Sozialorganisationen warnen vor Jobabbau durch Kürzungen

Mona HopfingerMona Hopfinger
Wirtschaftskrise: 100-150 Millionen Euro Defizit, 1 in 20 Jobs gefährdet, fallende Münzen.
© Mit KI (Gemini) generiert

Rund 80 Wiener Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Einsparungen im Sozialbereich könnten zu massiven Einschnitten in der Betreuung führen. Bis zu 150 Millionen Euro könnten fehlen, jeder 20. Arbeitsplatz sei gefährdet.

Die Plattform "Wien bleibt anders", in der etwa 80 Sozialorganisationen zusammengeschlossen sind, hat am Mittwoch vor den Folgen möglicher Budgetkürzungen gewarnt. In einer Pressekonferenz machten Vertreter der Hilfseinrichtungen deutlich, dass die Betreuung betroffener Menschen nicht mehr im gewohnten Umfang aufrechterhalten werden könnte. Auch Personalabbau und Insolvenzen stehen im Raum.

Robert Mittermair vom Verein "Leben ohne Krankenhaus" (LOK), der als Sprecher der Plattform auftritt, räumte ein, dass die budgetäre Situation der Stadt bekannt sei. Die Unklarheit über die künftigen Tarife mache jedoch eine verlässliche Planung schwerer. Zusätzlich belastend sei, dass die Unterstützung bereits heuer nicht mit der Inflation Schritt gehalten habe.

Bis zu 150 Millionen Euro weniger befürchtet

Derzeit ist von Einsparungen zwischen drei und fünf Prozent die Rede. Das würde bedeuten, dass den Vereinen 100 bis 150 Millionen Euro fehlen könnten, so Mittermair. Genaue Zahlen lägen aber nicht vor. Die Organisationen befänden sich in einem "wirtschaftlichen Blindflug", der zu Stellenabbau oder sogar Pleiten führen könne. Jeder 20. Arbeitsplatz sei gefährdet, rechnete der Sprecher vor.

Im Bereich der Behindertenbetreuung mache sich bereits eine kürzlich erfolgte Kürzung der Mindestsicherung bemerkbar, erklärte Mittermair. Die Wohnbeihilfe sei reduziert worden, wodurch Betroffenen bis zu 300 Euro monatlich fehlten. Viele Menschen mit genehmigtem Anspruch würden zudem bereits jetzt auf einen Betreuungsplatz warten.

Flüchtlingsbetreuung auf Spenden angewiesen

Auch in der Flüchtlingsbetreuung drohen Leistungskürzungen, warnte Martin Wurzenrainer vom Integrationshaus. Zwar schwanke der Bedarf je nach weltpolitischer Lage, doch angesichts von Konflikten sei er derzeit hoch. Ohne Spenden sei die Arbeit schon jetzt nicht zu bewältigen, berichtete Wurzenrainer.

Andreas Gampert von der Diakonie verwies auf die dramatischen Folgen für die Wohnungslosenhilfe. Die Zahl der Betroffenen steige, und diese benötigten kontinuierliche Begleitung.

Warnung vor Folgekosten

"Es lassen sich soziale Problemlagen nicht wegsparen", betonte Gampert. Jede Kürzung habe Auswirkungen auf zahlreiche andere Bereiche und verursache Folgekosten. Dieter Schrattenholzer von SOS Kinderdorf wies darauf hin, dass dies bereits bei den Jüngsten beginne. Schon jetzt stößt die Kinder- und Jugendhilfe an ihre Belastungsgrenze, heißt es. Würde die Betreuung zurückgefahren, wüchse bei jungen Menschen die Gefahr für psychische Erkrankungen, Sucht oder Straffälligkeit.

Quelle: APA

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