Spar und Frutura bauen alte Apfelsorten wieder an

Der Handel und der steirische Obstproduzent testen zwei historische Apfelsorten im Erwerbsanbau. Auf 0,7 Hektar wachsen bereits über 2.000 Bäume des Ilzer Rosenapfels und des Falchs Gulderling.
In Österreich sind rund 2.000 Apfelsorten bekannt, doch nur wenige davon werden kommerziell kultiviert. Spar und der steirische Obst- und Gemüseproduzent Frutura wollen das ändern: Sie erproben derzeit den Anbau zweier seltener Sorten – des Ilzer Rosenapfels aus der Steiermark und des Falchs Gulderling aus Tirol. Auf einer Testfläche in der Steiermark stehen mittlerweile 2.150 Bäume.
Das Ziel: In den kommenden Jahren soll untersucht werden, wie sich die beiden historischen Sorten unter modernen Anbaubedingungen entwickeln und ob eine regionale Vermarktung realisierbar ist.
Projekt entstand im Spar-Bienenrat
Die Initiative geht auf den Spar-Bienenrat zurück, ein Gremium, das sich mit Biodiversität, Artenvielfalt und dem Erhalt alter Kulturpflanzen befasst. Gemeinsam mit Frutura, der Sortenvielfaltsorganisation Arche Noah und weiteren Fachleuten wurden Apfelsorten ausgewählt, die sich durch ihre Geschichte und ihre Eigenschaften für den modernen Anbau eignen könnten.
Der Ilzer Rosenapfel kommt aus dem steirischen Sortenerhaltungsgarten Wagersbach, die Edelreiser des Falchs Gulderling aus einem Sortenerhaltungsquartier des Versuchszentrums Laimburg (Südtirol). Veredelt auf junge Apfelbäume, wuchs der Bestand schrittweise.
Von Edelreisern zur Testanlage
Das Projekt begann 2023 mit den ersten Edelreisern und Veredelungen. Heute ist die Testanlage etwa 0,7 Hektar groß. Dort stehen 1.300 Bäume des Ilzer Rosenapfels und 850 Bäume des Falchs Gulderling. Auf lange Sicht soll die Anlage auf ungefähr einen Hektar wachsen, mit bis zu 1.500 Bäumen pro Sorte. Markus Kaser, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Spar Österreich, betont: „Viele Konsumentinnen und Konsumenten interessieren sich heute wieder stärker dafür, wo Lebensmittel herkommen, welche Sorten dahinterstehen und wie sie schmecken. Für uns geht es aber um mehr: Biodiversität schafft die Grundlage für eine vielfältige und zukunftsfähige Landwirtschaft und kann langfristig auch neue regionale Wertschöpfung ermöglichen.”
Erste Erträge und Verkostungen
Im Rahmen des Projekts werden unter anderem Wuchsleistung, Fruchtqualität, Ertrag, Krankheitsanfälligkeit und Lagerfähigkeit beobachtet. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich die Bäume des Ilzer Rosenapfels kräftig entwickeln. Beim Falchs Gulderling konnten bereits große Früchte und erste Erträge beobachtet werden. Für belastbare Aussagen über die längerfristige Entwicklung sind weitere Versuchsjahre notwendig.
Die ersten Früchte werden bereits heuer geerntet. In einer ersten Pilotphase werden beide Sorten ab Ende November 2026 für einen begrenzten Zeitraum und solange der Vorrat reicht exklusiv bei Interspar am Schottentor in Wien erhältlich sein. Ein Teil der ersten Ernte wird für Verkostungen, Untersuchungen und Lagertests verwendet. Zusätzlich erhalten steirische Kindergärten und Schulen Äpfel aus dem Projekt.
„Landwirtschaft steht nie still. Sie lebt vom Wissen vergangener Generationen ebenso wie von der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Mit den alten Apfelsorten verbinden wir beides: Wir testen sie im modernen Anbau und machen dadurch ihre Geschichte und ihren Geschmack wieder erlebbar“, erklären Katrin Hohensinner-Häupl und Manfred Hohensinner, die Geschäftsführung von Frutura.
Ausweitung bei Erfolg geplant
Bewähren sich die beiden Sorten im weiteren Projektverlauf, sollen die Anbaumengen schrittweise erhöht werden. Die Äpfel könnten dann künftig regional in weiteren ausgewählten Spar-Märkten angeboten werden.
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