Soziologe erklärt: Was Österreicher wirklich ausmacht

Mona HopfingerMona Hopfinger
Heimat-Würfel mit Karten und Symbolen, Menschen in Tracht, Identität, Wohnort, Verbundenheit
© Mit KI (Gemini) generiert

Tracht, Autokennzeichen oder Skierfolge – doch was prägt die österreichische Identität tatsächlich? Soziologe Markus Hadler von der Uni Graz analysiert, wie wir ausdrücken, wer wir sind, und welche Rolle Verbundenheit zum Wohnort spielt.

Macht der Geburtsort in der Steiermark automatisch zum Steirer? Markus Hadler, Professor am Institut für Soziologie, verneint: Wer in einem anderen Land oder einer anderen Umgebung aufwächst, wird nicht allein durch den Geburtsort definiert. Menschen besitzen viele Identitäten, die sie je nach Situation aktivieren – etwa beim Fest „Aufsteirern“, wenn Zehntausende in Tracht erscheinen.

„Ähnlich einem Rubiks Würfel dreht man Felder zusammen und kehrt im Bedarfsfall eine Seite besonders hervor“, vergleicht Hadler. Entscheidend sei: Die eigene Identität stehe immer in Beziehung zu anderen.

Wohnort und Bundesland besonders wichtig

Das zeige sich auch in der Debatte um Autokennzeichen in fusionierten oststeirischen Bezirken. Dabei gehe es um Zugehörigkeit und bestehende Beziehungen. Die Verbundenheit zum Wohnort hat für die Bevölkerung hohen Stellenwert, bestätigt der Soziale Survey Österreich (SSÖ). Diese österreichweite Umfrage erhebt regelmäßig Einstellungen von über 16-Jährigen und wird von Hadler sowie Petra Müller von der Uni Graz gemeinsam mit Fachkollegen der Universitäten Salzburg und Linz sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt.

Laut Umfrage fühlen sich fast acht von zehn Österreichern mit ihrem Wohnort sehr eng oder eng verbunden. Zum Bundesland ist die Bindung sogar noch etwas stärker. Die Kleinräumigkeit fördere diese Tendenzen, so der Wissenschaftler. In den USA spiele das eine geringere Rolle: Als Hadler zwischen 2005 und 2017 in Kalifornien und Australien forschte und lehrte, war seine österreichische Identität weniger stark ausgeprägt. An der Uni Graz empfinde er sie wieder stärker.

Identitätspolitik setzt auf Symbole

Parteien und Bewegungen nutzen Identitätspolitik, um Unterschiede zu anderen zu betonen und Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Konkrete Sachfragen rücken dabei in den Hintergrund, während Symbole eine übergroße Rolle einnehmen, merkt Hadler an. Besonders wichtig werde das, wenn der Eindruck entstehe, die eigene Identität sei bedroht.

Stolz auf Sport, Kunst und Geschichte

Was es ausmacht, Österreicher zu sein, zeigt auch ein Blick darauf, auf welche Leistungen des Landes die Menschen besonders stolz sind. Hadler verweist auf die SSÖ-Erhebung: Siege beim Skifahren und Fußball genießen extrem hohe Bedeutung und tragen wohl zur Identität bei. Neun von zehn Befragten haben angegeben, auf sportliche Erfolge stolz zu sein. Ähnliche Beliebtheitswerte erzielen Kunst und Literatur sowie österreichische Geschichte.

Quelle: https://www.uni-graz.at/de/neuigkeiten/wer-wir-sind-soziologe-markus-hadler-ueber-oesterreichische-identitaet

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