichen.

„Wir wollen unsere Gründungsgeschichte weder ausblenden noch beschönigen, sondern vollständig und wissenschaftlich aufarbeiten – auch wenn die Erkenntnisse unbequem sind“, so Lueger-Schuster. Ehrliche Aufarbeitung und Kinderschutz hätten Vorrang vor jeder Form der Verklärung einzelner Persönlichkeiten. Nur so könne man aus der Vergangenheit lernen und die Organisation nachhaltig weiterentwickeln.

Forschungsteams können sich ab 1. November 2026 für die Durchführung der Studie bewerben. Der Link zur Ausschreibung wird in Kürze veröffentlicht.

Quelle: https://www.sos-kinderdorf.at/aktuelles/wissenschaftliche-studie

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